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Schneeräum-Action auf steilen Straßen

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Seit 16 Jahren sorgt Johann Stocker für schneefreie Straßen in Marktschellenberg. (Foto: Vietze)

Marktschellenberg – Der Marktschellenberger Winterdienst sorgt dafür, dass in jeder Ecke der Gemeinde kein Schnee auf der Straße liegt. Allerdings ist das nichts für schwache Nerven. Das beweisen enge und steile Passagen, die zusätzlich durch Hindernisse erschwert zu befahren sind. »Anzeiger«-Mitarbeiter Patrick Vietze begleitete Johann Stocker bei seiner Arbeit. Dabei gab es Schreckmomente, aber auch neue Erkenntnisse.


Dienstag um halb vier Uhr morgens: Vor dem Bauhof wartet Gemeindearbeiter Johann Stocker auf mich. Der Ettenberger ist seit 16 Jahren für den Winterdienst tätig. Ganz munter fragt er mich: »Legen wir los?« »Sicher«, antworte ich, gespannt, was mich erwartet. Wir steigen in den Unimog ein.

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Zunächst drehen wir im Ortskern zwei Runden. Hätte ich mir irgendwie spannender vorgestellt. Doch das ändert sich schlagartig. In der Salzburger Straße kommt uns ein Auto entgegen. Da der Unimog ein breiteres Gefährt ist, muss Stocker mit zentimetergenauer Arbeit ausweichen. Das Auto kommt gerade so vorbei. »Der Winterdienst setzt zwei Dinge voraus: Fahrgefühl und viel PS«, merkt der Ettenberger an. Zudem müsse man mit Hindernissen rechnen.

Dann erlebe ich am Ende der Dr.-Berkmann-Straße meine erste Schrecksekunde. Wir fahren bis an die Kante und schieben den Schnee über den Rand. Ich fürchte, wir können jeden Moment den Hang hinunterstürzen. Allerdings sitzen wir höher, weshalb man einen anderen Blickwinkel hat und so ein falscher Eindruck entsteht. Keine Gefahr.

Anschließend geht es in eine Sackgasse. Stocker muss zum Räumen rückwärts hineinfahren. Ohne auf die installierte Rückfahrkamera angewiesen zu sein, erledigt er das im flotten Tempo. Ziemlich beeindruckend. Danach klappern wir noch den Ortsteil Schaden ab.

Ausflug zum abgeschiedenen Ettenberg

Nun geht es in Richtung Ettenberg. »Ettenberg ist wegen der Höhenlage anspruchsvoller, da automatisch mehr Schnee liegt«, so Stocker. Zudem ist die Straße ziemlich eng. Ich schaue ab und zu aus dem Fenster und sehe den steilen Abgrund neben mir. Da habe ich schon ein mulmiges Gefühl. »Es kann eine Weile dauern«, sagt er. Und das tut es auch.

Ich bekomme Ecken von Marktschellenberg zu sehen, von denen ich noch nie was gehört hatte. In Vorder-ettenberg erreichen wir den wohl höchsten und abgeschiedensten Punkt der Gemeinde. »Wir befinden uns jetzt auf gut 1 000 Höhenmeter«, so Stocker.

Stocker strahlt während der ganzen Fahrt eine Gelassenheit aus. Man kann sich jederzeit mit ihm unterhalten. Auch wenn er in einer steilen Passage eine Kurve rückwärts hinauffährt. Man meint, er könnte die Strecke mit verbundenen Augen fahren. Wäre ich kein Morgenmuffel, hätte ich sicherlich mehr Worte mit ihm gewechselt. Schließlich kehren wir zur Ortsmitte zurück. Das Salz wirkt bereits, die Straßen sind frei.

Nächste Schrecksekunde am Köpplschneidweg

Nun fahren wir den Köpplschneidweg hoch. Auch noch nie davon gehört. Plötzlich der nächste Schock. Mit dem Schieber voraus rast Stocker über einen Gullideckel. Das Fahrzeug wackelt gewaltig. Der Ettenberger bleibt unbeeindruckt. »Da passiert nichts, weil der Schieber automatisch nachgibt«, erklärt er. Sonst bin ich mittlerweile allen potenziellen Schreckmomenten gewappnet. Und neben solch einem Routinier habe ich erst recht keinen Grund zur Sorge. Anschließend geht es noch auf die Alte-Berchtesgadener-Straße. Nach drei Stunden ist die Schneeräum-Action vorbei. »Dann sehen wir uns am Nachmittag wieder«, scherzt Stocker noch mit mir.

Mein Fazit: Zum einen konnte ich neue Ortskenntnisse von Marktschellenberg erwerben. Zum anderen ist mein Respekt gegenüber Winterdienstfahrern größer geworden. Diese Arbeit erfordert ein extremes Fahrgefühl sowie viel Konzentration während der ganzen Fahrt. Nichts für schwache Nerven. Aber genug: Jetzt muss ich erst einmal meinen Schlaf nachholen. Patrick Vietze