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Sechs Kaser, ein Bergsee und ein Funktionsgebäude

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Den Bebauungsplan »Almdorf Vorderbrand« hat der Gemeinderat Schönau am Königssee jetzt als Satzung beschlossen. Zentraler Teil ist die Errichtung von sechs Almkasern und eines Funktionsgebäudes. (Grafik: Gemeinde)

Schönau am Königssee – Die grundlegenden Voraussetzungen für den Bau eines Almdorfes mit insgesamt sechs Chalets am Vorderbrand sind nun geschaffen. Der Gemeinderat fasste am Mittwoch mit einer Gegenstimme (Michael Lochner) den Satzungsbeschluss für den vorhabensbezogenen Bebauungsplan. Im Durchführungsvertrag wird außerdem geregelt, dass Wolfgang Aschauer innerhalb von zwei Jahren mit dem Projekt beginnen muss und es innerhalb von 60 Monaten abzuschließen ist.


Vorgesehen ist am Vorderbrand der Bau von insgesamt sechs Almkasern, die sich im Hang oberhalb des Gasthofs »Vorderbrand« um einen kleinen Bergsee gruppieren. Darüber hinaus soll in unmittelbarer Nachbarschaft des Gasthauses ein Funktionsgebäude unter anderem für Wellnessangebote errichtet werden. Wolfgang Aschauer hatte sein Projekt, das ursprünglich den Bau von 15 Chalets vorgesehen hatte, nach anfänglichen Bedenken im Gemeinderat erheblich reduziert. Das Almdorf soll ein touristisches Angebot für anspruchsvolle Urlauber werden, die ein besonderes Ambiente suchen.

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In der zweiten öffentlichen Auslegung stellte die Regierung von Oberbayern als höhere Landesplanungsbehörde nun fest, dass der Bebauungsplan und die Erweiterung des Gewerbebetriebs Gasthof »Vorderbrand« im Außenbereich den Erfordernissen der Raumordnung entsprechen.

Gegen das Projekt sind nach wie vor der Bund Naturschutz und der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern. Der Bund Naturschutz kritisierte laut Bürgermeister Hannes Rasp in der erneuten Anhörung wieder die Zersiedelung der Berglandschaft und den Flächenverbrauch im alpinen Gelände. Beide Verbände sehen auch den Nutzen durch neuen Wohnraum im Vergleich zum Landschaftsverbrauch als zu gering. Kritik gab es darüber hinaus an den ausgewiesenen Ausgleichsflächen. Eine davon soll entlang der Vorderbrandstraße ausgewiesen werden, wo durch Auslichtung wieder die ursprüngliche bereits vorhandene Tratte entstehen soll. Und dann gab es noch einen Einwand von zwei Privatbürgern aus Berchtesgaden. Sie bedauern, dass durch das Vorhaben mit Holzhäusern das Landschaftsbild zerstört werde.

Ähnlich sah es auch Gemeinderat Michael Lochner (Freie Wähler), der von Anfang an gegen das Almdorf war. Zwar anerkannte Lochner das Entgegenkommen des Antragstellers, der das Projekt reduziert und gut geplant habe. »Aber das denkmalgeschützte Ensemble Vorderbrand und Hinterbrand sollte nach meiner Ansicht so erhalten bleiben wie es ist.« Außerdem befürchtet Lochner, dass man sich in der Gemeinde damit Bezugsfälle schaffe.

Bürgermeister Hannes Rasp, der das Projekt persönlich immer unterstützte, bezeichnete zwar Michael Lochners Meinung als nachvollziehbar. Die Schaffung von Bezugsfällen befürchtet der Rathauschef allerdings nicht. »Es ist immer eine Einzelfallentscheidung, wo so etwas geht und wo nicht.«

Auf den Erweiterungsanspruch des Eigentümers am Vorderbrand verwies Andreas Pfnür (SPD). Ein solches Vorhaben wäre sicherlich nicht schöner als das aktuelle Projekt Almdorf. Außerdem habe es sich der Gemeinderat nicht leicht gemacht und mit dem Antragsteller eine Reduzierung der Pläne erreicht.

Im Durchführungsvertrag, den der Gemeinderat ebenso wie die Bebauungsplansatzung gegen die Stimme von Michael Lochner beschloss, wird unter anderem das Bauzeitfenster geregelt. Außerdem müssen ein Brandschutznachweis und ein Standsicherheitsnachweis für den Bergsee beigebracht werden. In den Almhütten dürfen keine Zweitwohnsitze entstehen. Nächster Schritt beim Projekt Almdorf wäre nun die Einreichung eines Bauantrags. Ulli Kastner