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Schmissige Märsche und stade Weisen

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Volle Konzentration bei den Musikanten der Musikkapelle Bischofswiesen.
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Der Hochsprung beim »Zwoasteirer«.
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Der Lauben-Tanz, präsentiert von der Jugendgruppe des GTEV D'Achentaler.
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Paul Assem (l.) und Christoph Friederich waren so etwas wie die »Stars des Abends«. Weitere Bilder unter www.berchtesgadener-anzeiger.de. (Fotos: Stanggassinger)

Berchtesgaden – Es war ein abwechslungsreiches Programm, das Rudi Koller, Vorstand der Vereinigten Weihnachtsschützen des Berchtesgadener Landes, zusammengestellt hatte. Jung und alt zeigten am Donnerstag beim Großen Berchtesgadener Heimatabend im AlpenCongress unverfälschtes Berchtesgadener Brauchtum in Form von Gesang, Musik und Tanz.


Sicherlich hätte man sich ein paar Besucher mehr gewünscht, doch das Team vom Kongresshaus hat reagiert und den Großen Saal mit Trennwänden geteilt und somit war das Publikum nicht einzeln im Saal verteilt, sondern zusammen dicht vor der Bühne.

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Im Fokus des Publikums standen die beiden jungen Ziehharmonikaspieler Paul Assem und Christoph Friederich. Perfekt spielten die beiden Buben auf ihren Instrumenten fehlerfrei den »Marsch der Steirer« und den »Stoaberg Walzer«. Auf ein Lob des »Anzeiger«-Fotografen in der Pause betonten die beiden: »Die schwaren Stickei kemman erst.« Dies stellten sie auch unter Beweis mit dem »Kathrin Boarischen« und der »Schwarzeck Polka«. Das Publikum war von den beiden total begeistert.

Musikant und Plattler in einem

Christoph Friederich hatte eine Doppelrolle. Außer Musikspielen plattelte er noch bei der Jugendgruppe des GTEV D'Achentaler. Der junge Mann wurde nach dem Plattln vom Publikum mit Applaus wieder zu seinem Instrument begleitet.

In bewährter Weise führte Sebastian Rasp durch den Abend. Sein Thema war das neu verfasste Buch »Berchtesgadener Mundart« von den Weihnachtsschützen des Berchtesgadener Landes. »Reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist«, so bezeichnete der Sprecher die Mundart seines Vaters, der 1985 die Erstausgabe des Buches anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der Vereinigung verfasst hatte. Rasp erzählte über den beruflichen Werdegang seines Vaters, seine Heimatverbundenheit, sein bescheidenes Leben und über den tragischen Tod in der Watzmann-Ostwand. Sebastian Rasp hatte auf seinem Rednertisch den Karteikasten seines Vaters mit den Karteien von A bis G stehen. »Ich habe ihn vom Dachboden geholt und entstaubt«, sagte der Sprecher. »Mit sechs Jahren durfte ich für meinen Papa immer die neuen Karteikarten auspacken, es gab ja zu dieser Zeit noch keinen Computer.« Jeder Grundschulabgänger der fünf Gemeinden im Talkessel bekommt in den nächsten zehn Jahren eine Neuauflage des Buches »Berchtesgadener Mundart« geschenkt. Die Kosten hierzu haben die Gemeinden übernommen. Außerdem wies Rasp darauf hin, dass das Buch beim »Berchtesgadener Anzeiger« zu erwerben ist.

Die musikalischen Darbietungen waren schmissig gespielt von der Musikkapelle Bischofswiesen unter der Leitung von Florian Lindner, so der Eröffnungs- und Schlussmarsch. Die Musikanten spielten die Stücke zu den jeweiligen Plattlern der Aktivengruppe der Vereinigung und der Jugendgruppen der Watzmanner und der Achentaler: Mühlradl, Sternpolka, Lauben-Tanz, Schlechinger oder Zwoasteirer.

Ruhiges und Schmissiges

Ein Almweiserl spielten zwei Bischofswieser Musikanten auf ihren Flügelhörnern vor der Pause. Abwechselnd und ruhiger wurde es beim Harfenduo Walch. »Stad werden« hieß die Weise der jungen Musikantinnen Helena und Ramona und »stad« wurde es auch bei der Hochberger Harfenweise. Etwas schmissiger die Kohlgrubpolka und das Stück »Zwischen den Jahren«. »Frisch auf« sangen die Perler Sänger, ihre Lieder erzählten überwiegend vom Almleben. Etwas zum Lachen fehlte bei ihnen auch nicht, so übersetzten sie »das Lied vom Kuhbusenmasseur« und der Perler Sepp ließ ein paar deftige Witze los.

»An Robert seiner« hieß das Stück der Lockstoa Musi, gemeint ist damit das Gründungsmitglied Robert Schwaiger. »Schubkarren Boarischer«, »Wimbachwalzer«, »Tonerl Polka« und »Für die Marion« lauteten die Titel ihrer vorgetragenen Musikstücke.

Zum Schluss plattelten die Jugendgruppen und die Aktivengruppe der Vereinigung gemeinsam den »Schlechinger« und viel Applaus gab es schon, bevor die Musikkapelle Bischofswiesen den Schlussmarsch spielte und die Aktivengruppe tanzte. Bernhard Stanggassinger