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»Schätzen wir alle genug, was die Landwirte für uns tun?«

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Bernhard Pointner, Geschäftsführer der Milchwerke Berchtesgadener Land (r.), mahnte an, die heimischen Bauern zu unterstützen. (Foto: privat)

Bischofswiesen – Zum diesjährigen Starkbieranstich des Bischofswieser CSU-Ortsverbandes im Gasthof »Brenner Bräu« war nicht nur Polit-Prominenz gekommen. Auch das Untersbergmandl gab sich wieder die Ehre und kam vom Berg herunter, um den Bischofswiesern die Leviten zu lesen.


Heuer war zudem auch Bernhard Poitner, Geschäftsführer der Milchwerke Berchtesgadener Land, als Referent geladen. Ortsvorsitzender Josef Pletzer und Bürgermeister Thomas Weber begrüßten den Gastredner.

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Zahlreiche interessierte Bürger, CSU-Vertreter, Kreisräte, die Bürgermeister der Talkesselgemeinden, ebenso wie der Kreisrat Georg Wetzelsperger ließen sich den zünftigen Abend nicht entgehen. Die Musikkapelle Bischofswiesen sorgte für musikalische Unterhaltung. »Das Untersbergmandl ist eine regionale Spezialität«, bekundete Bezirksrat Wetzelsperger, »die echt gut ist. Genauso wie unser gutes Bier und die gute Milch aus der Region.« Damit übergab er das Wort an den Festredner Bernhard Pointner, Geschäftsführer der Milchwerke Berchtesgadener Land. »Vielleicht wären wir gut beraten, wenn wir uns wieder mehr auf unsere Region konzentrieren würden«, lautete seine Nachricht. »Wir brauchen uns alle gegenseitig im Berchtesgadener Land. Im Team sind wir unschlagbar, allein nicht konkurrenzfähig«, mahnte er.

Pointner stellte die Frage in den Raum: »Schätzen wir schon alle genug, was die Landwirte in unserem Landkreis für uns machen?« Er gab zu bedenken, wie es ohne die Landwirte im Landkreis aussehen würde: »Zugewachsene Leiten, verbuschte Almen, von grünen Wiesen keine Spur und keine grasenden Kühe und Kälber wären die Folge.« Und wie wüssten die Leute den Fleiß und die Mühen der Bauern zu danken? »Mit dem Rechtsanwalt, weil die Kuhglocken zu laut sind. Mit gerümpfter Nase, wenn Mist gefahren wird. Mit dem Einkauf von norddeutscher Billigmilch oder polnischer Sahne in der Gastronomie«, lautete die Kritik des Geschäftsführers der Milchwerke. Es sei auch eine Kritik an »vielen Spitzenpolitikern, die nur Mehrheiten hinterherlaufen«. Man müsse ein Ziel vor Augen haben und dieses konsequent verfolgen. Und nicht versuchen, es allen recht zu machen und »meinen, man muss jeden überzeugen, um dann einen lauwarmen Kompromiss zu finden«. Bernhard Pointner ist überzeugt: »Hätten wir in der Vergangenheit immer auf die vermeintlichen Experten gehört, gäbe es im Berchtesgadener Land keine Molkerei mehr.« Die Milchproduktion hätte dort keine Zukunft, hatten die Experten prophezeit. »Es waren gestandene Bauern, die mit meinem Vater 1985 gesagt haben: Und jetzt erst recht.«

Im Folgenden ging der Gastredner auf den Preis ein: Der Preis vieler Lebensmittel habe nichts mehr mit ihrem tatsächlichen Wert zu tun. »Nur noch 42 Cent koste der Liter Milch beim Discounter.« Dies sei viel weniger als die meisten Mineralwasser-Flaschen. »Nur dass bei der Milch von diesem Erlös Tiere mühsam gehalten werden, Tausende Landwirtsfamilien viele Arbeitsstunden im Stall und auf den Wiesen verbringen, ein Milchwagen viele Kilometer zurücklegt, um die Milch einzusammeln, eine Molkerei gebaut werden muss, die Milch verarbeitet, verpackt und geliefert werden muss.«

Was übrig bleibe, seien dann Bauernhoffabriken mit 300 Kühen aufwärts, weil eine einzelne Kuh so wenig abwirft, dass der Bauer viele davon braucht, um seine Familie ernähren zu können. »Und das, weil wir nichts hinterfragen, es uns auch egal ist und wir beim Lebensmitteleinkauf gerne jede noch so kleine Sparmöglichkeit nutzen«, kritisierte Pointner.

Das ließ auch das Untersbergmandl nicht unberührt. »I hob bei meiner Wanderung oiwei a Bergbauernmilli dabei«, bekundet er stolz. Es suchte gleich in seinem Rucksack nach der original »Berchtesgadener Land«-Milch. Nachdem er so manch andere Milchpackungen rausgeräumt hatte, fand er endlich das Original und schenkte sich gleich zufrieden ein Glas ein. Doch was war das – Bier war drin in der Milchpackung. Typisch Untersbergmandl. Na dann Prost. fb