weather-image
24°

Singen, segnen, Spenden sammeln

4.0
4.0
Bildtext einblenden

Berchtesgaden – Die königlichen Gewänder sind angelegt, die Kinder sind in die Rollen von Kaspar, Melchior und Balthasar geschlüpft. Draußen hat es begonnen zu schneien, es ist frostig kalt. Für die Sternsinger stehen die Tage rund um den Dreikönigstag ganz im Zeichen des Spendensammelns. Dieses Jahr schickt die katholische Pfarrei St. Andreas vier Gruppen nach draußen. »Wir bräuchten aber elf Gruppen, um unser ganzes Gebiet abzudecken«, sagt Martina Bönsch, die die Kinder einweist und betreut.


Die Sternsinger sind für den guten Zweck unterwegs. Das betont man in der Pfarrei St. Andreas immer wieder. Die Sternsinger – das ist auch das Hilfswerk hinter der Aktion, das dafür Sorge trägt, dass die den Sternsingern anvertrauten Spenden über fachkundig begleitete Hilfsprojekte bedürftigen Kindern in der Welt zugutekommen. Dieses Jahr geht das Geld, das die zwölf Mädchen und Buben sammeln, nach Kenia, sagt der Berchtesgadener Kaplan Gerhard Wiesheu. Aufgeteilt sind die zwölf in vier Gruppen, jeweils Kaspar, Melchior und Balthasar.

Anzeige

»Für einen Sternträger hat es leider nicht gereicht«, sagt Martina Bönsch. Denn von Jahr zu Jahr werden es weniger Kinder, die im Berchtesgadener Talkessel als Sternsinger unterwegs sind. Was vielleicht auch daran liegen mag, dass die Kinder – zumindest offiziell – kein Geld für sich annehmen dürfen. Süßigkeiten sind erlaubt, Obst ebenso. Geldgeschenke aber nicht. Diese wandern direkt in die Kasse der Heiligen Drei Könige. Das Geld geht eins zu eins an das Kinderhilfswerk. »Der Gedanke dahinter ist, dass unsere Kinder, denen es gut geht, etwas für andere Kinder machen, die nicht alles haben«, sagt Kaplan Wiesheu.

Eineinhalb Tage singen

Früher waren so viele Kinder als Sternsinger in Berchtesgaden unterwegs, dass die Königsgewänder kaum ausreichten, die teils in mühsamer Handarbeit hergestellt worden waren. Das Gebiet, in dem sie von Haus zu Haus gehen, ist aber groß. Es beginnt in der Unterau und reicht bis in die Stanggaß nach Bischofswiesen. Die Königsseer Straße gehört ebenso dazu. Maria Gern auch. »Aber dort gibt es eigene Gruppen mit ausreichend Kindern«, sagt Bönsch. Eineinhalb Tage sind die Sternsinger, von denen es nach offiziellen Angaben 300 000 in ganz Deutschland gibt, unterwegs. »Eineinhalb Tage sind aber auch genug«, sagt Kaplan Gerhard Wiesheu. »Wir wollen sie ja nicht überlasten.« Denn die Kinder sind von in der Früh an unterwegs, zwischendrin kommen sie in das Pfarrheim zurück oder gehen zu den Eltern nach Hause, bekommen ein warmes Mittagessen, um dann abermals auszuschwärmen.

In den Tagen zuvor hatten die Gruppen viel miteinander geübt, vor allem aber alleine, denn die Lieder und Sprüche müssen sitzen, ehe sie vor den Haustüren der Berchtesgadener vorgetragen werden. Im Pfarrheimsaal dürfen deshalb alle Kinder nochmals gruppenweise proben, bevor sie um halb zehn ausschwärmen. Die Lieder sitzen schon ganz gut, die dritte Strophe sparen sich die meisten aber.

»Uns ist es schon öfter passiert, dass die Leute die Tür vor unserer Nase zugemacht haben, weil sie dachten, dass das Lied schon zu Ende ist«, sagt Blia Bönsch. Kaplan Gerhard Wiesheu war im vergangenen Jahr wieder verstärkt in den Schulen unterwegs und hat für die Sternsinger geworben. Denn das Nachwuchsproblem ist nicht neu. »Die meisten Kinder sind dann auch von der Idee angetan«, berichtet er. Diejenigen, die am Ende allerdings übrig bleiben, sind aber eine überschaubare Gruppe. »Es macht trotzdem einfach Spaß«, sagen sie übereinstimmend. Das Gruppengefühl schweißt zusammen. Wenn mal einer eine Textstelle vergisst, bekommt er vom Nebenmann einen Hinweis, hin und wieder einen kleinen Rempler. Etwa dann, wenn der Einsatz zu früh begonnen hat.

Ausreichend Kreide dabei

Martina Bönsch und Kaplan Wiesheu sorgen dafür, dass alle Gruppen ausreichend Kreide für die Haustüren dabei haben. Und Weihrauch. Und natürlich ein paar Tüten für die ganzen Süßigkeiten, die im Laufe eines Tages zusammenkommen. Bevor es losgeht, segnet der Kaplan nicht nur die mitgeführten Gegenstände, sondern auch die Sternsingergruppen. »Ihr seid unterwegs für eine große Mission und bringt den Segen des Jahres zu den Leuten nach Hause.« In einer der Gruppen sind Johannes Maltan, Lisa Hüttner und Blia Bönsch. Die Drei sind für den Markt Berchtesgaden eingeteilt. Auf engem Raum kommen hier zahlreiche Haus- und Wohnungstüren zusammen. Erfahrungsgemäß ist aber nicht jeder zu Hause, wenn die Sternsinger klingeln. Gleich am Anfang geht es über einen Hof zu einer rückwärtig gelegenen Haustür.

Johannes Maltan klingelt. Lange passiert nichts, dann öffnet sich die Haustür. Zwei Frauen stehen da, »so früh seid Ihr schon da, das ist ja schön«, freuen sie sich. Die Sternsinger singen gemeinsam, der Segen wird gesprochen. »Das habt Ihr sehr schön gemacht«, lautet das Lob. »Wartet mal, wir haben was für Euch.« Dann kommt die Frau, die gerade eben in ihrer Wohnung verschwunden ist, zurück, bringt eine Packung Schokobonbons und Gummibären. In die Kasse steckt sie 20 Euro.

Natürlich verewigen sich die Sternsinger auf der Haustür, ehe es weitergeht. Lisa Hüttner, die Kleinste der drei Sternsinger, ist zuständig für die Kasse und die Tüten mit den Geschenken. »Die bringen wir jetzt gleich zurück ins Pfarrheim«, lautet der Plan. Denn dorthin sollen sie nochmals, um Kaplan Gerhard Wiesheu abzuholen. Ein paar Stationen lang möchte er die Sternsinger begleiten. Er ist froh, dass er sie hat und dass sie sich so einbringen. Auch, wenn es keine finanzielle Belohnung für die Kinder gibt, lässt man sich im Pfarrheim jedes Jahr aufs Neue etwas einfallen, was man gemeinsam unternehmen kann. Im vergangenen Jahr waren die Sternsinger dann etwa beim Drachenbootfahren am Chiemsee. »Das war super.« Wohin es dieses Mal geht, steht aber noch nicht fest. Kilian Pfeiffer