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Skeptischer Blick auf Hotelprojekte am Königssee

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Viele der beim Tourismusverein Schönau am Königssee Geehrten waren nicht anwesend. Dafür aber (v.l.) Tourismusdirektor Michael Grießer von der TRBK, Bürgermeister Stefan Kurz, Tourist-Info-Leitung Alexandra Baschek, der geehrte Alfred Zange, 1. Vorsitzende Gabi Springl und Maria Stanggassinger von der BGLT. Foto: Anzeiger/Voss

Schönau am Königssee - Bei der diesjährigen Jahresversammlung des Tourismusvereins Schönau am Königssee gab es jede Menge Wissenswertes über den Tourismus der Region zu erfahren. 1. Vorsitzende Gabi Springl freute sich über die zahlreich erschienenen Mitglieder und Ehrengäste, die am Donnerstag der Einladung in den Gasthof »Waldhauserbräu« gefolgt waren. Darunter befanden sich auch Vertreter der TRBK wie Vorsitzender Stefan Kurz und Tourismusdirektor Michael Grießer. Auch Birgit Gschoßmann vom Tourismusverein Ramsau ließ sich die interessanten Themen wie das Hotelprojekt am Königssee und die neue Imagemappe nicht entgehen.


Gabi Springl gab einen kurzen Überblick über die Übernachtungszahlen im Verbandsgebiet Berchtesgaden und Schönau am Königssee. »Mit einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 5,5 Tagen können wir in der Schönau ganz zufrieden sein.« Die Gästezahl und Übernachtungen seien leicht gestiegen, die Aufenthaltstage jedoch gesunken.

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Ein Highlight unter den Aktionen des letzten Jahres war nach den Worten der Vorsitzenden der Besuch der Reise- und Freizeitmesse »f.re.e« in München, bei der sich an jedem Tag ein anderer Verein des Berchtesgadener Talkessels präsentieren durfte. Gabi Springl zeigte sich begeistert von der Zusammenarbeit der hiesigen Tourismusleute: »So konnten wir uns Arbeit und Kosten für den Stand teilen und das Berchtesgadener Land perfekt präsentieren.« Aber auch die gemeinsamen Gastgeberstammtische und der »Runde Tisch Tourismus« machten das vergangene Jahr zu einem erfolgreichen. Gabi Springl erinnerte auch an die bevorstehenden Neuwahlen im Jahr 2014. Der Verein sucht wieder innovative und engagierte Ausschussmitglieder, die sich zur Wahl aufstellen lassen.

Allerdings gab es in diesem Jahr bereits Entwicklungen, die den Touristikern nicht sehr gut gefallen. Die Vorsitzende nutzte die Gelegenheit, um Position bei so manch kritischem Thema zu beziehen: »Wir als Verein mischen uns nicht in momentane Diskussionen um die Watzmann Therme ein. Wir denken, dass die Aufgabe der Aufklärung der Gastgeber und Bürger die Aufgabe der Politiker und abstimmenden Mitglieder des Ausschusses ist. Des Weiteren beteiligen wir uns grundsätzlich nicht an Leserbriefattacken mit Schuldzuweisungen. Davon möchten wir uns ganz klar distanzieren. Außerdem sprechen wir uns als Tourismusverein zwar ganz klar für mehr Hotels am Königssee aus, aber nicht um jeden Preis und an jedem Ort.« Hierzu äußerte sich Bürgermeister Stefan Kurz im Laufe des Abends.

Tourist-Info-Leiterin Alexandra Baschek erwähnte in ihrem Bericht, dass bei ihren Gästen die geführten Bartholomä-, Salet- und Jennerwanderungen am besten ankommen. Auch könnten sich die Gäste wieder auf das Programm »Musikalisch vom Frühling in den Bergsommer« freuen. Dabei spielt vom 26. Mai bis zum 26. Juli jeden Sonntag eine zünftige Musi auf den Almen in den heimischen Bergen.

Alexandra Baschek wies auch auf die neue Interessengemeinschaft »Gästeführer Berchtesgadener Land« hin, die den Besuchern interessante Führungen mit verschiedenen Themen anbietet. Auch die Tourist-Info-Leitung sei sehr zufrieden mit der guten Zusammenarbeit im Bereich Tourismus. Die gemeindeübergreifende enge Zusammenarbeit mache auch ein gutes Bild nach außen hin.

Anschließend ergriff Bürgermeister und TRBK-Vorsitzender Stefan Kurz das Wort. Er würdigte die zahlreichen positiven Veränderungen, die der Verein seit der letzten Wahl durchlaufen hat. Als Beispiel hierfür nannte er die Frühstückspost für die Gäste und die neue Imagemappe, die die heimische Region optimal präsentiere.

Nachdem er sich bei den Mitarbeitern der Tourist Infos bedankt hatte, die in der Hochsaison »einen Knochenjob leisten«, reagierte er auf die bestehende Skepsis des Vereins in Bezug auf neue Hotelbauten am Königssee. Denn neben dem geplanten Projekt an der Seelände interessiert sich eine Kette namens »Explorer-Hotels« für das Grundstück an der Wölflerwiese.

»Unser Bestreben ist, dass wir den Tourismus auch in Zukunft weiter betreiben können, und zwar so, dass wir damit leben können«, sagte Kurz. Dieses Ziel wolle man verfolgen, und es sei keineswegs der Fall, dass man »um jeden Preis« Hotels bauen wolle. Stefan Kurz versuchte, den Anwesenden einen Überblick über die Entwicklungen im Tourismus zu geben: »Wir haben in der Vergangenheit erheblich viele Betten verloren: Zwischen 1995 und 2011 waren es 5 000 Betten. Das sind quasi 600 000 Übernachtungen, die wir nicht mehr haben. Aber unsere ganze Region lebt vom Tourismus: Taxifahrer, Wirtshäuser, Geschäfte, alle. Darum brauchen wir neue Unterkünfte wie das Explorer- Hotel, das vorwiegend junge Leute anlockt - eine Zielgruppe, die wir bis jetzt nicht ansprechen.«

Auch zu der momentanen Diskussion um die Watzmann Therme hatte Stefan Kurz etwas beizutragen. Laut dem TRBK-Vorsitzenden kann zwar der normale Betrieb noch erwirtschaftet werden, jedoch die Pacht für die TRBK von 600 000 Euro nicht mehr. Eine Maßnahme, um die fehlenden Einnahmen zu decken, wäre zum einen eine Erhöhung des Kurbeitrags. Zum anderen müsste man »Gäste mit Kurkarte nicht mehr ganz umsonst mit dem Bus fahren lassen, sondern einen Euro verlangen«.

Zum Abschluss sprach Maria Stanggassinger von der BGLT über das Gastgeberverzeichnis und die verschiedenen Möglichkeiten zur Bewerbung des eigenen Betriebes. Zum Beispiel können sich Gastgeber auf der Facebookseite des Berchtesgadener Landes, aber auch in einer iPhone-Applikation präsentieren. Zudem gibt es eine neue Bilddatenbank mit Imagebildern von Berchtesgaden, die man sich kaufen und für die eigene Internetpräsenz verwenden kann. Maria Stanggassinger erinnerte auch an den nächsten Gastgeberstammtisch, der am 8. Mai im »Haus der Berge« stattfindet.

Freilich gab es auch Ehrungen auf der Jahreshauptversammlung. Auszeichnungen für 25-jährige Mitgliedschaft erhielten August Stengle, Alfred Zange, Alfred Kastner und Anna Lenz. Annabelle Voss