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Skelett aus Höhle geborgen

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Dieser damals vermutlich zugeschneite Höhleneingang ist vor vielen Jahrzehnten einem Skitourengeher zum Verhängnis geworden. (Foto: privat)

Grödig – Höhlenretter aus Salzburg und Bayern, darunter auch der vom »Riesending«-Einsatz bekannte Berchtesgadener Bergwachtmann Stephan Bauhofer, haben in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch menschliche Überreste eines Skifahrers aus der Therion-Horre-Höhle in der Nähe der Schweigmühlalm am Untersberg-Weinsteig (Skiabfahrt) geborgen. Sie dürften 70 bis 80 Jahre im Berg auf rund 1 600 Metern Höhe gelegen sein.


Am Mittwochvormittag wurden die sterblichen Überreste des Skitourengehers mit dem Hubschrauber ins Tal nach Glanegg geflogen. Bei der Bergung präsentierte die Polizei einige Ausrüstungsteile. So wurden Reste eines Steigfells gefunden. Die Bindungsteile und der dicke Riemen könnten auch auf die Zeit deutlich vor den 1950er-Jahren hindeuten. In der Höhle wurden zwei Schuhe, Teile eines Skis und eines Stockes gefunden: »Es war ein genagelter Lederschuh mit dicken Zacken«, schilderte der Geologe und Höhlenforscher Georg Zagler, der den Toten am 19. Oktober entdeckt hatte. Zagler schätzt das Alter der Schuhe auf etwa 70 bis 80 Jahre. Der Ski war mit einer Riemenbindung ausgestattet.

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Die Therion-Horrer-Höhle war erst vor fünf Jahren entdeckt worden. Bei einer Befahrung vor gut zwei Wochen fand dann Georg Zagler mit einem Team zufällig die Knochen in 250 bis 300 Metern Tiefe. Nach etwa 50 Metern stieß er zunächst auf alte Ausrüstungsgegenstände und in weiterer Folge in etwa 250 Metern Tiefe auf Knochenteile. Er hielt sie zunächst für Tierknochen – doch dann tauchte auch die Skiausrüstung auf. Der Tourengeher dürfte in das Loch gefallen und rund 50 Meter abgestürzt sein, vermutet der Höhlenforscher: »Die Höhle hat oben eine leichte Schräglage, sodass es ihn vermutlich mehrmals überschlagen hat. Es ist anzunehmen, dass er auf der Stelle tot war.« In der Folge verweste der Tote. Schmelz- und Regenwasser rissen dann seine Knochen und die Ausrüstungsteile immer weiter in die Tiefe. Es wurden sicher nicht alle Knochen geborgen, sagte Polizei-Einsatzleiter Manfred Schwaiger.

Die Bergung dauerte rund einen Tag, weil die Einsatzkräfte tief absteigen mussten. Zudem wurde jede Fundstelle in der Höhe genau dokumentiert. Dienstag gegen 22 Uhr erreichte das Team wieder den Ausstieg der Höhle. Sie übernachteten dann in der Bergrettungs-Hütte auf der Schweigmühlalm. Von dort holte sie der Polizeihubschrauber Mittwochvormittag ab. Die sterblichen Überreste wurden in die Salzburger Gerichtsmedizin gebracht. Dort soll die Identität des Toten geklärt werden.

Am Untersberg werden noch immer einige Bergsteiger vermisst. Zuletzt verschwand im Januar 2012 ein Skitourengeher. Auch er dürfte in eine Doline im Berg gestürzt sein. fb

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