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Senkrechter Endspurt im »Gipfelwandl«

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Rund 150 Meter weit quert man vom Gipfelgrat bis unterhalb des Gipfelwandls, wo die Schwierigkeiten der neuen Klettersteig-Variante am Grünstein beginnen. Anzeiger-Fotos
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Gut festhalten muss man sich im steilen Abschnitt der Gipfelwand.
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Die Familie Bernegger zeigt dem »Berchtesgadener Anzeiger« die neue Variante.
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Sepp Bernegger bei der anstrengenden Bohrarbeit. Foto: Steinbacher

Schönau am Königssee – Begeher des Grünstein-Klettersteigs können sich ab sofort in einem kraftraubenden Endspurt vor Erreichen des Gipfels noch einmal so richtig verausgaben. Heute eröffnet der SC Grünstein-Klettersteig e.V. offiziell eine neue rund 70 Meter hohe Ausstiegsvariante im Schwierigkeitsgrad D mit zwei E-Stellen. Sepp Bernegger vom Hainzenlehen am Faselsberg hat den Eisenweg in einer einwöchigen Bohraktion zusammen mit Gehilfen in die senkrechte bis leicht überhängende Gipfelwand gelegt.


Michael Graßl, Initiator des Isidor-Klettersteigs, hatte diese Möglichkeit bereits vor längerer Zeit ins Auge gefasst, die Arbeitsaktion aus gesundheitlichen Gründen aber immer verschoben. Vor zwei Wochen nahm dann Sepp Bernegger vom SC Grünstein-Klettersteig die Aktion in Angriff. Sohn Andreas, Bergführer Albert Steinbacher und andere leisteten Hilfe beim Bohren und dem Einbau der Seile.

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Leicht ist sie nicht geworden, die neue Variante. »Mit Trittbügeln habe ich absichtlich gespart«, sagt Sepp Bernegger. So muss man schon mindestens an zwei Stellen jeweils von guten Standplätzen aus kräftig anziehen, um diese Passagen zu überwinden. Die Füße finden dabei nur geringen Halt an der leicht überhängenden Wand, die Hauptarbeit verrichten hier die Arme. Das Umhängen der Karabiner oberhalb dieser kurzen, schwierigen Stellen erleichtert dann aber jeweils ein Steigbügel.

Die neue Variante mit dem Namen »Intersport Renoth Gipfelwandl« zweigt am Gipfelgrat kurz nach der letzten Rastbank bei einer kleinen Scharte nach links ab. Zunächst im leichten, grasdurchsetzten Gelände quert man am Stahlseil etwa 150 Meter weit zunächst eben, dann leicht bergauf bis unter die Gipfelwand. Der hier beginnende steile Abschnitt ist rund 70 Meter hoch und bietet alles, was das Herz des sportlichen Klettersteigfans begehrt. Armkraft und gute Fußtechnik erleichtern hier die Sache gehörig. Wer bereits im unteren Teil des Isidor-Klettersteigs an seine Grenzen kam, tut besser daran, den Normalweg zum Gipfel aufzusteigen. Bezwinger des Gipfelwandls erreichen ein paar Meter unterhalb der GATE-Station wieder den Grat.

60 Verankerungen haben Sepp Bernegger und seine Kameraden in dem neuen Abschnitt angelegt, außerdem machen etwa 15 Steigbügel das steile Gelände überwindbar. Ein Sponsor übernahm die Finanzierung, die Arbeiten erfolgten wie immer beim Klettersteig ehrenamtlich. Nach einer anstrengenden Woche war die neue Steiganlage angelegt, mit dem heutigen Samstag beginnt die Bewerbung. Da passt es, dass der Wetterbericht wenigstens für heute Samstag noch Trockenheit gemeldet hat. Ulli Kastner