weather-image
17°

Schneizlreuth fordert Garantie für Trinkwasserbrunnen

5.0
5.0
Trinkwasser
Bildtext einblenden
Foto: Lukas Schulze/dpa

Schneizlreuth – Nach den Infoveranstaltungen in Unken und Schneizlreuth stellten die Geschäftsführer des Projektbetreibers, der »Wasserkraft Schneizlreuth GmbH und Co. KG«, Josef Reschen und Hans Abfalter jun., das geplante Kraftwerk auch dem Gemeinderat Schneizlreuth vor.


Bürgermeister Wolfgang Simon forderte dabei weiter eine Garantie und Schadensersatzpflicht für den existenziell wichtigen Tiefbrunnen am Haiderhof. Zudem will er bereits im Planfeststellungsverfahren geklärt wissen, ob die Ableitung des Stroms via Erdkabel gesichert und eine Freileitung tabu sind.

Anzeige

Nach der Beschreibung technischer Details konnten Gemeinderäte Fragen stellen. Die Antworten Reschens sind hier thematisch zusammengefasst: Zum Trinkwasserbrunnen erklärte er, dass in einem Gutachten ausgewiesen werde, dass der Tiefbrunnen am Haiderhof »nach menschlichem Ermessen« weder durch die Bohrungen für den Triebwasserstollen noch durch eventuell abfließende Bergwasser oder andere Flüssigkeiten aus dem Tunnelbau gefährdet werden könne. Dieses Gutachten werde derzeit auch vom Wasserwirtschaftsamt geprüft.

Bürgermeister Simon ergänzte, dass momentan parallel, nach 50 Jahren Betrieb und auf Anordnung des Wasserwirtschaftsamts, in neuen Untersuchungen geklärt werden müsse, woher das Gemeindewasser in den Brunnen fließe. Dazu seien sechs Bohrungen für Messstellen und zwei Jahre Datenerhebung nötig. Erst danach gebe es Klarheit.

Gemeinde lässt Gutachten mehrfach prüfen

Sicher scheint laut Simon, dass das Wasser aus einem Unterstrom der Saalach stamme. Um weitere Meinungen einzuholen, lasse die Gemeinde das Gutachten der Projektbetreiber von einem externen Geologen und vom BUND bewerten.

Ein wichtiges Thema sahen Gemeinderäte und Bürgermeister in der Frage der Stromableitung. Reschen erläuterte dazu, dass diese Frage nicht Gegenstand des Planfeststellungsverfahrens sei und erst nach einer Genehmigung des Projekts geklärt werde. Damit zeigte sich Bürgermeister Simon keinesfalls einverstanden. Aus seiner Sicht müssen bereits im Planfeststellungsverfahren alle Fakten auf den Tisch und etwa auch festgelegt werden, dass die Ableitung in jedem Fall über Erdkabel und nicht über eine Freileitung durch den Ortsteil Fronau erfolge.

Wie Reschen im Nachgang telefonisch informierte, seien die Erfordernisse für den Antrag detailliert geregelt. Mit der Aufnahme des Themas Stromableitung würden die Projektbetreiber hier einen Verfahrensfehler begehen. Der zuständige Sachbearbeiter im Landratsamt, Martin Kroiß, konnte dies aber in einem Telefonat so nicht bestätigen. Er halte es sogar für angezeigt und wichtig, dass in dem Verfahren sowohl wasserrechtliche wie baurechtlichen Fragen, zu denen die Ableitungsthematik oder eventuell notwendige Übergabestationen zwingend gehörten, parallel geklärt werden, auch wenn dies in unterschiedlichen Teilverfahren abgehandelt werde. Dies sei auch deshalb wichtig, weil es besondere Vorschriften in einem Streifen von 60 Metern links und rechts von Gewässern gebe.

Zur generellen Frage nach dem Stand der Dinge erklärte Reschen, dass zuerst der damalige Bürgermeister Klaus Bauregger und die Grundeigentümer über das Vorhaben informiert wurden. Ende 2012 sei dann eine Übersichtsstudie erstellt und das Projekt den Experten der Salzburger Landesregierung vorgestellt worden. Im selben Jahr habe ein Termin im Landratsamt Berchtesgadener Land mit dem Bürgermeister stattgefunden. Einige Monate später sei die Raumordnungsgenehmigung der Regierung von Oberbayern eingetroffen.

Antrag soll im Herbst beim Landratsamt eingehen

Der offizielle Antrag soll beim Landratsamt im Herbst eingereicht werden. Die Frage eines Bürgers, warum eine GmbH & Co KG als Gesellschaftsform gewählt wurde, begründete Reschen mit den hohen Planungskosten und der Belassung des Risikos bei den Projektbetreibern, die allesamt seriöse Unternehmer seien. Zu weiteren Fragen nach dem Genehmigungsverfahren erklärte Reschen, dass alle relevanten Fragen in Bayern im Planfeststellungsverfahren geklärt würden, in dessen Verlauf auch die Gemeinde und die Bürger bei der öffentlichen Auslegung der Pläne Gelegenheit hätten, dazu Stellung zu nehmen.

Zusätzlich werde eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt. In Österreich sei eine solche nicht notwendig, da die Kraftwerksleistung unter 15 Megawatt liege und das Kraftwerk in keine »Kraftwerkskette« eingebunden wäre. Der Antrag werde hier im Rahmen eines Wasserrechtsverfahrens behandelt.

Die Frage eines Bürgers, wer wann das Projekt ins Leben gerufen hat und warum der Standort gerade hier gewählt wurde, beantwortete Reschen nur teilweise. Die Idee sei 2010 geboren worden. Er sagte aber nicht, von wem. 2012 habe es eine Kooperation mit der VR-Energiegenossenschaft gegeben, die später durch die jetzige Projektbetreibergemeinschaft ersetzt wurde. Der Standort sei gewählt worden, weil ein ähnliches Projekt des ehemaligen Energieversorgers SAFE im Bereich Lofer an der Wirtschaftlichkeit und den Risiken gescheitert sei. wb