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Schönau am Königssee investiert und baut Schulden ab

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Da dürfen sich beide freuen: Zum Ausklang seiner 17-jährigen Laufbahn als Kämmerer der Gemeinde Schönau am Königssee legte Erhard Moldan (l.) am Dienstag noch einmal einen durchwegs positiven Haushaltsplan 2016 vor und erfreut damit auch seinen Nachfolger Christian Hinterbrandner. (Foto: Kastner)

Schönau am Königssee – Zum Ausklang seiner 17-jährigen Laufbahn als Kämmerer der Gemeinde Schönau am Königssee zog Erhard Moldan noch einmal alle Register. Bevor der Königsseer zum Ende des Jahres in den Ruhestand geht, legte er dem Gemeinderat am Dienstag einen Haushaltsplan für das Jahr 2016 vor, wie er besser kaum hätte sein können. Denn die Gemeinde schafft im laufenden Jahr erneut einen normalerweise schwierigen Spagat: Sie investiert 4,8 Millionen Euro in verschiedene Projekte und baut gleichzeitig die Schulden von 6,9 auf rund 6,1 Millionen Euro ab.


Mit einem Gesamtvolumen von 20,7 Millionen Euro übertrifft der Haushaltsplan 2016 den Vorjahresansatz um 2,2 Millionen Euro. Nur ein einziges Mal, im Jahr 2009, lag man über dieser Summe. 14,9 Millionen Euro entfallen heuer in den Verwaltungshaushalt, knapp 5,8 Millionen Euro in den Vermögenshaushalt. »Besonders freuen mich die Investitionen in Höhe von 4,8 Millionen Euro«, sagte Bürgermeister Hannes Rasp in seiner Haushaltsrede und fasste zusammen: »Wir sind für heuer sehr gut aufgestellt.« Vor allem zahle man auch 775 000 Euro Darlehen zurück und führe 185 000 Euro der Rücklage bei.

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1,5 Millionen Euro Zuführung

Mit 1,5 Millionen Euro liegt die Zuführung an den Vermögenshaushalt heuer deutlich über der Mindestzuführung von 775 000 Euro. Daraus resultiert eine Freie Spanne von rund 900 000 Euro. »Das ist eine hervorragende Basis für den Vermögenshaushalt«, sagte der Rathauschef und kam bereits auf die zahlreichen Investitionen des laufenden Jahres zu sprechen. »Wir investieren heuer in allen Aufgabenbereichen der Gemeinde«, freute sich Rasp. Einige Beispiele: 1,5 Millionen Euro für die Kindergartenerweiterung (etwa die Hälfte ist Staatszuschuss), 30 000 Euro für Investitionen in die Schneewinklschule (Brandschutz, Fenster, Spielgeräte, neue Küche, Werkbänke), 164 000 für den Kanal in der Holzlobstraße, 370 000 Euro für die Wasserversorgung in der Holzlobstraße und im Maltermoos, 120 000 Euro für ein neues Feuerwehrfahrzeug in der Schönau, 75 000 Euro für Ausrüstung der beiden Feuerwehren, 100 000 Euro für den Ausbau des Triebenbachgrabens, 45 000 Euro für ein neues Mähwerk (Bauhof) und rund 100 000 Euro Eigenanteil für den Breitbandausbau, auf den Bürgermeister Rasp besonders stolz ist. »Wir haben dann einen Top-Ausbau, wie ihn nur wenige andere Gemeinden haben. Die Leerrohre gehen dann bis zu den Häusern und können bei Bedarf verwendet werden«.

Nur noch 6,1 Millionen Euro Schulden

In das Gasthaus »Unterstein« wird man 170 000 Euro for den Brandschutz und 22 000 Euro für eine neue Beamer- und Tontechnik aufwenden. 200 000 Euro sind an Gesellschafterdarlehen für die Berchtesgadener Bergbahn AG eingeplant und weitere 40 000 Euro für die Generalsanierung des gemeindeeigenen Baumannhauses.

Nicht weniger stolz verkündete Bürgermeister Hannes Rasp, dass man all diese Investitionen ohne Neuverschuldung bewältigen werde. Im Gegenteil: Die Gemeinde will 780 000 Euro der bestehenden Schulden tilgen und den Schuldenstand zum Jahresende von 6,9 auf 6,1 Millionen Euro zurückfahren. »Unser Ziel soll es sein, den Schuldenstand auch in den nächsten Jahren weiter abzubauen«, sagte Rasp. Denn immerhin zahle man auch im laufenden Jahr alleine 267 000 Euro für Zinsen. Die Pro-Kopf-Verschuldung wird zum Jahresende bei 1 130 Euro liegen, damit liegt man noch immer deutlich über dem landesweiten Durchschnitt von 764 Euro.

Als erfreulich bezeichnete der Bürgermeister auch die Einnahmeentwicklung. Bei der Gewerbesteuer rechnet man mit 1,9 Millionen Euro, bei der Einkommensteuer mit 2,3 Millionen Euro, bei der Grundsteuer mit 850 000 Euro und bei der Schlüsselzuweisung mit 958 000 Euro. Die Steuerkraft der Gemeinde wird heuer erneut stark ansteigen und liegt bei über 4,1 Millionen Euro. Damit wird man im Landkreis vom 6. auf den 5. Platz vorrücken. Steigen wird aber auch die Kreisumlage, die an den Landkreis abzugeben ist. Sie wird heuer bei knapp 2,6 Millionen Euro liegen und auch die Personalausgaben erreichen erneut einen Höchstwert, sie liegen bei über 3,8 Millionen Euro. Das sind 210 000 Euro mehr als im Vorjahr.

Zufriedene Fraktionssprecher

Zufrieden über die Finanzsituation der Gemeinde äußerten sich in jeweils sehr kurzen Haushaltsreden auch die Fraktionssprecher. »Der Haushalt ist an allen Ecken und Enden erfreulich«, fasste Stefan Punz für die CSU zusammen. Ins Auge gestochen sind ihm aber die hohen Personalkosten, was vor allem mit den Ausgaben in der Kindertagesstätte zusammenhänge. Hier sollte man eventuell in den nächsten Jahren eine Gebührenanhebung ins Auge fassen. Erfreulich sei aber der Schuldenabbau trotz hoher Investitionen.

Lob gab es auch von Martin Hofreiter (Freie Wähler), der ebenfalls die Investitionen und den Schuldenabbau hervorhob. Dennoch gebe es in den nächsten Jahren noch Herausforderungen, auf die man aufpassen müsse: Neubau des Feuerwehrhauses Königssee, Jennerbahn, ein Gebäude für den Mittelschulverband, Watzmann Therme und Landratsamt-Neubau.

Von einem »soliden Haushalt« sprach auch 3. Bürgermeisterin Elisabeth Rasp (SPD). Mit diesem Zahlenwerk brauche man keine Angst vor der Zukunft haben. »Es läuft gut, weil bei uns alle zusammenhelfen«. Dem positiven Fazit schloss sich Luca Guscelli (Grüne) an, mahnte aber zur Vorsicht bei den Jennerbahn-Plänen: »Hier sollte man mit Maß und Ziel agieren, damit es nicht einmal überraschende Zahlen gibt.« Guscelli stimmte dem Zahlenwerk aber genauso zu wie alle anderen Gemeinderäte. Ulli Kastner