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Sepp Pfnür über das Konzert der »Frühaufsteher«

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Vogelexperte und Nationalpark-Ranger Sepp Pfnür ist auch ein Vogelexperte. Foto: privat

Berchtesgaden - Frühlingsanfang - endlich. Auch die Vögel singen wieder. Aber warum eigentlich? Nationalpark-Ranger Sepp Pfnür kennt die Antwort. Im Gespräch mit der Heimatzeitung verrät er, warum männliche Vögel die besseren »Sänger« sind.


Pünktlich zum Beginn des Frühjahrs ist der Gesang der Vögel ganz besonders laut: Warum ist das so?

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Sepp Pfnür: In erster Linie geht es im Frühjahr zu Beginn der neuen Brutsaison darum, ein Revier zu besetzen. Deshalb sind viele Vögel in dieser Zeit besonders singfreudig. Und noch zwei Gründe spielen eine Rolle: Nach der langen und eher stillen Winterzeit fallen uns die Gesänge besonders auf. Wir freuen uns ja richtig darauf. Gleichzeitig wirkt der Vogelgesang am Morgen besonders laut, weil zu dieser Tageszeit der menschliche Lärm noch geringer ist und deshalb noch nicht alle anderen Geräusche überdeckt.

Das »Konzert« der Vögel läuft nach einem bestimmten Plan ab. Wie schaut dieser aus?

Pfnür: Im März ist der Gesang oft den ganzen Tag über zu hören, vor allem deshalb, weil verschiedene Zugvögel wieder aus ihrem Winterquartier in ihr Brutgebiet zurückkehren. Da geht es dann darum, besonders »standfest« zu sein und das eigene Territorium mit der Stimme nachdrücklich zu verteidigen. Danach meist nur noch morgens und abends. Im Frühsommer und Sommer, wenn sich die verpaarten Vögel komplett um ihren Nachwuchs kümmern, singen sie entweder weniger, leiser oder überhaupt nicht mehr.

Gibt es Vogelarten, die früher zu hören sind, andere später? Warum ist das so?

Pfnür: Rotkehlchen, Gartenrotschwanz, Amsel oder Zaunkönig gehören zu den »Frühaufstehern«. Meisen, Grünfink oder Baumpieper sind eher etwas später dran. Jede Vogelart wird durch einen bestimmten Grad an Helligkeit animiert, mit dem Gesang zu beginnen. Dieser ist von Art zu Art verschieden, deshalb beginnen manche früher, manche später. Durch starke Bewölkung am Morgen kann das »Konzert« daher auch mal etwas verschoben werden.

Eigentlich hat die Damenwelt die schönere Stimme, bei den Vögeln sind es aber eher die Männchen, die singen. Was treibt sie zu ihren sanglichen Höhenflügen?

Pfnür: Das stimmt, der Gesang ist eher »Männersache«: Er dient dazu, vor dem eigentlichen Brutbeginn - also während der Balzzeit - ein Revier zu markieren, gegenüber Konkurrenten zu behaupten und natürlich Weibchen anzulocken. Von diesem Gesang mit mehreren Strophen werden »Rufe« unterschieden. Das sind kurze Lautäußerungen aus wenigen Tönen, die der Weiterleitung von bestimmten Informationen dienen und von beiden Geschlechtern zu hören sind. Kilian Pfeiffer