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Schrauben für die Boulderhalle

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Christian Welkhammer (links) und Stefan Mühlbacher beim Anschrauben eines der »volumes« zur abwechslungsreichen und flexiblen Strukturierung der Kletterwände im neuen Teisendorfer Boulderraum. (Foto: Mergenthal)

Teisendorf – Fein säuberlich nach Farben geordnet liegen die weißen, gelben, orangefarbenen, roten, blauen, grünen und schwarzen Klettergriffe in Kisten bereit.


Die hoch motivierten Boulderschrauber warten nur noch auf die richtigen Schrauben, um die über 1000 Griffe in fantasievollen Boulderrouten an den Kletterwänden befestigen zu können. Sie nutzen derzeit die Regentage bis zur Eröffnung, die spätestens mit der offiziellen Turnhallen-Einweihung in den Herbstferien geplant ist, für die Fertigstellung der neuen Teisendorfer Boulderhalle.

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Die Planungsphase und Montage koordinierte Stefan Stadler. Im Juli wurden in etwa vier Wochen die Wände montiert. Immer waren mindestens drei, zum Teil sogar bis zu acht Helfer im Einsatz. Auch bisher eher passive Vereinsmitglieder, die am Thema interessiert waren, beteiligten. Manche nahmen sogar Urlaub.

Vor zwei Wochen wurde die 30 Zentimeter dicke Weichbodenmatte verlegt. Die einzeln in Plastikfolie verpackten Griffe wurden vergangene Woche angeliefert und mit vereinten Kräften innerhalb von vier, fünf Stunden ausgepackt. »Das klappt super: Ein kurzer Satz in unserer Whatsapp-Gruppe, und schon sind Leute da«, freut sich Stefan Mühlbacher, der die Restarbeiten wie Routenschrauben oder Anschluss der Musikanlage koordiniert.

Eine erste, durchaus anspruchsvolle Route haben die Boulderschrauber bereits geschraubt und sie »Einstandshoibe« genannt. Auch einige der »volumes«, aufschraubbare größere Elemente zur abwechslungsreichen und flexiblen Strukturierung der Wände, wurden bereits befestigt. Die Elemente sind aus Fiberglas oder Holz. Ein Schreiner im Verein hat den Boulderern bereits versprochen, in seiner Werkstatt noch weitere »volumes« anzufertigen. Die Griffe sind aus Varianten von Polyurethan, einer Kunststoffart, die mit ihrer rauen Oberfläche einem Felsen ähnelt.

Auch ein Großteil der Griffe des stark geneigten »Moonboard« wurde bereits angeschraubt. Jeder Griff hat eine eigene Koordinate und die Griffe sind weltweit nach demselben System angeordnet. Hinter der Wand befindet sich die Steuerungselektronik. Wenn Boulderer über die Moonboard-App auf ihrem Handy eine Route auswählen, leuchten über den entsprechenden Griffen bunte Lämpchen auf – ein grünes über dem Startgriff, ein rotes über dem Zielgriff und blaue über den Zwischengriffen. Über die App kann man auf das »Who-is-who« der internationalen jungen Sportkletter- und Boulderszene zugreifen und deren Routen in Teisendorf nachklettern.

Mit etwa 240 Quadratmetern Kletterfläche ist die Grundfläche von 100 Quadratmetern optimal ausgenutzt. Geklettert wird bis in Absprunghöhe, in Teisendorf bis zu vier Meter hoch. Etwa 20 Boulderer können in der Halle laut Mühlbacher gleichzeitig aktiv sein. Ohnehin werden beim Bouldern, das kräftezehrender als das Seilklettern ist, immer wieder längere Pausen eingelegt.

Was fasziniert am Bouldern? »Man kann sein persönliches Limit super ausloten. Und es ist geselliger als Seilklettern«, findet der Oberteisendorfer Christian Welkhammer (24). »Cool ist, dass du immer mit neuen Leuten zusammenkommst, um mit verrückten Möglichkeiten gemeinsam Lösungen zu entwickeln«, ergänzt sein Bruder Stefan Welkhammer (22).

Zum Schrauben und regelmäßigen Neu-Schrauben möchte Stefan Mühlbacher eine auch für kritikfähige Neulinge offene »Community« gründen. Er selber hat schon in der Boulderhalle Traunstein und am DAV-Kletterturm geschraubt und Stefan Welkhammer schon am Chiemgau-Gymnasium Traunstein. Später brauche man die Schrauber auch gelegentlich fürs Griffewaschen. Mühlbachers Ziel ist, dass keine Route älter ist als zwei Monate und dass man sich vom Budget für neue Griffe auch gelegentlich externe, professionelle Schrauber zu neuer Inspiration leistet.

Die drei Kletterer sind überzeugt davon, dass sich die DAV-Sektion Teisendorf durch den auch im Schulsport genutzten Boulderraum stark verjüngt. Und dass auch Kletterer und Boulderer, die derzeit in den Sektionen Bad Reichenhall oder Berchtesgaden sind wegen der dortigen Hallen, in ihre Heimatsektion zurückkehren. vm

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