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Schnee bremst Bergsteiger ein

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Hüttenwirt Sigi Hinterbrandner vom Kärlingerhaus hielt die winterlichen Verhältnisse am Funtensee am Freitagmorgen mit der Kamera fest. Fotos: privat
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Roman Kurz vom Matrashaus am Hochkönig dürfte an den letzten Tagen bei diesen Verhältnissen nur wenige Besucher empfangen haben.
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So sah es Freitagfrüh bei Norbert Eder am Kehlstein aus. Eine Gruppe von Japanern sah zum ersten Mal Schnee.
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Direkt am Funtensee wurden Freitagmorgen minus vier Grad gemessen.
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Während es am Freitagvormittag rund um den Funtensee schon wieder grün wurde, präsentierten sich die Funtenseetauern noch in tiefem Weiß.

Berchtesgaden - Oben weiß, unten grün: Bis auf rund 1 500 Meter Höhe schneite es zwischen Mittwochabend und Freitagmorgen herunter. Wo am letzten Wochenende noch Hunderte von Bergsteigern unterwegs waren, da herrschte plötzlich tiefster Winter. Göll, Watzmann und sogar der Jenner - alle erstrahlten sie am Freitag in tiefem Weiß. Und sogar vor den Berghütten lag teilweise zentimeterhoch der Schnee. Mit ein paar Hüttenwirten und Gastronomen haben wir gestern Freitag gesprochen.


»Bei uns liegen etwa 20 Zentimeter«, sagte Norbert Eder vom Kehlsteinhaus am gestrigen Freitagvormittag. Dort begann es ebenfalls vorgestern - nicht ganz überraschend - zu schneien. Wegen des Schnees wurde die Kehlstein-Buslinie am Donnerstag vorübergehend eingestellt. »Auch wir mussten deshalb am Donnerstag schließen«, so Kehlsteinhaus-Pächter Eder im Gespräch mit der Heimatzeitung.

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Zwar seien 15 Zentimeter Neuschnee auf der Straße nicht unbedingt das Problem, sagt Eder. Wenn der Wind aber zu sehr bläst und alles auf der Straße verteilt, müsse man handeln. »Denn die Sicherheit steht immer an erster Stelle.« Deshalb habe man sich dazu entschlossen, den Busbetrieb für den Rest des Tages einzustellen. Aussichten auf Sonne gab es sowieso keine. Bereits um 9.00 Uhr war am Kehlsteinhaus dann klar, dass die Arbeit für diesen Tag gelaufen ist. Eine Stunde später ging es schon in Richtung Tal.

Trotz des Schnees ließen sich am gestrigen Freitag, nachdem die ersten Streufahrzeuge unterwegs waren, aber schon wieder Besucher am Kehlsteinhaus blicken. Unter anderem eine Gruppe Japaner, die das erste Mal überhaupt Schnee sahen. Der Anblick: kurios. »Sie standen in Sandalen und Socken auf der Terrasse und freuten sich, dass alles weiß war«, lacht Eder. Überhaupt sei schlechtes Wetter für viele Besucher kein Grund, nicht auf das Kehlsteinhaus zu fahren. Vor allem dann, wenn unverhofft Pulverschnee vom Himmel kommt.

Ähnliches hört man vom Watzmannhaus. Auch dort hat es geschneit, etwa 15 Zentimeter. Temperatur am Freitagvormittag: zwischen null und fünf Grad Celsius. Allerdings mit schnell steigender Tendenz, denn die Sonne kam schon früh heraus und ließ die weiße Pracht rasch schmelzen. Vielleicht waren auch deshalb gestern schon wieder einige Bergsteiger am Watzmann unterwegs. »Die lassen sich von ein bisschen Schnee doch nicht abschrecken«, lautete es aus dem Watzmannhaus.

Dieselbe Schneemenge meldete Sigi Hinterbrandner vom Kärlingerhaus. Auch dort hatte es Freitagfrüh rund 15 Zentimeter. »Der schmilzt jetzt allerdings schnell wieder weg«, meldete der Hüttenwirt vom Funtensee. Dennoch schaffte er es noch rechtzeitig, mehrere Bilder von der weißen Pracht vor dem Haus zu machen. »Übergänge und Gipfelbesteigungen sind momentan nur mit entsprechender Ausrüstung und alpiner Erfahrung möglich«, erklärte Sigi Hinterbrandner, denn »je weiter man hochkommt, desto mehr Schnee wird es.« Der Funtenseewirt rechnete gestern allerdings damit, dass sich die Situation bis heute wieder entspannt haben wird, da bereits für den gestrigen Freitag viel Sonne vorausgesagt war.

Einige Gäste konnten die Wirtsleute am Funtensee gestern sogar empfangen. »Es waren aber nicht viele - und die waren wegen des Wetters zumeist auch nicht so gut drauf«, erzählte Sigi Hinterbrandner. Vielleicht wussten die auch nicht, dass sie sich am kältesten Ort Deutschlands befanden. Unten am See zeigte das Thermometer am Freitagmorgen denn auch minus vier Grad Celsius. Trotz des frühen Wintereinbruchs ist Sigi Hinterbrandner zuversichtlich, dass die Saison am Funtensee bis 13. Oktober dauern wird. »Es sei denn, es überrascht uns ein noch stärkerer Wintereinbruch.«

Zur Kamera griff für die Heimatzeitung auch Roman Kurz, Hüttenwirt vom Matrashaus am Hochkönig. Es zeigt tief verschneite Sitzbänke vor dem auf fast 3 000 Metern Höhe gelegenen Haus. Weitere Angaben lieferte der Berchtesgadener nicht, aber an den Schneekristallen ist zu erkennen, dass man am Matrashaus von sommerlichen Temperaturen weit entfernt war. Doch laut Wetterbericht soll es an diesem Wochenende ja wieder über 20 Grad warm werden. Zumindest im Tal. UK/kp

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