weather-image
22°

Sanierungsfall Götschen: 2,2 Millionen Euro für das Leistungszentrum

2.0
2.0

Bischofswiesen – 2,2 Millionen Euro netto, davon rund 90 Prozent Bundes- und Landesmittel, sollen bis November in das Bundesleistungszentrum am Götschen fließen. Mit der Investition will die Gemeinde Bischofswiesen vor allem die desolate und laut Expertenmeinung mittlerweile auch gefährliche Beschneiungstechnik auf den modernen Stand bringen. Nach der erstmaligen Vorstellung des Projekts vor 14 Monaten im Gemeinderat Bischofswiesen gab das Gremium am Dienstag erneut mehrheitlich grünes Licht und beauftragte Bürgermeister Thomas Weber, die entsprechenden Genehmigungsanträge einzureichen.


Wie weit es bei der aktuellen Beschneiungstechnik am Götschen fehlt, stellte Christian Weiler von renommierten Schneeanlagenplaner Klenkhart & Partner aus Tirol erneut dar. Die Beschneiungsanlage, die im Jahr 1998 durch die Gemeinde errichtet worden war und für die es eine Betriebsvereinbarung mit dem Deutschen Skiverband (DSV) gibt, »entspricht nicht mehr dem Stand der Technik«, sagte Weiler. Von ihr gehe mittlerweile sogar eine Gefahr aus.

Anzeige

Speicherteich wird viermal so groß

Vor allem der Speicherteich sei ein Sanierungsfall. Das Volumen des Wasserreservoirs soll von bislang 3 700 Kubikmeter auf künftig 15 000 Kubikmeter erhöht werden. Dann hat man mehr Spielraum und muss wohl in niederschlagsarmer Zeit kein Wasser mehr aus dem Schwarzecker Bach entnehmen. Der Speicherteich wird damit viermal so groß wie bisher.

Neu gebaut werden die Teichzentrale und der Kühlturm. Für die Hauptpumpstation ist eine Modernisierung geplant, dagegen soll die Druckerhöhungsstation inklusive eines Holzstadels für die Lagerung der Anprallmatten neu gebaut werden. Im Blickpunkt steht auch ein Austausch der Schneischächte und der alten Leitungen. Realisiert werden soll im Zuge des Projekts darüber hinaus die Beschneiungsanlage für die neuen Sportarten. Geplant sind noch eine Verbesserung der Stromversorgung und eine Verbreiterung der Skipiste. Und eine neue Schneileitung soll die Schlagkraft der Lanzenanlage deutlich erhöhen.

Inbetriebnahme bis zum 15. November?

Das Baugeologische Büro Bauer aus München hat nach den Worten Weilers bereits eine Baugrunderkundung abgeschlossen. »Die Ergebnisse besagen, dass es sich dort um sehr gut geeignetes Baugelände handelt«, sagte der Ingenieur. Und die Begleitung aus naturschutzfachlicher Sicht liegt in den Händen des Büros NRT. »Aus den Untersuchungen hat man Bestands- und Maßnahmenpläne entwickelt, die sich aktuell in der Finalbearbeitung befinden«, sagte Christian Weiler. Damit sei die technische Planung des Projekts nun fertig. Der landschaftsplanerische Begleitplan befinde sich in der Endabstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde. Christian Weiler geht davon aus, dass die Genehmigung im Frühsommer vorliegen könnte. Nach Durchführung der Bauarbeiten im Sommer und Herbst könnte die Inbetriebnahme zum 15. November 2019 erfolgen.

Ein klares Nein zu dem Projekt kam von Paul Grafwallner (UBB). Der war der Meinung, dass es sich hier nicht nur um erhebliche Erweiterungen, sondern teilweise auch um Neubauten handele. 27,5 Hektar Bergwald seien seit Eröffnung des Skigebiets Götschen bereits verloren gegangen. Und der neue Speicherteich werde erneut in den Bergwald hineingebaut. Mittlerweile gebe es am Götschen nur noch einige Reste von wertvollen Biotopen, monierte Grafwallner. Der vertrat die Auffassung, dass alle Maßnahmen am Götschen gemeinsam in einer Umweltverträglichkeitsprüfung untersucht werden müssten. Stattdessen würden Projekte wie der Neubau der Bergstation oder Geländeauffüllungen einzeln abgewickelt. »Das ist nichts anderes als Salamitaktik«, schimpfte Grafwallner. Und schließlich zeige ein neues Gutachten, dass die Auerwild-Population von den Maßnahmen am Götschen negativ beeinflusst werde.

Den Naturschutz ernst zu nehmen und am Götschen entsprechend sensibel vorzugehen, forderte auch Hans Metzenleitner für die SPD. Dennoch betonte er, dass die Anlage für alle Bischofswieser und Naherholungssuchende viel wert sei. Eine Sanierung mit entsprechenden Erweiterungen sei nach 20 Jahren »nicht verkehrt und naturschutzfachlich einigermaßen vertretbar«.

»Klimaschädliche Subvention«

Das sah Michael Sturm von den Grünen anders. Für ihn ist es schon ärgerlich, wenn man einen Nutzungsvertrag über 25 Jahre abschließe, »die Hardware aber schon vor Ablauf kaputt geht«. Wenn man jetzt saniere, dann soll die Beschneiungsanlage ja wieder ein viertel Jahrhundert halten. »Da fragt man sich, ob das in Zeiten des Klimawandels noch Sinn macht.« Sturm sprach von einer »klimaschädlichen Subvention« und wollte vom Bürgermeister die Förderhöhe wissen.

»Wir fordern eine Bezuschussung von 90 Prozent, müssen uns aber mit Bund und Land abstimmen«, sagte Thomas Weber. Immerhin handele es sich in erster Linie um ein Bundesleistungszentrum, das von der Gemeinde teilweise für den Breitensport mitgenutzt werde.

Nach einem Plädoyer Thomas Reschs zugunsten des Götschen-Projekts kam Götschen-Skiliftbetreiber Bernhard Heitauer noch einmal auf das Auerwild zu sprechen. Heitauer vertrat die Meinung, dass die Tiere von den Skitourengehern, die 24 Stunden am Tag unterwegs sind, mehr gestört würden als vom Alpinbetrieb. Und Matthias Aschauer (Freie Wähler) erfuhr von Bürgermeister Thomas Weber, dass die Grundstückseigentümer und Weideberechtigten mit dem Projekt einverstanden sind. Gegen die Götschen-Sanierung stimmten Michael Sturm, Marlies Moderegger (beide Grüne) und Paul Grafwallner (UBB). Ulli Kastner