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»Sieht aus wie Plastik, ist aber kein Plastik«

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Pioniere für plastikfreie und biovegane Verpackung: Edna Kleber-Belizário und Christoph Kleber. (Foto: Tessnow)

Schönau am Königssee – Mit einer Weltneuheit wollen Edna Kleber-Belizário und Christoph Kleber dem Umweltschutz neue Perspektiven eröffnen. Das Waserburger Ehepaar entwickelte über ihre Firma »Grünkunft« kompostierbare Plastikverpackungen, die aus nachhaltigen Biofolien und zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Für das Projekt konnten die beiden sogar die Bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber aus Bayerisch Gmain als Schirmherrin gewinnen. Auch im Berchtesgadener Talkessel sind ab sofort verschiedene Produkte mit dieser umweltfreundlichen Verpackung erhältlich. Edna Kleber-Belizário und Christoph Kleber präsentierten ihre Erfindung am Montagnachmittag im »Rewe«-Markt am Triftplatz.


»Die Idee, etwas gegen Millionen Tonnen Plastikmüll zu unternehmen, die die Umwelt schädigen, entstand 2014 auf dem Bauernhof meines brasilianischen Schwiegervaters«, erzählt Initiator Christoph Kleber. Seine Frau ergänzt die Grundidee mit einem weisen Satz: »Jeder sollte selbst ein Teil der Veränderung sein, die er sich von der Umwelt wünscht.« Seit Jahren arbeitet das Ehepaar an plastikfreiem Verpackungsmaterial und gründete Anfang des Jahres ihr Unternehmen »Grünkunft« in Wasserburg. Es ist ein rein plastikfreier Biomarkt.

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Was also zeichnet die besonderen Verpackungen aus? Es handelt sich um kompostierbare Biofolien für Lebensmittel aus 100 Prozent nachwachsenden Rohstoffen. Diese stammen überwiegend aus Holzschnittabfällen der Forstwirtschaft. Es ist regenerierte Cellulose und frei von Plastik, Erdöl und Schadstoffen. Das Material verrottet in wenigen Wochen auf dem Kompost und ist ebenfalls über die Altpapiersammlung sinnvoll recycelbar. »Hierfür müssen auch keine Bäume gefällt werden«, betont Edna Kleber-Belizário. Zusätzlich wird für weitere Produkte ein Mehrwegsystem angeboten. »Grünkunft« hofft, dass künftig mit Plastik eingeschweißte Produkte immer weniger gewünscht werden.

Auf die Frage, warum sich der Sache bislang noch niemand angenommen hat, erklärt Christoph Kleber: »Die Herstellung ist teurer und aufwendiger als übliche Verfahren. Daher haben sich vermutlich andere noch nicht getraut. Es geht hier um knallharte Produktionskosten und die Massenproduktion macht es für viele Unternehmen unrentabel.«

Der Grundstoff für die kristallklare Folie ist tatsächlich Holz. Sie ist mechanisch und nicht chemisch behandelt sowie geschmacks- und geruchsneutral. Das Material kann sogar wieder verheizt werden. Die Folien sind biovegan. Der Verschluss der sogenannten »Nachhälter« ist aus Papier und gefärbter Biobaumwolle. Sieht aus wie Plastik, ist aber kein Plastik.

Die innovative Idee fand auch im Talkessel Anklang und Kooperation. Als »Rewe«-Marktleiter Dieter Schönwälder von der Idee erfuhr, stellte er »Grünkunft« in seinem Supermarkt am Triftplatz eine Plattform im Eingangsportal zur Verfügung. Schönwälder hat sich vorgenommen, das Pilotprojekt rund ein Jahr zu unterstützen und anschließend die rund 130 Produkte in das »normale« Sortiment zu integrieren. Überwiegend sind es Halbfertiggerichte, Müslikreationen, Süßwaren oder Grundnahrungsmittel wie Reis und Graupen sowie Nüsse, Trockenfrüchte, Essig und Öle.

Auch in Berchtesgaden wurde man hellhörig und will das Projekt informativ durch Umdenken im Konsumverhalten unterstützen. So richtete der Marktschellenberger Uli Schneider eine Facebook-Gruppe mit dem Namen »Berchtesgaden gegen Plastikmüll« ein und Biologielehrerin Christiane Prusnat vom Gymnasium Berchtesgaden hat die AG »Green-Kids-BGD« ins Leben gerufen. Auch Dr. Wolfgang Siegfried vom Reha-Zentrum »Insula« unterstützte die Idee und half bei der Einführung im Talkessel. Jörg Tessnow