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»Sie chillen lieber und beobachten ihre Beute«

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Dieses Exemplar, eine »Theraphosa blondi«, wird bis zu 40 cm groß. Ein Exponat dieser Art ist auch am Sonntag im Pfarrsaal Unterstein zu sehen. (Foto: privat)

Schönau am Königssee – Haarige, achtbeinige Tierchen sind am 28. Januar bei der Spinnen- und Insektenausstellung »Arachnopilia« in Schönau am Königssee zu sehen.


Allerdings sind es nur Exponate und keine lebenden Tiere. Darum sind sie aber nicht weniger beeindruckend: Hier sei als Beispiel die »Theraphosa blondi« genannt: Die Spinne ist bis zu 40 cm groß, wie Aussteller Pierre Brumbach im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« erzählt.

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»Es sind die acht Beine. Damit kommt das menschliche Gehirn nicht klar«, erklärt Pierre Brumbach zu seiner Leidenschaft, den Spinnen. »Das ist wissenschaftlich bewiesen«, fährt er fort. Genau das, was bei anderen Menschen für angstgeweitete Augen sorgt, das fasziniert den 39-jährigen Familienvater. Am Sonntag kommt er mit seinen Ausstellungsstücken in den Pfarrsaal Unterstein, um auch anderen etwas von seiner Faszination abzugeben.

Brumbach wohnt mit seiner Familie in Holzheim bei Augsburg. Er ist selbstständig im Textilgewerbe. Seit zehn Jahren ist er nebenbei mit seiner »Arachnophilia«-Ausstellung unterwegs. Seine Frau Tabea ist ebenso begeistert von Insekten und Spinnen und übernimmt die Organisation. »Das Hobby stammt aus der Zeit, bevor ich eine Frau und Familie hatte«, so Pierre Brumbach. Früher hielt er selbst die exotischen Tiere in Terrarien. Dann hatte die Zeit nicht mehr gereicht. Aber nun tourt er wieder durch die Lande und möchte Aufklärungsarbeit leisten. Ihm ist wichtig, »Übertreibungen und realitätsfremde Darstellungen auszuräumen«. Dafür gibt er ein Beispiel: »Manche Leute glauben, dass Vogelspinnen tatsächlich Vögel fressen. Das ist nicht wahr.« Der Mythos habe seinen Ursprung, ebenso wie der Name der Tiere, im 18. Jahrhundert. »Eine Dame war damals im Urwald unterwegs und sah einen Vogel, der sich in einem Spinnennetz verfangen hatte.« Zum einen stammte das Netz nicht von einer Vogelspinne, zum anderen fressen diese keine Vögel, trotzdem wurden die haarigen achtbeinigen Geschöpfe Vogelspinnen genannt. Das ist nur eine Falschinformation, die der Aussteller richtigstellen möchte.

Um bei den Vogelspinnen zu bleiben: Diese seien »farbenprächtige, nachtaktive Tiere«, schwärmt Brumbach. »Außerdem sind sie Prädatoren, also Jäger.« Als Haustiere seien sie einfach zu halten. »Sie sind nicht sonderlich aktiv und rennen nicht die ganze Zeit herum. Sie chillen lieber und beobachten ihre Beute«, weiß der Spinnenexperte.

Für die »Arachnophilia« wurden seine geliebten Spinnen nicht etwa getötet: »Diese Tiere häuten sich. In einem Museum wird die Haut dann so präpariert, dass sie wie eine echte Spinne aussieht«, erklärt er. Die Insekten, die zu sehen sind, sind »eines natürlichen Todes gestorben«, fügt er hinzu. Und warum hat Pierre Brumbach keine lebenden Exemplare dabei? »Das wäre für die Tiere zu stressig«, winkt der 39-Jährige ab. Außerdem mache der Tierschutz da nicht mehr ohne Weiteres mit, es gebe hohe Auflagen zu beachten. »Das finde ich aber gut. Denn es soll den Tieren ja gut gehen«, ist er überzeugt. Genauso wenig hält er davon, dass manche Aussteller ihre lebenden Spinnen auf die Hände der Besucher setzen, um ihnen die Angst vor den Geschöpfen zu nehmen: »Das finde ich zu gefährlich. Denn unter Spinnen gibt es wie unter Hunden auch Angstbeißer.« Das bedeutet in diesem Fall, sie stechen mit ihren Fängen zu. »Das Gift ist nicht tödlich, sondern eher lähmend. Und sehr unangenehm«, weiß der Aussteller.

Jedoch ist die Gefahr, von einer Spinne gebissen zu werden, bei der Ausstellung »Arachnophilia« nicht gegeben. Die Exponate sind zwischen 14.30 und 17.30 Uhr im Pfarrsaal zu sehen. »Da meine Frau dieses Mal nicht dabei ist, kann ich keine Führungen geben, sondern sitze nur an der Kasse«, fügt Pierre Brumbach an. »Aber ich stehe trotzdem jederzeit bereit, um Fragen zu beantworten.« Annabelle Voss