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»Scheißts eich ned ei«

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Geschafft! Das Ende des Konzerts und das Ende der Tour.
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»So bin i« – Ringlstetter mit fetzigem Intro. (Fotos: Tessnow)

Berchtesgaden – Hannes Ringlstetter, bekannt als Moderator mit gleichnamiger Show und Kabarettist im Bayerischen Fernsehen, liebt es, in seiner Karriere ab und zu mal »Saitensprünge« zu machen. Kürzlich erschien sein neues Album »Fürchtet Euch Nicht«. Am Donnerstagabend präsentierte sich Ringlstetter im Kurgarten vor 400 Zuschauern mit witzigen Moderationen und wohldurchdachtem Konzert.


Argumentativ gut sortiert, gelassen und abgeklärt, so kennt man Hannes Ringlstetter. Mit brandneuen Songs im Gepäck gastierte der charismatische Niederbayer zusammen mit einer coolen siebenköpfigen Band und seinem neuen Programm »Fürchtet Euch Nicht« im Kurgarten. Das mit einer markant rauchigen Stimme vorgetragene Songmaterial überzeugte mit vielen Lebensweisheiten. Als »der weiße Cowboy« wird er oft betitelt. Weiß, die Farbe seines Jacketts und Farbe der Unschuld. Und so locker kam Ringlstetter auf die Bühne und fetzte mit »So bin i« den Abend ein.

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Doch wer glaubte, Hannes Ringlstetter sei ein Gaudibursch und bedient sein Publikum Richtung Partylaune, hatte sich getäuscht. Sind seine Songansagen und Hintergrundgeschichten schön ironisch, legt der Liedermacher musikalisch doch eher den kleineren Gang ein, weil der Text genau so wichtig ist. Da darf es auch mal melancholisch klingen und ein Cello zum Jammern verführt werden. So wusste das Publikum nie, was als Nächstes kommt. Bei der Titel- und Genreauswahl pickte sich der Künstler bewusst Abwechslungsreiches heraus und so blieb das Konzert ein zweistündiges »Überraschungsei«. Und obwohl das Publikum manchmal eine kleine »Powerdusche« erwartete, ließ sich Ringlstetter nicht zum »Bierzelt-Gabalier« verführen. Denn: »Ich scheiß' auf Boulevard! La la la. Wir brauchen alle ein Kilo Leichtigkeit.«

Das Leben ist vielfältig und daher hat Ringlstetter sein neues Songmaterial mit vielen Musikerfreunden aufgenommen. Unter anderem mit Stephan Zinner und Stefan Stoppok. Alles Kumpels und Kollegen. Heraus kamen ruhige Midtempo-Songs mit Texttiefgang über Beziehungen und Alltagskatastrophen. So kommt mancher Song auch etwas »Bar-bluesig« daher. »Tennessee Whiskey« zum Beispiel. Eine Coverversion des Country-Klassikers von Chris Stapleton. Er liefert die Szenerie einer Bar kurz vor Rausschmiss und ein fortwährendes Warten auf die Traumfrau, die doch eigentlich durch die Tür kommen sollte.

Eingeleitet wurden viele Songs mit einer Entstehungsgeschichte. Hannes Ringlstetter hat reichlich Anekdoten und Momente der Skurrilität zu bieten. »Leute, Ihr müsst mutig bleiben, cool sein, und neue Sachen ausprobieren. Sich Fragen stellen: Warum haben alle so viel Angst? Jeder scheißt sich irgendwie ein«, so Ringlstetter stellvertretend zum Zeitgeist der Gesellschaft und fährt fort: »Dazu fällt mir nix anderes als eine einzige Botschaft ein: Liebe. Daher habe ich mein neues Album ›Fürchtet Euch Nicht‹ genannt. Der Titel steht symbolisch gegen die ganze eingebildete Angstmacherei.« Auch sollte die private Angst nicht mit der gesellschaftlichen Angst vermischt werden, so Ringlstetter. Die variable Musikmischung Ringlstetters und das humorvolle Zusammenspiel mit seiner Band kamen beim Publikum gut an. Feierlich und mit Feuerzeugen in der Hand forderte es Zugaben. Und da ließ er es mit einer Hommage an seine Herkunft mit »Niederbayern« noch mal krachen und bedankte sich beim Berchtesgadener Publikum, das stets gesiezt wurde mit: »Wenn Sie jetzt noch meine neue Platte kaufen, lege ich noch einen Gurkenhobel oben drauf. Ach Quatsch, zwei.« Jörg Tessnow