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Schönau am Königssee führt Rufbus ein

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Den Rufbus gibt es künftig auch in Schönau am Königssee. (Foto: Archiv/Pfeiffer)

Schönau am Königssee – Schönau am Königssee führt nächstes Jahr den Rufbus ein. Das beschloss der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung nach langer Diskussion.


Weil Berchtesgaden und Bischofswiesen das Rufbussystem ausdehnen, sieht Schönau in Zugzwang. »Wir werden uns das jetzt mal anschauen und abwarten, wie es angenommen wird«, sagte Bürgermeister Hannes Rasp.

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Seit eineinhalb Jahren fährt der Rufbus in den Gemeinden Ramsau, Bischofswiesen und Berchtesgaden. Auch, wenn jede der Fahrten bislang mit rund 20 Euro subventioniert werden muss, möchte man am Rufbus, der ein Bindeglied zwischen Bus und Taxi darstellt, festhalten.

Das Rufbussystem orientiert sich an den vorhandenen Bushaltestellen. Überall, wo Busse halten, hält auch der Rufbus. Dieser kann aber nur dann bestellt werden, wenn man mindestens eine Stunde auf den nächsten Bus warten müsste. In manchen Gnotschaften wie Maria Gern ist das der Fall. »In Schönau am Königssee haben wir eine gute Linienverbindung«, stellte Bürgermeister Hannes Rasp klar. Tagsüber sei der Rufbus daher nicht notwendig, da die Stundentaktung und die Abdeckung über das Gemeindegebiet hinweg hervorragend seien. Nur von 18 bis 22 Uhr sei Bedarf vorhanden.

Kopfzerbrechen bereitet Rasp, dass man bislang als touristisch größte Gemeinde im südlichen Landkreis das Rufbussystem nicht eingeführt habe. »Wir haben viele Urlaubsgäste, die das Angebot nutzen könnten«, stellte er fest. Neben den gewöhnlichen Bushaltestellen würden für den Rufbus weitere Haltestellen eingeführt werden, die abgelegene Gemeindeteile abdecken. Denkbar sei das Helliel, die Vorderbrandstraße und der Parkplatz Hinterbrand, so Rasp.

Das Rufbussystem funktioniert mithilfe eines Wabensystems. Jede Gemeinde ist in mehrere Waben aufgeteilt. Pro Wabe kostet eine Fahrt 1,50 Euro, hinzu kommt eine Grundgebühr von 2 Euro pro Fahrt. Im Vergleich zu einer Taxifahrt sei die Nutzung des Rufbusses deutlich günstiger. »Es macht schon einen Unterschied ob man 6 oder 15 Euro zahlen muss«, sagte Rasp, der das System nicht als Konkurrenz zum örtlichen Taxiwesen betrachtet.

Weil der Rufbus bislang subventioniert werden muss, sei es noch ein weiter Weg, damit Geld zu verdienen. »Im letzten Jahr hat der Rufbus rund 80 000 Euro gekostet«, so Rasp. Bis 2020 wird dieser noch mit Förderungen bedacht, allerdings sinken diese von Jahr zu Jahr. »Für 2018 müssten wir anteilig unserer Einwohnerzahlen 12 500 Euro zahlen, 2021 wären es rund 21 000 Euro«, so der Gemeindechef. Kritik äußerte Rasp am Landkreis: »Das öffentliche Nahverkehrsnetz ist Aufgabe des Landkreises.« Dass sich dieser aus der Verantwortung stehle und die Gemeinden alle Kosten tragen müssten, erachtet er für falsch. Auch Thomas Janzen sieht das ähnlich: »Mich ärgert, dass der Landkreis nicht mitmacht«, sagte er.

Martin Hofreiter ist skeptisch, wenn es um die Einführung des Rufbusses geht: »Wir haben ein funktionierendes Taxiwesen und schaffen uns dadurch Konkurrenz, die nicht notwendig wäre«, sagte er. Nur ein kleiner Personenkreis profitiere von der Einführung des Rufbusses. Rupert Maltan ist grundsätzlich für die Einführung des Rufbusses, »allerdings sollten wir uns die Möglichkeit offen lassen, dass wir nach ein paar Jahren wieder aussteigen können, wenn die Zahlen nicht stimmen.« Ein Ausstieg sei grundsätzlich möglich, so Rasp, »auch, wenn es nicht ganz einfach ist«. Er möchte dem Rufbussystem eine Chance geben.

Mit vier Gegenstimmen sprach sich der Gemeinderat für dessen Einführung aus. Ein Ausstieg 2020 wird aber in Betracht gezogen. Kilian Pfeiffer