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Russische Gastgeschenke für »Stevanovic Kurz«

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Bernard Lochner kommentierte als Hanauerstoamandl das kommunale Geschehen, nicht nur in Schönau am Königssee.
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Eine Schönauer Gemeinderatssitzung mit brisanten Themen präsentierten die Funtenseer Trachtler. Fotos: Anzeiger/B. Stanggassinger
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Das Gastgeschenk aus Russland für Bürgermeister Stefan Kurz kam versehentlich in ehrgeizige Musikerhände.
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Die Priesbergmusi genoss das braune Fastenbier, nachdem die Perler Buam ein politisches Gstanzl zum Besten gaben.
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Kurt Becker als russischer Gesandter von Wladimir Putin.

Schönau am Königssee – »Derblecken« stand am Samstagabend im Gasthaus »Unterstein« auf dem Programm. Die Schönauer Weihnachtsschützen und der GTEV D´Funtenseer hatten zum »Hanauerstoamandl« eingeladen. »Diese Veranstaltung wird mit Sicherheit keine Wahlveranstaltung, das Derblecken soll eine Gaudi sein und darf auf keinen Fall persönlich genommen werden«, begrüßte Tobias Kastner, Vorstand der Funtenseer, das Publikum in dem ausverkauften Saal. »Alle Politiker müssen behandelt werden wie ein rohes Ei. Und wie behandelt man ein rohes Ei? Man haut es in die Pfanne«, so der Sprecher.


»San alle do« war die Auftaktpolka der Priesbergmusi, bevor im Saal ein seltsames Geräusch zu vernehmen war. Auf einem Balkon des Saales machte sich das Hanauerstoamandl (Bernhard Lochner) bemerkbar. »Ich sitz' immer da im kalten Stoa und stell fest, dass da was nicht stimmen kann, jetzt ist das Beste, ich schau mal raus ins Land«. Das Hanauerstoamandl bat den Bürgermeister um das Anlegen einer Holzleiter und kam mit einer brennenden Grubenlampe herunter. Auf der Bühne stand ein hölzernes Bierfass. »Bürgermeister, du bist noch nicht im Ruhestand, komm rauf und zapf an. Die beiden Kronprinzen (Bürgermeisterkandidaten) Richard Lenz und Hannes Rasp sollen auch rauf kommen, damit sie sehen wie es geht«, so das Stoamandl.

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Ein kräftiger Schlag und Stefan Kurz rief: »Ozapft is«. Nachdem man sich zugeprostet hatte, gab es vom Vorstand der Schönauer Weihnachtsschützen, Wolfgang Aschauer, Glückwünsche und ein Schützenkrügerl für den Bürgermeister zu seinem 65. Geburtstag.

Anschließend lief das Hanauermandl zu Höchstform auf: Es ging um den Unterschied des Körperumfangs des amtierenden Bürgermeisters zu denen der neuen Kandidaten: »Stefan Kurz war vor dreißig Jahren auch ein ›Krispei‹ (schlanker Jüngling), bevor er stieg über das ›Bürgermoastertrischpei‹ (Bürgermeisters Türschwelle). Weiters widmete sich das Hanauerstoamandl dem Jenner und dem Krautkaserfeld: »Von der Gemeinde bis zum Masterplan steht, was man am Jenner alles machen kann. Die Skigäste können sich mit einem neuen Jenner-Event vergnügen, Stemmbogen machen und Humushaufen verschieben«.

Für den Freiberger- und den Stangerbauer hatte das Hanauerstoamandl einen Tipp parat, da die beiden Bauern noch immer keinen Weg für ihre Alm am Krautkaser bekommen haben: »Vielleicht schaut´s euch um Kühe von anderen Rassen, die zu verwechseln sind mit den DSV-Sportassen«. An den neuen Schönauer Gemeinderat hatte er eine Bitte: »Tut's am Jenner grad so weiter und schreitet zur nächsten Heldentat, ein dritter Weg zu den jetzigen zwoa, wär die Krönung für unsere Gmoa. Das Jennerfeld wär' dann dreispurig ausgebaut, dann wären wir allen voraus, denn mit dem Ausbau der A 8 von München runter hat's auch bis heut noch nicht hing'haut. Am Krautkaserfeld gibt's nur ein Dixiklo, so wird die Piste verschont vor weiteren braunen Spuren, Dixihäusl und Chemie haut auch in der Nationalparkzone hi«.

Das nächste Anliegen des Hanauerstoamandls waren die Hotels in Berchtesgaden. »Der Hettegger kauft alle Buden zam, wenn's so weitergeht, werden die Markterer bald selber nichts mehr ham«. Viel Applaus bekam das Stoamandl auch, als es um die »rostige« Fassade des Nationalparkhauses ging. »Wenn man mich fragt, mir gefallen da draußen nur die Latschen und der Wimbachschotter in der Verkehrsinsel«.

Mit einem Blick nach Bischofswiesen zu Bürgermeister Toni Altkofer und dem Almrechtstreit sowie dem zurückgezogenen Hotelprojekt am Königssee verabschiedete sich das Hanauerstoamandl und wünschte Bürgermeister Stefan Kurz alles Gute für die Zukunft: »Mir als Hanauermandl werst richtig abgeh, waren doch die Geschichten mit dir allweil sche.«

Politische G´stanzl, vor allem zur Kommunalwahl, gaben die Perler Buam zum Besten. So hieß es unter anderem: »Die Freien Wähler haben mit ihrer Werbung nicht g'spoart, die Plakate übern Lenz Richard sind ziemlich broat. An der Königsseer Straß' ham's eane Plakate aufbaut, dass des scho Berchtesgadener Grund war, ham's gar nicht g'schaut«.

Eine Gemeinderatssitzung einstudiert von Max Reichenwallner spielten die Mitglieder des GTEV D'Funtenseer. Auf der Tagesordnung standen die sogenannten Spezlwirtschaften, der Bau eines Explorerhotels, Anträge der Plattlervereine, ein Antrag auf Abstellung der Klimaveränderung, ein Antrag auf Änderung des Ortsnamens und eine Ankündigung einer Bürgerversammlung. Die Sitzung führte bis hin zu Handgreiflichkeiten und wurde mit viel Applaus gewürdigt.

Einen schauspielerischen Höhepunkt lieferte zum Abschluss Kurt Becker. Als russischer Gesandter von Wladimir Putin besuchte er Stefan Kurz, um ihn einerseits zu beglückwünschen und andererseits Anträge zu stellen. Bewaffnet mit einer Kalaschnikow tanzte er auf die Bühne und sprach mit russischem Akzent. »Wir wollen Pipeline bauen, nur Probleme haben wir in Schellenberg«. Weiters gab er Willfried Däuber Tipps, wie er die Probleme mit Tourengehern in den Griff bekommen kann. Er brachte einen Witz nach dem anderen und das Publikum bog sich vor Lachen. Zum Schluss überreichte er »Stevanovic Kurz« ein Geschenk. Er verschenkte eine Posaune, seine Waffe und einen Liter Wodka. Als Stefan Kurz auf der Bühne jedoch den Musikkoffer öffnete, war darin eine zusammengedrückte kaputte Posaune. Der Russe gab zu verstehen, dass in der Pension, in der er wohnt, Erhard Moldan diese Posaune kaputt gemacht haben soll, denn dieser will der beste Musiker sein. Bernhard Stanggassinger