weather-image
19°

Schicht im Schacht auf Station 2

3.7
3.7
Bildtext einblenden
Sechs Wochen lang wird Station 2 in der Kreisklinik Berchtesgaden geschlossen bleiben. »Ganz normal«, heißt es von Klinikseite. Die Verunsicherung bei den Mitarbeitern ist – angesichts harter Sparmaßnahmen in der letzten Zeit – dennoch groß. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden – Die Station 2 der Kreisklinik Berchtesgaden schließt ab heute Mittwoch. »Für maximal sechs Wochen«, heißt es bei der Pressestelle der Kreisklinik. Mitarbeiter und selbst Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp sind von der kurzfristigen Schließung überrascht. »Alles im grünen Bereich«, heißt es von Klinikseite. Doch die Sorgen bei den Mitarbeitern wachsen.


Sparen, sparen, sparen – bei den Kreiskliniken, zu denen auch der Standort in Berchtesgaden gehört, wird derzeit jeder Euro zweimal umgedreht. Auf den Stationen wird Personal eingespart, auslaufende Verträge werden nicht verlängert, Mitarbeiter werden versetzt, Überstunden sind gang und gäbe.

Anzeige

Die Veränderungen bei den Kliniken – angesichts eines noch immer gewaltigen Millionendefizits – sind groß, die Bedenken bei der Mitarbeiterschaft noch größer. Kein Wunder, dass die plötzliche Mitteilung, dass Station 2 ab heute geschlossen wird, die allgemeinen Zweifel noch befeuert. Auf Nachfrage des »Berchtesgadener Anzeiger« antwortete die Kreisklinik folgendermaßen: »Typische saisonbedingte Belegungsschwankungen ziehen temporäre Kapazitätsanpassungen beim Personal nach sich. Die Folge ist ein befristetes Herausnehmen einer Station in der Sommerferienzeit.« Oder anders ausgedrückt: Weil zu wenig los ist und Operationen ausbleiben, wird die Station vorübergehend geschlossen. Vorübergehend? Da ist man sich nicht so sicher. Ein in der Sache Vertrauter berichtete dem »Berchtesgadener Anzeiger«, dass nach den angekündigten sechs Wochen zumindest eine Überprüfung der Stationsbelegung stattfinden könnte. Wenn es – im schlimmsten Fall – sogar ohne ginge, wären weitere Überlegungen möglich.

Laut Presseabteilung müsse sich aber keiner der Beschäftigten Sorgen machen. »Wir schließen nur die nächste Zeit, danach geht es normal weiter«, sagt Ralf Reuter auf Nachfrage. Patienten werden auf die vorhandenen Stationen verteilt.

Die Mitarbeiter sollen in der verordneten Zeit angehäufte Überstunden abbauen können. Hübsch verpackt klingt das aus der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit dann so: »Dadurch wird den Mitarbeitern die Gelegenheit gegeben, selbst in den Ferien Urlaub zu machen (...) oder Freizeitausgleich zu nehmen.«

An anderen Standorten der Kliniken Südostbayern AG würden vorübergehende Schließungen ebenfalls vollzogen. Bei Notfällen könnten solche Stationen aber ad hoc wieder in Betrieb genommen werden.

Auch Bürgermeister Franz Rasp hat von der Schließung erfahren. Von Bürgern, die den Gemeindechef anriefen und besorgt fragten, was denn los sei. Es folgte ein Anruf bei der Klinikleitung, so Rasp. Dort wurde ihm mitgeteilt, dass es »geübte Praxis« sei, Stationen »runterzufahren«. Wichtig sei ihm, dass es in sechs Wochen dort wieder weitergeht wie zuvor. Nach Rasps Informationen soll sich erst einmal nichts ändern, was etwa die Abteilung »Innere« in der Kreisklinik Berchtesgaden angeht. »Natürlich waren wir anfangs beunruhigt. Wir bleiben aber wach, was den Standort angeht«, so das Versprechen des Bürgermeisters. Kilian Pfeiffer