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Schleuserschrottlauben

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Keine Gebrauchtwagenhandlung: Auf dem Parkplatz vor dem ehemaligen Gasthaus »Winklstube« sind seit Kurzem Schleuserfahrzeuge abgestellt. (Foto: Wechslinger)

Bischofswiesen – Wer dieser Tage am ehemaligen Gasthaus »Winklstube« vorbeigefahren ist, hat sich wohl über die vielen Schrottlauben auf dem Parkplatz gewundert. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine neue Gebrauchtwagenhandlung. Sondern um ein Zwischenlager für beschlagnahmte Schleuserfahrzeuge. Das Hauptlager in Piding ist einfach nicht groß genug.


Die Dienststelle der Schleierfahnder in Piding-Urwies platzt aus allen Nähten. Das Personal ist überfordert. Das bestätigen dem »Berchtesgadener Anzeiger« mehrere Beamte, die aber namentlich nicht genannt werden wollen. Allein im Juli wurden in der Inspektion 2 785 Migranten vorwiegend aus Afghanistan, dem Irak, dem Iran, Pakistan und Syrien versorgt, registriert und an die zentrale Aufnahmestelle in München weitergeleitet.

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Wie es derzeit ausschaut, soll im August die Rekordzahl von 5 000 in Piding erfassten Personen geknackt werden. Der August-Durchschnitt liegt derzeit bei rund 185 Flüchtlingen pro Tag. Es gab auch schon Spitzentage mit 300. »Wir ersaufen in Arbeit«, sagt ein Beamter anonym.

Ein weiteres Problem sind die beschlagnahmten Fahrzeuge der Schleuser. An die 100 davon stellen die Schleierfahnder pro Monat sicher. »Bisher haben wir die Autos in einem sogenannten Verwahrkäfig in Piding abgestellt«, erklärt Bernhard Gollinger, der als Leiter des Kommissariats 10 für die Abwicklung der Schleuserfahrzeuge zuständig ist. Auf der angemieteten Fläche ist Platz für an die 30 Autos. Als dort alles voll war, wurden die Autos auf dem Gelände der Inspektion in Piding abgestellt. »Die Kollegen sind dann fast nicht mehr durch die Einfahrt gekommen«, weiß Gollinger. Deshalb wandten sich die Schleierfahnder hilfesuchend an das Präsidium in Rosenheim.

Eine Lösung war bald gefunden: das Grundstück, auf dem sich die ehemalige »Winklstube« befindet, das dem Unternehmen »Immobilien Freistaat Bayern«, also dem Staat, gehört. An die 30 Autos sind dort seit einigen Tagen deponiert.

Aber was passiert mit den Fahrzeugen? Bernhard Gollinger sagt ganz klar: »Das sind überwiegend Schrottfahrzeuge.« Dennoch muss der Chef des K 10 deren Eigentümer suchen. Wenn er sie nicht ausfindig machen kann, ist ein Wertgutachten fällig. »Hat ein Auto nur noch Schrottwert, wird es verschrottet«, erklärt der Beamte. Ist ein Wagen noch etwas wert, darf ihn Gollinger verkaufen. »Der Wert liegt aber praktisch immer unter 500 Euro.« Denn: »Die Schleuserchefs rechnen den Verlust der Fahrzeuge quasi als Kollateralschaden mit ein.«

Im August sind übrigens an die 60 neue Schleuserautos hinzugekommen. Das Lager in Winkl bleibt also noch eine Weile bestehen. Was Bischofswiesens Bürgermeister Thomas Weber gar nicht freut. »Diese Nacht- und Nebelaktion ärgert uns«, sagt er. Außerdem sei das Areal nicht einmal eingezäunt. Gemeinsam mit dem Landratsamt prüft die Gemeinde nun rechtliche Möglichkeiten. cfs/cw