weather-image

Schwierige Bergrettung nach Flugzeugabsturz

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Schwerverletzte, Tote, Vermisste: Bei der Großübung am Königssee wurde ein Flugzeugabsturz dargestellt. Insgesamt 50 Rettungskräfte aus Polizeibergführern, Alpinbeamten, Polizeihubschrauberstaffel sowie Spezialisten von Berg- und Wasserwacht zeigten, dass auf sie Verlass ist.
Bildtext einblenden
Minister Joachim Herrmann.
Bildtext einblenden
Das Boot der Wasserwacht war ein wichtiges Einsatzmittel.
Bildtext einblenden
Polizeichef Günther Adolph (l.) und Landrat Georg Grabner.
Bildtext einblenden
Das Polizeischnellboot flitzte mehrmals über den Königssee.
Bildtext einblenden
Der Polizeihubschrauber war ständig im Einsatz: Beim zweiten Anflug erfolgte die Totenbergung, während bereits ein Suchhund mit GPS-Sender und Retter mit einer Wärmebildkamera zur Personensuche im Einsatz waren. Fotos: Leitner (5)/Wechslinger (2)
Bildtext einblenden
Auch Einsatztaucher durften nicht fehlen.

Schönau am Königssee – Eine große Einsatzübung mit Beteiligung der Bergwacht, der Wasserwacht und von Polizeikräften fand am Donnerstag an der Archenwand am Königssee statt. Im Beisein des Bayerischen Staatsministers des Innern, Joachim Herrmann, zeigten die Einsatzkräfte in schwierigstem Berggelände bei einem angenommenen Flugzeugabsturz ihr Können. Die Übung wurde nicht zuletzt deswegen durchgeführt, weil durch den »Berg-Tourismus« auch immer mehr Menschen in Bergnot geraten. Schon sieben Bergtote sind in der Region in diesem Sommer zu beklagen.


Insgesamt 50 Rettungskräfte aus Polizeibergführern, Alpinbeamten, Polizeihubschrauberstaffel sowie Spezialisten von Berg- und Wasserwacht zeigten in steilem, unwegsamem Gelände bei der Bergung eines angenommenen Schwerverletzten, einer Totenbergung und einer Vermisstensuche mit einem Hund trotz ungünstiger Witterung, dass auf sie Verlass ist.

Anzeige

Von einem Boot der Königssee-Flotte aus beobachteten der Staatsminister sowie Führungskräfte der eingesetzten Rettungskräfte und Politiker das Übungsszenario an der Archenwand: Nachdem der Absturz eines Kleinflugzeuges aus Salzburg gemeldet worden war, brachten Wasserwacht und Polizei die Einsatzkräfte an den Wandfuß, von wo aus es zu einer ersten Erkundung zirka 30 Meter wandaufwärts zur Absturzstelle ging. Nach Erkundung der Lage wurde der Polizeihubschrauber »Edelweiß 4« angefordert, der mit Rettern und dem benötigten Gerät anflog und weitere Rettungskräfte an der Unglücksstelle absetzte.

Mehrere Einsatzkräfte der Bergwacht bauten verschiedene Seilgeländer in die Wand, um eine Nachführung von Bergematerial besser zu ermöglichen und die Sicherheit der Einsatzkräfte zu erhöhen. Schließlich musste auch der Flugzeugrumpf gegen einen Absturz und damit eine weitere Gefährdung der Einsatzkräfte gesichert werden. Zunächst wurde der Schwerverletzte versorgt, geborgen und mit dem Hubschrauber an der Winde ausgeflogen.

Vermisstensuche mit Hund

Beim zweiten Anflug des Polizeihubschraubers erfolgte die Totenbergung, während bereits ein Suchhund mit GPS-Sender und Retter mit einer Wärmebildkamera zur Personensuche im Einsatz waren, um den beim Absturz Vermissten aufzuspüren. Inzwischen waren auch Taucher der Wasserwacht im Einsatz, die Wrackteile des Flugzeuges aufnahmen.

Großes Können bei derartigen Einsätzen ist auch bei der Hubschrauberbesatzung nötig, die gefährlich nahe an der Wand agiert und das Fluggerät trotz Wind, Regen und schlechter Sicht sicher halten muss. Nachdem die Übung erfolgreich beendet war, ging es mit dem Boot weiter nach St. Bartholomä.

Bei einer anschließenden Pressekonferenz sprach Minister Herrmann zunächst von einer grandiosen Gegend, die natürlich viele Menschen anzieht. Leider blieben in solch einem Natur-Paradies im Sommer wie im Winter auch schwere Unfälle nicht aus.

Im Sommer 2013 sind bereits 155 Verletzte und 44 Tote im bayerischen Alpenraum zu beklagen, die Bayerische Polizei und die Bergwacht seien immer häufiger gefordert. Minister Herrmann nannte die Arbeit der Polizei in alpinen Regionen »komplex, schwierig und oft auch gefährlich«. Die Einsatzkräfte müssten auf das gesamte Spektrum polizeilicher Aufgaben im alpinen Bereich wie Berg-, Ski-, Lawinen- und Flugunfälle vorbereitet sein. Auch Unfälle in Kletter- und Hochseilgärten, Vermisstensuchen, Totenbergungen oder die Fahndung nach Straftätern zählten dazu. Beamte für diese Aufgaben müssten über eine überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit und eine umfassende alpine Erfahrung und Technik verfügen.

Die Wichtigkeit gemeinsamer Übungen

Sehr wichtig seien gemeinsame Übungen der verschiedenen Rettungsinstitutionen, die ein reibungsloses Zusammenspiel ermöglichten. Hermann berichtete von sechs Millionen Euro, die der Bayerische Staat für die Finanzierung von nötiger Gerätschaft im Jahr 2013 für die Einsatzkräfte zur Verfügung gestellt habe.

Ferner freute er sich über das novellierte Bayerische Rettungsdienstgesetz, das besonders in der Berg- und Wasserrettung wesentlich verbessert wurde. Bayern habe deutschlandweit beim Thema Sicherheit die Spitzenposition. Er werde mit seinen Kräften auch in Zukunft alles daran setzen, den Alpenraum so sicher wie möglich zu gestalten, so Herrmann. Die Menschen im Gebirge forderte der Minister auf, keinen Leichtsinn walten zu lassen, sich nicht selbst zu überschätzen und in entsprechender Ausrüstung unterwegs zu sein. Christian Wechslinger