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Sepp Lenz bekommt »Preis für sein Lebenswerk«

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Sepp Lenz (l.) ist noch heute als »Medaillenschmied vom Königssee« bekannt. Den »Preis für sein Lebenswerk« erhielt der frühere Rennrodel-Bundestrainer aus den Händen von BSD-Generaldirektor Thomas Schwab. Viele weitere Fotos von der Sport-Gala gibt es unter www.berchtesgadener-anzeiger.de. (Fotos: Waßmuth)
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Skibergsteiger Stefan Knopf trägt den Titel »Nachwuchssportler des Jahres«.
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Auszeichnung »Herausragender Förderer des Berchtesgadener Sports« für das CJD: Stefan Kantsperger (l.) und Hans-Wolf von Schleinitz.
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»Trainer des Jahres«: Hermann Weinbuch.
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Die »Sportlerin des Jahres« mit der »Nachwuchssportlerin des Jahres«: Tina Hermann (r.) und Anna Fernstädt.
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»Mannschaft des Jahres«: das Bob-Team Lochner mit (v.l.) Matthias Kagerhuber, Johannes Lochner, Joshua Bluhm, Christian Rasp und Sebastian Mrowka.
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Hans Labacher, Abteilungsleiter der TSV-Ringer, mit dem »Persönlichen Preis der Bürgermeister«.
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»Berchtesgadener Botschafter des Sports«: Tobias Arlt (l.) und Tobias Wendl.
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»Sportler des Jahres« wurde erneut Skibergsteiger Toni Palzer aus der Ramsau, hier im Gespräch mit Moderator Markus Othmer.

Berchtesgaden – Als Sepp Lenz am Freitagabend die Bühne im Kongresshaus betrat, gab es »Standing Ovations« von den 430 Gästen.


Der frühere Rennrodelbundestrainer, einst »Goldschmied vom Königssee« genannt, erhielt im Rahmen der großen Sport-Gala einen »Preis für sein Lebenswerk«. Insgesamt verlieh man Auszeichnungen in zehn Kategorien an die so erfolgreichen Sportler im Berchtesgadener Talkessel. »Sportler des Jahres« wurde wie schon im letzten Jahr der Ramsauer Skibergsteiger Toni Palzer, zur »Sportlerin des Jahres« kürte die Jury unter dem Vorsitz von Helmut Weinbuch die Skeletonpilotin Tina Hermann aus Bischofswiesen.

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Ein ganz neues Format hatte man sich für den großen Ehrungsabend ausgedacht. Festlicher, würdiger, unterhaltsamer sollte dieser Anlass werden. Die Idee hatte bereits vor einigen Jahren Alexander Resch, heute Vorstandsvorsitzender des Vereins Sport-Talent. Seit einem Jahr nun liefen die Vorbereitungen unter der Federführung der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee in Kooperation mit Sport-Talent sowie dem Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD).

Die Arbeit hat sich nach Ansicht der rund 430 Teilnehmer hundertprozentig gelohnt. So einen Abend gab es im Kongresshaus seit der großen SkiGala in den 90er Jahren nicht mehr. Für beste kulinarische Versorgung, zu dem ein dreigängiges Menü gehörte, sorgte das aufmerksame Küchen- und Gastronomieteam der Hotels »Edelweiß« und »Kempinski«. Als Stimmungsgarant stand die Klaus Amman Big Band auf der Bühne. Die Band lud mit klassischer Tanzmusik, schwungvollen Evergreens und bekannten Welthits zum Tanzen ein und spielte die Sportler im Ehrungsblock mit jeweils passenden Kurzeinlagen auf die Bühne.

Alle Einnahmen für den Sportnachwuchs

Beim Black Jack und beim Roulette, angeboten von den Spielbanken Bad Reichenhall, waren Tombolalose zu gewinnen. Die Ziehung in später Nacht, moderiert von Sebastian Rasp, warteten fast alle Gala-Besucher noch ab, schließlich gab es wertvolle Preise zu gewinnen. Der Gewinner des Hauptpreises darf einen Hybrid-BMW 530e ein halbes Jahr lang fahren. Die Einnahmen aus der Tombola sowie der Reinerlös der gesamten Gala kommt laut TRBK-Vorsitzendem Franz Rasp dank zahlreicher Sponsoren dem Sportnachwuchs im Berchtesgadener Talkessel zugute. Was allgemein für den Sport in den fünf Gemeinden getan wird, konnte man im Foyer bestaunen. Hier hatte Hans Scherer mit vielen Bildern und Exponaten eine beeindruckende Präsentation aller heimischen Sportvereine geschaffen.

Eine festliche Eingangsfanfare der Big Band leitete den Ehrungsteil ein. An dieser Stelle meldete sich per Videobotschaft der bayerische Heimatminister und Schirmherr Markus Söder zu Wort, der sich selbst als Fan von Bob- und Skisport outete und den Sportlern zu ihren Leistungen gratulierte. Als er Berchtesgaden allerdings als »Mekka des Eisschnelllaufs« bezeichnete, hatte der Minister die Landkarte nicht genau im Kopf.

Zwei Talente auf dem Weg nach oben

Im Mittelpunkt des von Markus Othmer eloquent, lässig und sympathisch moderierten Abends standen freilich die Sportlerinnen und Sportler. In insgesamt zehn Kategorien wurden die vom Salzbergwerk Berchtesgaden zur Verfügung gestellten Salzpokale vergeben. Ebernsoviele Laudatoren (siehe Kasten) pörtraitierten die Preisträger in kurzen Beiträgen und stellten ihre größten Erfolge noch einmal heraus. Zu »Nachwuchssportlern des Jahres« ernannte die Jury die Skeletonpilotin Anna Fernstädt und den Skibergsteiger Stefan Knopf. Fernstädt ist nach vielen Erfolgen im Juniorenbereich mittlerweile im großen Weltcupzirkus angekommen und mischt bereits im Podestbereich mit. Und der »Knepfei«, der bereits einige internationale Erfolge im Juniorenbereich erzielt hatte, stellte in einem Kurzinterview seinen einst so laufstarken Opa Willi Hölzl als Vorbild heraus.

Einen Salzpokal als »Herausragender Förderer des Sports« bekam das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD), vertreten durch Hans-Wolf von Schleinitz, Stefan Gauer, Stefan Kantsperger und Wolfgang Greiner. Über die Auszeichnung »Botschafter des Berchtesgadener Sports« freuten sich die Doppel-Rennrodler Tobias Wendl und Tobias Arlt.

Erfolgstrainer Weinbuch

Den Titel »Trainer des Jahres« holte sich Hermann Weinbuch, seit 21 Jahren Bundestrainer der Nordischen Kombinierer. In dieser Zeit gab es über 40 Medaillen für die deutschen Athleten. Zur »Mannschaft des Jahres« wählte die Jury das Team des Untersteiner Bobpiloten Johannes Lochner, dessen größter Coup im Februar die Goldmedaille im Viererbob bei der WM am Königssee war. Zum Team gehörten Joshua Bluhm, Matthias Kagerhuber, Christian Rasp und Sebastian Mrowka.

Auch reine Amateursportler konnten sich über eine Auszeichnung freuen. Die Ringermannschaft des TSV Berchtesgaden, vertreten durch TSV-Vorstand Werner Böhnlein und Abteilungsleiter Hans Labacher, erhielt den »Persönlichen Preis der Bürgermeister«. Immerhin schaffen es die heimischen Ringer in der Bayernliga, regelmäßig den Kongresshaussaal mit bis zu 1 000 begeisterten Zuschauern zu füllen.

Schnelle Schlitten und schnelle Autos

Den Titel »Sportlerin des Jahres« holte sich erstmals die Bischofswieser Skeletonpilotin Tina Hermann, die es in ihrem schwarz-silbern glänzenden Kleid dem Moderator anscheinend angetan hatte. »Da kennt man sie nur in ihrem Sportgewand und dann steht da plötzlich so eine Granate vor einem«, schwärmte Othmer. Der entlockte der dreimaligen Weltmeisterin und Silbermedaillengewinnern vom Königssee aber auch einige Infos. Beispielsweise die, dass die Bischofswieserin nicht nur schnelle Schlitten, sondern auch schnelle Autos liebt.

Im Anzug seines Arbeitgebers, der Bundeswehr, präsentierte sich der Ramsauer Skibergsteiger Toni Palzer, der sich nach letztem Jahr heuer zum zweiten Mal den Titel »Sportler des Jahres« holte. Neben seinen Podestplätzen bei Weltmeisterschaften und Weltcups lassen vor allem einige Begehungszeiten des Bergsportlers aufhorchen. So schaffte Palzer beispielsweise die Watzmannüberschreitung von der Wimbachbrücke bis zur Wimbachbrücke in drei Stunden und zehn Minuten. Alleine in diesem Winter hat er im Training und bei Wettkämpfen 400 000 Höhenmeter zurückgelegt. Wo er seinen Salzpokal abstellen will, weiß der Ramsauer allerdings noch nicht: »Mein Zimmer ist extrem klein. Schau'n wir mal«.

Multitalent Sepp Lenz

»Standing Ovations« von seiten des Publikums gab es, als Ex-Bundestrainer Sepp Lenz die Bühne betrat, um sich von BSD-Generaldirektor Thomas Schwab den »Preis für sein Lebenswerk« abzuholen. Schwab, der die Erfolgsgeschichte des »Medaillenschmieds vom Königssee« und Bahnbauexperten lange Jahre selbst miterlebt hatte, plauderte fast eine halbe Stunde lang aus dem Nähkästchen. So wusste er beispielsweise, dass Lenz in seiner aktiven Zeit als Rennrodler bei 122 registrierten Rennen 80 Mal auf dem Podium gestanden war. Sein größter Erfolg war der EM-Titel 1962. »Chapeau vor Deiner Leistung«, sagte Schwab und verbeugte sich vor dem 82-Jährigen, der selbst einen schweren Bahnunfall mit dem Verlust seines Unterschenkels locker weggesteckt hatte. Ulli Kastner