weather-image
26°

Schleppende Wintersportbegeisterung

2.5
2.5
Bildtext einblenden
Die Vizepräsidenten des Verbands Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte Peter Lorenz (l.) und Hannes Rechenauer sowie Präsident Peter Huber sind zuversichtlich, was den Wintersport in Bayern in den nächsten Jahrzehnten angeht. (Fotos: Pfeiffer)
Bildtext einblenden
Wolfgang Maier, Sportdirektor alpin im Deutschen Skiverband, empfindet zwar noch keine Winterstimmung, das soll sich aber schon bald ändern.

Berchtesgaden – Nach einem miesen Winter will der Verband Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte, der gestern in Berchtesgaden tagte, die Begeisterung für den Wintersport wieder anfachen. Präsident Peter Huber ist sich sicher: »In Bayern werden wir auch noch in 30 Jahren Ski fahren.« Auch Wolfgang Maier, Sportdirektor alpin im Deutschen Skiverband, wurde mit ins Boot geholt, um für gute Stimmung zu sorgen.


Peter Huber ist zuversichtlich, wenn es um die deutschen Seilbahnen und Schlepplifte geht. 169 Seilbahnen gibt es hierzulande, die Jenner-Bahn ist eine davon, 1 600 Schlepplifte ergänzen das umfangreiche Portfolio.

Anzeige

Die wirtschaftlichen Effekte sind laut Huber gewaltig: Auf einen Bahn-Angestellten kommen vier weitere Arbeitsplätze in der Region. Darüber hinaus führten 1 000 Euro Umsatz bei einer Seilbahn zu 4 500 Euro Umsatz in der Region.

Dass es, wie häufig in den Medien verlautbart, keine »richtigen Winter« mehr gibt, hält Präsident Peter Huber für einen Trugschluss: »Es gab schon immer Jahre, in denen das Schneeaufkommen gering war und die Kälte ausblieb.« Allerdings sei das kein Problem, denn eine künstliche Beschneiung mache es möglich, dass ein Großteil der Skigebiete, die in den letzten Jahren viel Geld investiert hatten, per Schneekanone beschneien konnten. Zwar gab es Ausnahmen: Skigebiete, in denen es an keinem einzigen Tag möglich war, zu fahren. »Das hat auch unser Geschäft beeinflusst«, sagt Peter Huber. Denn bei den Kunden »hat der Winter wegen des milden Klimas im Kopf erst gar nicht stattgefunden.« Auch das Wintergeschäft am Jenner liegt deutlich hinter den Erwartungen zurück, wie am Rande der Tagung zu erfahren war.

Trotzdem ist er mit den Zahlen, zumindest denen aus dem letzten Jahr, zufrieden. 125 Millionen Euro Umsatz machten die deutschen Seilbahnen und Schlepplifte, zwei Drittel des Geschäfts werden durch den Wintertourismus generiert, 23 Millionen Euro investierten die Unternehmen bislang in diesem Jahr. »Das Sommergeschäft befindet sich auf einem guten Weg«, weiß der Präsident. Bestes Beispiel sei die Jenner-Bahn, die dank des Nationalparks eine »hervorragende« Ausgangsbasis biete.

Vergleicht man das deutsche Geschäft mit dem österreichischen wird schnell klar, dass Deutschland ein »kleiner Player« ist. Österreich erlöst in der Seilbahn- und Schleppliftbranche rund 1,3 Milliarden Euro, zehnmal so viel wie hierzulande.

Der immer wieder kolportierte Verlust wertvoller Naturflächen wegen Pistenverbaus sei nicht so dramatisch, wie angenommen, sagt Hannes Rechenauer, Vizepräsident des Verbands Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte. In Bayern seien von insgesamt 4 400 Quadratkilometern Alpenfläche lediglich 37 für Skipisten vorgesehen. »In Frankreich und Österreich ist das deutlich extremer«, sagt Präsident Peter Huber.

Wolfgang Maier, Sportdirektor alpin im Deutschen Skiverband, tut sich zwar aktuell mit der Winterstimmung angesichts milder Temperaturen noch schwer, ist sich aber sicher, dass Seilbahnen und Schlepplifte wesentlichen Anteil leisten, wenn es um den Tourismus geht.

Natürlich sei in den letzten Jahren ein Umdenken erfolgt: Umweltthemen hätten an Wichtigkeit gewonnen. »Früher bin ich ignorant gewesen, wenn es um das Thema Umwelt ging«, gesteht Wolfgang Maier. Mittlerweile fügten sich Bergbahnen deutlich besser in das natürliche Gesamtbild ein, wichtig sei weiterhin, dass die Interessen aller Beteiligten gehört und ausdiskutiert würden. Das Zitat »Bayern kann keinen Wintersport«, das er einst selbst wiedergegeben hatte, habe so keine Gültigkeit mehr, sondern war in einem anderen Kontext geboren. Nachholbedarf gebe es aber weiterhin.

Wintersport sei ein bedeutendes Zugpferd, »Spitzensport vergnügt die Menschen«, so Maier, darüber hinaus sei auch der wirtschaftliche Faktor weiterhin nicht zu vernachlässigen. Kilian Pfeiffer