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Singen für die Orgel

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Der Anchorage Concert Chorus gastierte am Wochenende in der St.-Andreas-Kirche und verzauberte zahlreiche Zuhörer. (Foto: Merker)

Berchtesgaden – Bei seiner Europa-Tournee gastierte am Wochenende der Anchorage Concert Chorus in der St.-Andreas-Kirche. Das Benefizkonzert wurde zugunsten der Renovierung der Orgel in der Stiftskirche veranstaltet und bildete den Auftakt für die angehende Spendenaktion. Der aus 70 Mitgliedern bestehende Chor begeisterte die Zuhörer.


»Sie haben den kühlsten Platz an diesem heißen Abend gewählt«, stellte Monsignore Dr. Thomas Frauenlob bei seiner Begrüßung fest. Chorleiter Dr. Grant Cochran war dankbar, dass so viele Menschen in Deutschland Englisch sprechen. »Wir singen zwar auch in Deutsch, aber leider können wir es nicht sprechen.« Verständigungsschwierigkeiten gab es an diesem Abend keine, ist die Sprache der Musik doch international.

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Der Auftakt war ganz patriotisch geprägt. Der »Hymn for America« folgte das Staatslied von Alaska, »Alaska's Flag«. Darin werden die acht goldenen Sterne besungen, die die Flagge zieren, das blaue Meer, die Berge und Seen und es wird an den Goldrausch der frühen Jahre erinnert. Sichtlich mit Stolz sangen die alaskischen Sängerinnen und Sänger »ihr« Lied. Auf Deutsch war »Verleih uns Frieden gnädiglich« in der Tonsetzung von Felix Mendelssohn Bartholdy zu hören. Danach folgten Stücke englischer und vorwiegend amerikanischer Komponisten. Zahlreiche von zeitgenössischen Komponisten, aber auch traditionelle Folksongs gestalteten den Abend abwechslungsreich. Gleichzeitig machte es deutlich, dass die amerikanische Chortradition, basierend auf der englischen, eine ganz eigenständige Musikauffassung hat.

Gut war das bei dem Stück »The Peacable Kingdom« von Randall Thompson zu hören. Wunderbar schwoll der Chor an, um dann wieder, wie bei einem Atemvorgang, leiser zu werden. Amerikanische Komponisten zeichnen sich durch einen freieren Umgang mit der Tradition aus. Sie zeigen sich offener und haben weniger Berührungsängste auch mit populären Einflüssen. Das setzt sie natürlich dem Vorwurf der Gefälligkeit aus, der nicht immer ganz von der Hand zu weisen ist, nimmt man zum Beispiel das von Eric Whitacre auf einem Text von Octavio Paz basierendee Stück »Water Night«. In seiner gefühlvollen Poetik muss dem Zuhörer das Stück gefallen und das macht es für an der europäischen Klassik geschultem Ohr zugleich verdächtig, zeigt es vielleicht zu wenig Intellekt und zu viel offensichtliches Gefühl.

An diesem Abend trafen die Neue Welt in Form des Chores aus Alaska und die Alte Welt in Form der spätbarocken Ausstattung der St.-Andreas-Kirche in wunderbarer und inspirierender Weise aufeinander. Dadurch wurde deutlich, dass es viele verschiedene Ausdrucksformen des Glaubens gibt und die Musik sie am Ende alle vereint. Neben einem poppigen Gospelsong sang der Anchorage Concert Chorus, der seit 1947 besteht, auch zwei traditionelle Volkslieder. Gerade das in den Staaten sehr bekannte »Cindy« riss das Publikum mit. Die beiden Pianistinnen begleiteten den Chor vierhändig auf dem Keyboard. Mit so viel begeisterndem Applaus hatte der Chor nicht gerechnet und war kurz in der Verlegenheit, dass man keine Noten für eine Zugabe hatte. Doch Dirigent Grant Cochran ließ zur Freude der Sängerinnen und Sänger und des Publikums noch einmal das Staatslied Alaskas erklingen. Das Konzert stellte einen gelungenen Auftakt zur Europa-Tournee des Chores dar, die ihn weiter nach Wien mit einem Auftritt im Stephansdom, nach Prag und nach Nürnberg führt.

Monsignore Dr. Thomas Frauenlob bedankte sich in einer auf Englisch gehaltenen kurzen Ansprache für das Geschenk, das der Chor der Pfarrgemeinde gemacht hatte. Damit ist ein lebendiger Startschuss für das Benefiz-Projekt der Renovierung der Orgel in der Stiftskirche gesetzt worden. Zweiter Bürgermeister Bartl Mittner überbrachte einen finanziellen Beitrag der Gemeinde für die Renovierung. »Doch ich sage es auf Deutsch, denn meine Englischkenntnisse gehen auf meine Schulzeit zurück und die ist schon zu lange her«, scherzte Mittner. Damit endete ein beeindruckender Chorabend in der angenehm kühlen Kirche. Christoph Merker