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Seit 50 Jahren aktiver Weihnachtsschütze

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Heinz Reiner ist seit 50 Jahren aktiver Weihnachtsschütze. Der Heiligabend ist für ihn ein Höhepunkt im Schützenjahr. Fotos: Anzeiger/B. Stanggassinger
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Heinz Reiner (r.) beim Mettenschießen im Jahr 2012.

Bischofswiesen/Stanggaß – »Treu dem guten alten Brauch« – dieser bekannte Spruch vieler Brauchtumsvereine ist dem Heinz Reiner auf den Leib geschrieben. Seit 1963 ist er aktiver Weihnachtsschütze und verkündet mit seinen Kameraden lautstark die Geburt Christi.


Heinz Reiner ist Mitglied der Stanggasser Weihnachtsschützen. Ihr Standplatz ist beim Mettenschießen der Ponnzenzenbichl mit herrlichem Blick auf die Stiftskirche. Wer wie Heinz Reiner seit 50 Jahren schießt, der hat alles an Wetterkapriolen durchlebt: Schneefall, Regen, Sturm, Nebel, aber auch sternklare, eiskalte Nächte.

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»Gegen 22 Uhr mach ich mich auf den Weg – und wenn es in der Stube noch so gemütlich ist«, erzählt der Heinz. Um 23.30 Uhr beginnt das Schießen. Kommt man rechtzeitig, dann kriegt man einen Platz unter dem beleuchteten Christbaum. »Und wenn man älter wird, ist ein wenig Licht dienlich«, so der Heinz. Nach dem Mettenschießen geht der Heinz immer über den Soleleitungssteg heim. »Wenn ich das Wandlungsläuten und Schießen hör, dann bleib ich stehen, ein stilles Gebet und Gedanken inspirieren mich.«

Die Stanggasser Weihnachtsschützen übermitteln in der Silvesternacht ihren Gönnern und Freunden Neujahrswünsche. In zwei Gruppen trifft man sich am frühen Abend beim Stadlhauslehen und beim Hochbichllehen, anschließend geht es zu Fuß von Haus zu Haus. Zweimal wird mit Einzelfeuer geschossen, bis die Bewohner des Hauses ins Freie kommen. Anschließend übermittelt der Schützenmeister die besten Wünsche für das neue Jahr und gibt das Kommando für eine Salve.

Für die jungen Schützen ist es eine Selbstverständlichkeit, beim sogenannten Standlschießen dabei zu sein. Aber nur wenige Ältere, die eine Familie haben, sind noch dabei. Der Heinz ist eine Ausnahme. Er ist jährlich beim Standlschießen mit dabei. Und auf die Frage an seine Frau, das Lieserl, ob es ihr nichts ausmache, dass der Heinz nie zu Hause ist an Silvester, antwortete sie spontan: »Nein, das ist halt so, ich hatte ja immer die Kinder.«

Seinen ersten Böller bekam der Heinz von seinem Göd zu Weihnachten. Einen Schaftböller hat er sich einmal selbst gebaut und vor zwölf Jahren hat er sich einen Böller gekauft; einen, der nicht mehr so schwer ist.

Bei den im Jahreskreis stattfindenden Festlichkeiten mit den Weihnachtsschützen ist Heinz Reiner überall dabei, sei es der Schützenjahrtag in Bischofswiesen, das Schießen bei der Prozession zu Ehren des seligen Kaspar Stanggassinger am Unterkälberstein, der Schützenjahrtag, die Kälbersteinkirchweih oder wie in diesem Jahr das Gaufest Trostberg.

Heinz Reiner ist mit dem Berchtesgadener Brauchtum eng verwurzelt. So ist er Ehrenvorstand der Trachtenvereinigung und Ehrenmitglied des GTEV D'Edelweißer. Bernhard Stanggassinger