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Salzburg und der Obersalzberg

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Der Direktor des Salzburg Museum, Dr. Martin Hochleitner, über die Geschichte seines Hauses und die Kooperation mit der Dokumentation Obersalzberg. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden – 80 Jahre nach dem »Anschluss« Österreichs, bei dem auch der Obersalzberg eine zentrale Rolle spielte, setzt sich das Salzburg Museum umfassend mit der Geschichte der Region in der Zeit des Nationalsozialismus auseinander – in Zusammenarbeit mit der Dokumentation Obersalzberg. Im AlpenCongress Berchtesgaden befasste sich Museumsdirektor Dr. Martin Hochleitner anlässlich des »Obersalzberg Gesprächs« mit der Thematik und wirft im Gespräch Schlaglichter auf Salzburg während des Nationalsozialismus sowie auf den Umgang mit der Geschichte nach 1945.


Welche Rolle spielte die Nachbarschaft zum Obersalzberg für Salzburg?

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Dr. Martin Hochleitner: Die Nachbarschaft mit dem Obersalzberg spielte mehrfach in der Geschichte eine Rolle, zumal Salzburg auch mit seiner städtischen Infrastruktur und auch als Bühne, das Stichwort wären hier die Festspiele, große Bedeutung besaß.

Stichwort Arisierungen: War das Museum während des Nationalsozialismus an solchen Verbrechen beteiligt?

Hochleitner: Das »Salzburg Museum« erhielt in der Zeit des Nationalsozialismus Kunstwerke und Kulturgüter aus arisierten Sammlungen. Es profitierte damit also vom Verbrechen der Arisierung.

Die Ausstellungs- und Sammlungstätigkeit im Nationalsozialismus hat sich verändert. Wie genau?

Hochleitner: Die Ausstellungen wurden auf NS-Inhalte hin ausgerichtet. Ausstellungen und Sammlungstätigkeit dienten vor allem der NS-Ideologie und der Propaganda.

Wie haben sich Salzburg und das Museum nach 1938, als Deutsche in Salzburg einmarschierten, definiert: als »österreichisch« oder als »deutsch«? Warum?

Hochleitner: Wir zeigen das in unserer Ausstellung exemplarisch auf: Salzburg definierte sich als herausragende deutsche Stadt des Barock. Mozart war der deutsche Tondichter, Paracelsus der deutsche Arzt, die frühe Geschichte Salzburgs war die germanische, Salzburgs Volkskunst eine nordische. Genau diese Inhalte wurden vom Museum transportiert.

Wie geht man im »Salzburg Museum« mit nationalsozialistischen Begriffen um?

Hochleitner: Das war für uns ein besonders wichtiges Thema. Im Rahmen der Ausstellung erklärt ein eigenes Glossar zentrale Begriffe des Nationalsozialismus. Für die Auswahl der Ausdrücke war einerseits ihre Verwendung im »Salzburg Museum« in der NS-Zeit ausschlaggebend. Andererseits erläutert das Glossar auch Wörter, die in den Ausstellungstexten zur grundsätzlichen Darstellung des Nationalsozialismus vorkommen. Die ausgewählten Begriffe liefern Einblicke in die Terminologie und den offiziellen Sprachgebrauch des Nationalsozialismus. Das Glossar skizziert nach Möglichkeit die Vorgeschichte und das Nachleben der einzelnen Begriffe. So liefert gerade der Umgang mit dem NS-Vokabular nach 1945 auch wichtige Hinweise auf das Verhältnis der Gesellschaft zur nationalsozialistischen Vergangenheit.

Welchen Stellenwert hat die Geschichte heute?

Hochleitner: Die Gegenwart des Kapitels der NS-Zeit im Museum manifestiert sich vor allem in der Provenienzforschung, also der Geschichte der Herkunft von Kunstwerken und Kulturgütern.

Berchtesgaden spielt im »Salzburg Museum« ebenfalls eine Rolle. Welche Bedeutung hatte die Kooperation mit der Dokumentation Obersalzberg?

Hochleitner: Für uns ist dieser Austausch ein ganz wichtiger. Besonders freut uns die Möglichkeit, mit der Dokumentation zusammenarbeiten zu können. Die Planung des gemeinsamen Programms war schon in der Vorbereitung ein großer Gewinn für das »Salzburg Museum«. Wir konnten von der Kompetenz der Dokumentation Obersalzberg im Umgang mit dem Nationalsozialismus viel lernen. Auch freue ich mich persönlich über die große Kollegialität bei der grenzüberschreitenden Bearbeitung einer gemeinsamen Geschichte.

Auch ein Carl-Spitzweg-Gemälde spielt in der Ausstellung zum »Dritten Reich« eine bedeutende Rolle. Welche?

Hochleitner: Das Bild ist eines der herausragenden Objekte der Sammlung des »Salzburg Museum«. Genau deshalb wurde es Hitler auch bei seinem Besuch in Salzburg nach dem Anschluss 1938 überreicht. Aus verschiedenen Gründen ist es dann aber wieder an unser Haus zurückgegeben worden. Entsprechende Belege in unserem Archiv dokumentieren diese Rückgabe. Wir zeigen sie in Verbindung mit dem Gemälde auch in der Ausstellung. Den Menschen wird damit auch bewusst, welch unterschiedliche Geschichte sich mit Objekten verquicken lässt. Kilian Pfeiffer