weather-image

Rutenschläge, Respekt und eine Rast mitten auf der Straße

4.1
4.1
Bildtext einblenden
Früh übt sich, wer ein Buttnmandl werden will.
Bildtext einblenden
Maxi und Magdalena Wassermann hatten mächtig Respekt vor den Kramperln.
Bildtext einblenden
Das Tor des Sieglerstadls geht auf und der Lauf beginnt.
Bildtext einblenden
Fotoscheu und grantig: die Buttnmandl an der Kochsternfeldstraße.
Bildtext einblenden
Vom Sieglerstadl geht es runter in die Stanggaß. (Fotos: Stanggassinger)

Berchtesgadener Land – Buttnmandl-Bassen bleiben am liebsten unter sich. Doch »Anzeiger«-Fotograf Bernhard Stanggassinger durfte am Mittwochabend gleich mehrere auf ihrem Weg durch den Talkessel offiziell begleiten.


Vier Ganggerl und ein Sackiträger postierten sich vor dem großen Stadltor des Sieglerlehen in der Stanggaß. Der Sackiträger ist der Jüngste, der zur Bass gekommen ist. Er muss allen Bedürfnissen der Kramperl und Buttmandl nachkommen, Ersatzruten mittragen, Geschenke in seinen Rucksack packen. Und sollte ein Buttnmandl noch etwas vom Stroh ausgeschnitten werden müssen, hat er mit der mitgeführten großen Heckenschere zur Stelle zu sein. Das Tor öffnete sich, die Ganggerl sprangen auf, mit gewaltigem Kuhglockengeläut folgten 14 gewaltige Strohbuttnmandl dem Stanggaßer Nikolaus. Es gab einen kurzen Halt für ein Gruppenfoto, bevor es hinunterging in die Gnotschaft Stanggaß.

Anzeige

Die Tour des Fotografen führt nach Bischofswiesen. Oberhalb des Guggenbichllehen auf einer Anhöhe haben sich die Bischofswieser Buttnmandl zum Gebet versammelt. Auch, wenn kein Schnee lag, der Einbruch der Dunkelheit und die weißen Berge mit durchgezogenen Mitternebeln vermittelten Mystik. Nachdem die Buttnmandl durch waren, sammelten Kinder die verlorenen Strohhalme und zeigten mit ihnen dem »Anzeiger«-Fotografen, wie sie als Buttnmandl aussehen würden.

Die Fototour führte weiter über das Dietfeld. Doch die Rosenhofer Buttnmandl waren schon früher ausgelaufen. Viel Stroh lag auf den Straßen. Und trotzdem war ihr momentaner Standort nicht auszumachen. Eine Strohbass auf der Koch-Sternfeld-Straße kam dem Fotografen entgegen. Doch aus dem Auto heraus fotografiert zu werden, gefiel ihnen nicht. »Höflich« wurde der »Anzeiger«-Fotograf weitergeschickt. Zum Abschied gab es zwei heftige Rutenschläge. Merke: Beim nächsten Termin das Auto vorher irgendwo abstellen.

Der Fotograf wartete eine Stunde lang vor dem Koppensteinlehen in Königssee. Eine Sandstraße führt durch einen alten Ahornbaumbestand zum Lehen. Während des Wartens in einer Wiese war aus den verschiedensten Richtungen, Buttnmandlschreie, diverses Glockengeläut, Weisenbläser, eine Eule und auch ein Laubbläser, mit dem vermutlich jemand sofort das Stroh der Buttnmandl entfernte, zu hören.

Die Buttnmandl kamen durch den finsteren Wald, man erkannte ein kleines Licht, vermutete eine Laterne. Falsch gedacht: Der Nikolaus hatte in seiner Mitra eine Leuchte installiert. Fotografieren war aufgrund der totalen Finsternis kaum möglich. Der Fotograf ließ die Schar zum Koppensteinlehen laufen, setzte sich ins Auto und fuhr Richtung Hauptstraße. Doch plötzlich wurde es aufregend. Ein Buttnmandl lag auf der Straße, kopfseitig am Straßenrand. Ein Vorbeifahren wäre nicht möglich gewesen. Dann fiel ihm auf, dass von diesem Buttnmandl keinerlei Reaktion kam. Auf die besorgte Frage »Feit dir wos?« kam keine Reaktion. Der Fotograf stieg aus, das Buttnmandl im Scheinwerferlicht. Man erkannte, dass er die Augen geschlossen hatte. Bevor der »Anzeiger«-Mann die Schlagader des Buttnmandls abtastete, schrie er ihn ein zweites Mal an: »Feit dir wos?«. Dann kam die Antwort laut und mit Nachdruck. »Mir feit nix.« Dem Fotografen fiel ein Stein vom Herzen. »I hob hoit a bissei g'rast, bis de andern vom Koppenstoaleh'n zruckkemman.« – »I muaß do durch. Geh her, i ziag di auf«.

Familie Wassermann in der Stanggaß gewährte dem »Anzeiger«-Reporter dann während des Nikolausbesuches Eintritt in ihre Stube. Die beiden Kinder Maxi und Magdalena hatten einen Riesenrespekt vor dem Besuch des Heiligen. Sie baten den Vater, er möge doch nur einen Kramperl in die Stube lassen und auch der »Anzeiger«-Fotograf wurde um Schutz gebeten. Der einfühlsame Nikolaus erkannte die Ängste und verwies die Kramperl aus der Stube. Er verlas aus seinem Buch die Botschaft, die ihm seine Engel aufgeschrieben hatten: Schnell beleidigt zu sein und gelegentliche Unkonzentriertheit lauteten Maxis Schwächen. Er versprach dem Nikolaus, sich zu bessern. Gelobt wurde der Bub hingegen für seine Hilfe im Haushalt, seine guten Noten in der Schule und sein gekonntes Schuhplatteln. Außerdem ist der Maxi ein Spitzenmusikant. Die Magdalena räumt nicht so gerne auf und streitet ab und zu mit ihrem Bruder. In der Schule ist sie allerdings sehr gut. Mit den Nachbarskindern spielt sie gerne und geht auch gerne in die Plattlerprobe.

Zwei Musikstückerl hatte der Maxi für den Nikolaus auf seiner steirischen Ziehharmonika extra einstudiert und vorgetragen. Der heilige Mann war beeindruckt. Die Magdalena schenkte dem Nikolaus eine Zeichnung und zwei Kramperl trugen unter großen Herzklopfen der Kinder Geschenke herein. Vor dem Haus gab es dann für die Hausleute ein Ehrengeläut von den Buttnmandln.

Dieses Video könnte Sie auch interessieren: