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Scharfe Kost aus Berchtesgaden

Berchtesgaden - Ein Erotikbuch-Verlag zu Füßen des Watzmanns, mitten in Berchtesgaden? Tobias und Oliver Fischer haben mit »Horgenbooks« den Versuch gewagt. Mit Erfolg, wie die Verkaufszahlen beweisen. Kürzlich sind die beiden Jungunternehmer von Frankfurt nach Berchtesgaden umgesiedelt. Und vertreiben von hier aus ihre in Auftrag gegebenen Hochglanz-Fotobücher aus der Erotikwelt. Ihre Produkte sehen sie als »Kunstwerke«, auch wenn sie jüngst die Grenze zur Pornografie überschritten haben.

Tobias (l.) und Oliver Fischer vertreiben Erotik-Bildbände von Berchtesgaden aus. Foto: Anzeiger/kp

Tobias und Oliver Fischer wirken entspannt. Klar, die beiden wohnen jetzt in Berchtesgaden. Das ist schon ein wenig anders als in der Großstadt. Das Leben hier kennen sie aber. Früher waren sie Schüler auf der CJD Christophorusschule auf dem Obersalzberg, wohnten in der Oberau. Zwei erfolgreiche Sportler, hessische Snowboarder. »Uns hat die Gegend hier schon immer gut gefallen«, sagen sie.

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Oliver, 30 Jahre alt, ging wieder in die Stadt zurück, lernte dort den Beruf des Grafikers. Tobias, 27 Jahre, blieb hier, wurde Industriekaufmann und studiert derzeit Betriebswirtschaftslehre im benachbarten Österreich. Das Verlagswesen ist den Brüdern nicht fremd, die Idee mit der Erotik-Schiene war dennoch eher aus der Spontaneität heraus geboren.

»Wir waren auf der Venus in Berlin«, erzählen die beiden. Das ist die größte Erotikmesse Deutschlands. Der Entschluss stand, bereits im nächsten Jahr dort einen eigenen Stand zu haben. Mit Buch-Produkten, die aus der Masse der Veröffentlichungen herausstechen. Dazu gründeten sie den Verlag »Horgenbooks«. Ein Name, der zwar nordisch klingen soll, sonst aber keine weitere Bedeutung hat. Gute Verarbeitung, hochwertige Bilder - das war das Ziel des Brüderpaares.

Doch bislang fehlten die Kontakte in die Szene. Dann entdeckten die beiden Susan Wayland, ein Latex-Glamour-Model, eigentlich Deutschlehrerin, aber durch ihren Erfolg als Latex-Berühmtheit international bekannt geworden. »Die mussten wir haben.« Das war Oliver Fischer gleich zu Beginn klar. Auch, weil das Thema Latex auf dem Buchmarkt ein Nischendasein fristete. Der Kontakt wurde geknüpft. Der Plan ging auf, mit Susan Wayland entstand das erste Hochglanz-Fotobuch.

Auf der Leipziger Buchmesse im vergangenen Jahr war das junge Duo mit dem Model der Hingucker. In großen Lettern schafften es die beiden Unternehmer mit der weiblichen Begleitung in die »Bild«-Zeitung. Mit weiteren Produkten galt es, Aufmerksamkeit zu erregen. Ein Gothic-Fantasy-Titel sollte es sein, erneut ein Bildband, Hochglanzoptik. Wert legen die beiden Verleger auf eine besondere Bildauswahl, auf den künstlerischen Aspekt, die für das Shooting gewählten Locations.

Mit dem Fotografen Guido Thomasi fanden die Fischer-Brüder einen in der Szene bekannten Erotikmodel-Fotografen, er gilt als »Meister seines Fachs«. Mit ihm überschritten die Firmengründer erstmals die Grenze zur Pornografie und gaben das »Pussy Book« mit zahlreichen deftigen Detailaufnahmen heraus. Obwohl nicht jedermanns Sache, fand der Titel international großen Anklang. Bestellungen aus Hongkong, Russland, den USA. »Sogar auf einen Flugzeugträger haben wir geliefert«, weiß Tobias Fischer.

Zwar setzen die zwei größtenteils auf Bildbände, doch haben sie es auch schon mit kleinen Publikationen im Taschenbuchformat versucht. »Der perfekte Liebhaber« heißt eines der Büchlein. Ein Ratgeber von einem Österreicher, gelernter Koch, der die Frauenwelt nach eigener Aussage besser kennt als seine eigene Westentasche.

Kein Problem haben die Brüder damit, sich mit ihrem doch sehr außergewöhnlichen Unternehmen vor der Berchtesgadener Bevölkerung, der man eher eine konservative Haltung zuschreibt, zu »outen«. »Wir sind da ganz optimistisch«, sagt Oliver Fischer. Schmuddelig sei das, was hier gemacht werde, ja nicht. Für ihn ist es ein »rein künstlerischer Ansatz«, auch wenn die Geschmäcker bekanntlich verschieden sind.

Die Zielgruppen? Größtenteils Männer im Alter von 18 bis 85. »All die, die Spaß an der Erotik haben«, erkärt Tobias Fischer. Dass das nicht wenige sind, beweisen die aktuellen Verkaufscharts. Seit Wochen stehen die »Shades of Grey«-Buchtitel deutschlandweit auf Platz 1.

Deshalb plant man bereits in die Zukunft. Konkretes gibt es dazu aber noch nicht zu sagen. Nur so viel: Almen sollen eine wesentliche Rolle spielen. kp