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Sarah kann wieder lachen

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Gingen gemeinsam durch eine schlimme Zeit: Gewaltopfer Sarah (2.v.r.) mit ihrer Mutter (2.v.l.), Unterstützerin Sandra Rieder (l.) und Günter Reiser von der Froschhamer Zunft. (Foto: privat)

Bad Reichenhall – Knapp eineinhalb Jahre nach dem Gewaltverbrechen an der damals 17-jährigen Schülerin Sarah aus Bad Reichenhall haben sich die Organisatoren einer groß angelegten Spendenaktion mit der betroffenen Familie darauf verständigt, das eingerichtete Spendenkonto zum Jahresende zu schließen. In vielen Aktionen und Veranstaltungen hatte sich ein wachsender Unterstützerkreis um Sandra Rieder darum bemüht, für Sarah Geld zu sammeln, um sie bei der Bewältigung dieses traumatischen Ereignisses in der Nacht des WM-Finales am 13. Juli 2014 und der notwendigen Operationen und Behandlungen zu unterstützen. Die Froschhamer Zunft mit ihrem Zunftmeister Günter Reiser hatte das Spendenkonto eingerichtet und die Verwaltung übernommen. Da Sarah verständlicherweise selbst keine Interviews geben möchte, beauftragte sie zusammen mit dem Unterstützerkreis Günter Reiser mit der Verbreitung dieser Nachricht.


Der Ex-Bundeswehrsoldat Christoph R. hatte in besagter Nacht des Endspiels der deutschen Fußballmannschaft in Brasilien einen 72 Jahre alten Malermeister in Bad Reichenhall zu Tode geprügelt und die 17 Jahre alte Sarah auf dem Heimweg von einer Gaststätte überfallen, niedergestochen und ausgeraubt. Dafür war er zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Bluttat hatte den Kurort damals über Wochen in Angst und Schrecken versetzt. Noch heute herrscht große Betroffenheit in der Stadt.

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Sarah erlitt bei der Tat schwere Schnittverletzungen, lag mehrere Tage auf der Intensivstation und verlor schließlich ein Auge. Eine Gruppe um Sandra Rieder wurde schon bald nach dieser schrecklichen Nacht aktiv, um Sarah bestmöglich zu unterstützen. Um Spenden sauber und rechtmäßig abwickeln zu können, bat sie die Führung der Froschhamer Zunft um Unterstützung, da diese auch vorher schon Spendenaktionen für Bedürftige ins Leben gerufen und abgewickelt hatte. Zunftmeister Günter Reiser richtete ein Spendenkonto »Sarah« ein und übernahm dessen rechtskonforme Abwicklung. Das heißt, er klärte offene Fragen, zum Beispiel mit dem Finanzamt ab, holte Genehmigungen für Tombolas bei der Bayerischen Lotterieverwaltung ein und stellte die Spendenquittungen aus.

Auch Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner stand Sarah, deren Familie und den Organisatoren der Hilfsaktion in allen Belangen zur Verfügung. Der Helferkreis um Sandra Rieder, der sich sehr schnell vergrößerte, machte die Aktion zwischenzeitlich über Flyer, Plakate und über die Medien publik und stellte 40 Spendenbüchsen auf, die von den Helfern auch laufend betreut wurden. Zudem spendeten Konzertveranstalter Veranstaltungserlöse und Firmen zeigten sich als großzügige Spender. Schön sei es, so Günter Reiser, dass Menschen quer durch alle Bevölkerungsschichten und mit kleinen und großen Beträgen gespendet hätten. Dabei kamen die Spenden nicht nur aus der Region, sondern oft von weit her, wie etwa eine Spende aus Norwegen.

Zwischenzeitlich gab es aus einem Sozialen Netzwerk aber auch leise Kritik an der Spendenaktion. Hier wurde gefragt, warum nicht auch für die Familie des Mordopfers gesammelt werde. Reiser verwies auf formulierten Gründungszweck der Froschhamer Zunft aus dem Jahr 1453, in dem es heißt: »Für Verstorbene beten, Lebenden helfen«. Für Sarah waren all diese Aktionen nicht nur finanziell sehr hilfreich, sondern auch eine sehr große psychologische Unterstützung.

Gefragt nach dem derzeitigen Zustand und der Gefühlswelt Sarahs, stellte Günter Reiser freudestrahlend fest: »Sarah kann wieder lachen und bewältigt ihre Situation sehr positiv-« Trotz aller Misslichkeiten hat die junge Frau eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen und die Führerscheinprüfung mit Erfolg abgelegt. Auch ein kurzer Urlaub in Italien lenkte sie von dem Erlebten ab. Probleme bereitet Sarah offenbar aber nach wie vor, sich in der Finsternis außer Haus zu bewegen oder ganz alleine zu sein. Manchmal kommen hier die schlimmen Erinnerungen an die Tatnacht hoch, wie Günter Reiser weiß. Sarah komme damit aber schon ganz gut klar. »Sie ist sehr positiv eingestellt«, sagt Reiser. Dasselbe gilt für Sarahs Mutter, die laut Reiser sehr warmherzig nicht nur an ihre Tochter denke, sondern mitfühlend über die Mutter des Täters sagte: »Die ist sicher auch schlimm dran.«

Um größeren Abstand zum nahe liegenden Tatort zu bekommen, haben sich Sarah und ihre Mutter allerdings entschlossen, innerhalb Bad Reichenhalls in eine andere Wohnung zu ziehen. Werner Bauregger