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Schönauer Vermieter stellt Frau den Strom ab

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Schönau am Königssee – Weil die 27-jährige Bischofswiesenerin ihre Miete nicht bezahlt hatte, stellte ihr der Wohnungsbesitzer kurzerhand den Strom ab. Was er nicht wusste: Die gelernte Köchin ist auf ein Asthma-Atem-Gerät angewiesen. Wegen Nötigung verurteilte Richter Dr. Christian Liegl den Schönauer zu einer Geldstrafe von 450 Euro.


Die Tat vom 14. Oktober vergangenen Jahres bestritt der arbeitslose Elektromeister nicht. »Aber die Beleidigung ist absolut erfunden. - »Du hast eine Klatsche. Du bist dumm«, soll er laut Strafbefehl zu seiner Mieterin gesagt haben. »Ich bin Bayer«, stellte er im Gerichtssaal klar, »ich sage doch nicht Klatsche. Wenn, dann würde ich Rindvieh zu ihr sagen.« Vielmehr im Gegenteil habe die Frau ihn beleidigt. »Ich habe nicht gewusst, dass Sie so ein Arschloch sind«, soll sie zu ihm gesagt haben. Das wollte die Frau im Zeugenstand nicht ausschließen, und konnte sich insgesamt nicht mehr recht an das Geschehene erinnern.

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»Es war wohl von beiden Seiten etwas aufgeregt«, kommentierte Richter Liegl das Verhältnis. »Eine Beleidigung ist nicht nachzuweisen«, stellte er fest und verständigte sich mit Staatsanwalt Thomas Wüst darauf, diesen Punkt der Anklage fallen zu lassen.

Blieb die Nötigung. »Sie raucht zwei Schachteln Zigaretten am Tag«, berichtete der Angeklagte, »ich konnte nicht ahnen, dass sie Asthma hat.« Er, der arbeitslos ist, seit seine Firma in Insolvenz gegangen war, sei auf die Mieteinnahmen aus zwei Wohnungen angewiesen. »Ich habe der Frau 500 Euro gegeben, damit sie auszieht«, erzählte er. Die Höhe der Tagessätze sei für ihn das Problem, deshalb habe er Einspruch gegen den Strafbefehl eingelegt. »Dass das Abschalten des Stromes ein Fehler war, sehe ich ein«, zeigte er sich reumütig. Staatsanwalt Wüst war lediglich bereit, von 40 Tagessätzen zu je 40 Euro für die Nötigung auf 30 zu je 30 Euro herunter zu gehen. Der Richter zeigte mehr Verständnis für die Situation des Mannes. »Er ist auf die Miete angewiesen. Man muss ihn wohl mit einem Hartz-IV-Empfänger gleichstellen.«, Dr. Christian Liegl entschied auf 30 Tagessätze zu je 15 Euro. »Als gelernter Elektromeister ist es kein Problem, den Strom abzustellen«, so Liegl, »die Folgen für die Asthmatikerin aber hätten dramatisch sein können.« Der Schönauer nahm das Urteil an. Hannes Höfer