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Schlepper, Schleuser, Schlaraffenland

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»Die große Anzahl von Flüchtlingen bringt uns regelmäßig an unsere Leistungsgrenzen«, sagt Bernhard Resch von der Polizeiinspektion Fahndung Traunstein. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Dutzende Flüchtlinge greift die Polizeiinspektion Fahndung Traunstein pro Woche auf. Allein in der Oberau wurden zum wiederholten Mal Schleuserbanden festgestellt, die den kleinen Grenzübergang nutzen, um potenzielle Asylbewerber ins Bundesgebiet zu schleusen. Dienststellenleiter Bernhard Resch und sein Team haben dieser Tage besonders viel zu tun, wie er im Interview mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« berichtet. Währenddessen werden die Tricks der Kriminellen immer ausgefeilter.


Die Schleusungen nehmen zu, wie man letzte Woche in Berchtesgaden sehen konnte. Allein 34 Personen wurden hier an einem Tag ausgesetzt. Die Fahndung hat also jede Menge zu tun. Sind Sie dem Ansturm personell gewachsen?

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Bernhard Resch: Die große Anzahl von Flüchtlingen bringt uns regelmäßig an unsere Leistungsgrenzen. Das gilt besonders dann, wenn innerhalb weniger Stunden mehrere Schleusungen festgestellt werden. Insgesamt ist die Polizeiinspektion Fahndung Traunstein personell für ein breites Betätigungsfeld ausgestattet. Darunter fallen die Fahndung nach gestohlenen Fahrzeugen, die Betäubungsmittelkriminalität, Urkundenfälschung und natürlich auch die irreguläre Migration. Wir sind derzeit gezwungen, Schwerpunkte zu setzen. Das bedeutet aber nicht, dass das Fahndungsgeschäft zulasten der Flüchtlingsproblematik gänzlich zum Erliegen kommt.

Die Schleuser sind trickreich. Mit welchen Mitteln bringen sie die Leute über die Grenze?

Resch: Die Schleuser gehen teilweise sehr geschickt vor. Es liegen uns Hinweise vor, dass Schleuserfahrzeuge von einem oder mehreren Fahrzeugen begleitet werden, um polizeilichen Kontrollen gezielt aus dem Weg zu gehen. Die Kommunikation ist im Zeitalter des Handys kein Problem mehr. Die Vielzahl kleiner Grenzübergänge macht es zusätzlich schwer, die Schleuser dingfest zu machen.

Welche Orte eignen sich besonders gut, um zu schleusen? Über die Oberau sind in der letzten Zeit viele Flüchtlinge in den Talkessel gekommen. Was kann die Fahndung dagegen tun?

Resch: Es werden in jüngster Zeit nicht nur die großen, überregional bekannten Grenzübergangsstellen genutzt. Auch kleine, nur für Pkw und kleinere Transportfahrzeuge geeignete Übergänge werden vermehrt genutzt. Wir haben derzeit 15 ehemalige Grenzübergänge an einer Grenzlinie, die sich allein in unserem Zuständigkeitsbereich über eine Strecke von Burghausen bis nach Schleching erstreckt. Dazu kommen noch sieben Übergänge, die nur zu Fuß zu überqueren sind. Trotz intensiver Zusammenarbeit mit der Bundespolizei stellt uns die Bekämpfung der Schleuserkriminalität vor große Herausforderungen. Eine Totalkontrolle ist uns allein rechtlich nicht möglich, da innerhalb des Schengen-Raumes Grenzkontrollen einer besonderen Anordnung beziehungsweise einer Genehmigung des Bundesinnenministeriums bedürfen.

Bedeutet?

Resch: Es bleibt uns nur die Möglichkeit, uns auf das Vorgehen der Schleuser bestmöglich einzustellen und gezielt Überwachungsmaßnahmen durchzuführen. Sehr wichtig ist uns die Zusammenarbeit mit der für die Grenzüberwachung zuständigen Bundespolizei. Und natürlich sind wir auf die Unterstützung unserer Bürger angewiesen. Ohne Hinweise aus der Bevölkerung könnten wir unsere Aufgabe viel schwieriger wahrnehmen.

»Achtung, Schleuser voraus«: Löst ein weißer Kastenwagen bei Ihnen sofort Alarm aus? Wann werden Sie skeptisch?

Resch: Der weiße Kastenwagen allein reicht uns zunächst nicht aus, um Fahndungsmaßnahmen auszulösen. Wir wollen auch niemanden stigmatisieren. Es müssen zusätzliche Fahndungsansätze hinzukommen. Dies könnte zum Beispiel ein auffälliges Fahrverhalten, die Besetzung des Fahrzeugs, das Herkunftsland oder auch manchmal die Uhrzeit sein. Die Gesamtumstände lassen dann die Spürnasen unserer Fahnder ansprechen.

Was passiert mit den Geschleusten, sobald Sie sie aufgegriffen haben?

Resch: Ein Großteil, der aufgegriffen Personen ist Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan oder aus dem Irak. Diese Flüchtlinge stellen fast ausnahmslos Asylantrag im Bundesgebiet. Die strafrechtlich vorliegende, illegale Einreise tritt gegenüber den humanitären Aspekten zurück. Uns ist es wichtig, die Flüchtlinge, die bereits seit Wochen und Monaten unterwegs sind, schnellstmöglich mit dem Nötigsten zu versorgen, etwa mit trockener Kleidung, Decken, Essen und Getränken. Die polizeiliche Sachbearbeitung beschränkt sich auf das Notwendigste: die Registrierung der Personalien und die Abnahme von Fingerabdrücken sowie die Fertigung von Lichtbildern.Danach leiten wir die aufgegriffenen Personen so schnell als möglich an die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber in München weiter. Dort ist eine umfangreichere Versorgung möglich. Kilian Pfeiffer