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Skibergsteiger Palzer und Snowboarderin Hofmeister holen die Titel

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Auszeichnung für zwei herausragende Athleten: Skibergsteiger Toni Palzer und Snowboarderin Ramona Hofmeister holten sich die von den »Anzeiger«-Lesern vergebenen Titel »Sportler des Jahres 2016«. Beide werden von der Familie Hettegger zu einem Essen ins Hotel »Edelweiß« eingeladen. Viele weitere Bilder gibt es unter www.berchtesgadener-anzeiger.de. (Foto: Waßmuth)

Berchtesgaden – Skibergsteiger Toni Palzer konnte seinen Titel als »Sportler des Jahres« erfolgreich verteidigen, für Snowboarderin Ramona Hofmeister, die die Auszeichnung bei den Damen bekam, war es dagegen der erste Titel dieser Art. Beide freuten sich am Donnerstag bei der großen Sportlerehrung im Kongresshaus Berchtesgaden riesig darüber, dass sie von den Lesern des »Berchtesgadener Anzeigers« die meisten Stimmen erhalten hatten. 37 erfolgreiche Athletinnen und Athleten aus den verschiedenen Sportvereinen, von Sportfördergruppe, Bundespolizei und CJD standen im Mittelpunkt des kurzweiligen Abends.


Ins Kongresshaus eingeladen hatten die fünf Talkessel-Gemeinden, die Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee, das CJD Berchtesgaden und der Olympiastützpunkt Regionalzentrum Chiemgau/Berchtesgadener Land. Die Moderation lag in den Händen von Gerhard »Willi« Willmann, der vom Königssee auch als Bahnsprecher bekannt ist, und von »Zeremonienmeister« Hartmut Karstens. Den von der Berchtesgadener Schnitzschule geschaffenen Watzmann-Ehrenpreis überreichten die Vertreter der Gemeinden: Bürgermeister Franz Rasp aus Berchtesgaden, Bürgermeister Thomas Weber aus Bischofswiesen, Bürgermeister Franz Halmich aus Marktschellenberg, 2. Bürgermeister Richard Lenz aus Schönau am Königssee und 2. Bürgermeister Rudi Fendt aus Ramsau.

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Toni Palzer will an den Strand

Freilich versuchte Moderater Willmann wieder, den Sportlern in kurzen Interviews die eine oder andere Anekdote zu entlocken. Das gelang bei dem einen besser, bei dem anderen weniger. Die große Zuschauerkulisse von rund 400 Gästen schüchterte viele Athleten aber ein wenig ein, sodass sie sich wenig auskunftsfreudig zeigten. Bei Toni Palzer war das nicht der Fall. Der Ramsauer freute sich wieder riesig über seine Wahl zum »Sportler des Jahres«. »Es ist eine große Ehre für mich, dass mich so viele Menschen gewählt haben«, sagte der Weltklasse-Skibergsteiger. Ganz im Stile eines Grammy-Gewinners dankte er seinen Eltern, seiner Freundin und der Bundeswehr-Sportfördergruppe. »Das ist die schönste Zeit in meinem Leben. Ich kann mich zu hundert Prozent auf das Skibergsteigen konzentrieren«, sagte Palzer, schränkte dann aber doch ein wenig ein: »Außer ich muss Holz machen.« Auf sein verändertes Outfit angesprochen, versicherte der Ramsauer: »Der Schnauzer bleibt jetzt weg.«

»Wenn man die Berge vor der Haustür hat, dann soll man sie auch nützen«, begründete Toni Palzer seine Leidenschaft für das Skibergsteigen. Die ist allerdings nun nach einem langen Winter mit 300 000 zurückgelegten Höhenmetern ein wenig eingeschränkt. »Ich kann meine Ski erst einmal nicht mehr sehen«, sagte der 22-Jährige und überlegte laut: »Vielleicht fahre ich an den Strand.«

Ramona Hofmeister: »Nie mit Wahl gerechnet«

»Überhaupt nicht gerechnet« hatte Snowboard-Juniorenweltmeisterin Ramona Hofmeister nach eigenen Worten mit der Wahl zur »Sportlerin des Jahres«. Sie hatte erst aus dem »Anzeiger« erfahren, dass sie zu den Nominierten gehörte. Ramona holte sich den Titel vor Skirennläuferin Kathrin Hirtl-Stanggaßinger, die den 2. Platz als »große Ehre« bezeichnete. »Ich habe ja noch Zeit, Sportlerin des Jahres zu werden«, sagte die junge Schönauerin, die Skeleton-Weltmeisterin Tina Hermann auf den 3. Platz verwies. Moderator Willmann sprach die Pferdenärrin Hirtl-Stanggaßinger auch auf die Idee an, für die Sportschule der Bundespolizei in Bad Endorf, wo die Schönauerin ausgebildet wird, ein Pferd anzuschaffen. Dagegen hätte sie wohl nichts einzuwenden, doch aus der Gaudi wird kaum Realität werden.

Bei den Herren holte sich wie im letzten Jahr der Untersteiner Bobpilot Johannes Lochner den 2. Platz vor den Doppel-Rennrodlern Tobias Wendl und Tobias Arlt, die sich mit Skirennläufer Klaus Brandner den 3. Platz teilten. Wendl bedankte sich bei den Berchtesgadenern für die Stimmen und versicherte, »dass wir Berchtesgaden auch weiterhin würdig in der Welt präsentieren werden«.

Gut aufgelegt zeigte sich an diesem Ehrungsabend Andi Birnbacher, der seine Biathlon-Karriere nach der Saison beendet hatte. »Wenn ich gewusst hätte, dass es zu Hause mit zwei Kindern viel anstrengender ist als im Biathlon-Wettkampfsport, dann hätte ich vielleicht weitergemacht«, scherzte der Priener. Ein Rücktritt vom Rücktritt sei nun aber nicht mehr möglich, sonst gebe es zu Hause Ärger.

Niklas Homberg: »Im Idealfall ganz nach oben«

Dass sich Biathlet Niklas Homberg die Ziele sehr hoch gesteckt hat, ließ er die Zuschauer an diesem Abend wissen. »Im Idealfall geht's ganz nach oben«, sagte er auf eine entsprechende Frage, dämpfte dann die Erwartungen aber ein wenig: »Es geht nicht immer so schnell, wie man möchte. Das hat man in dieser Saison gesehen.« Einen weiten Weg hat auch noch Nachwuchssnowboarder Elias Huber, Sohn von Extremkletterer Thomas Huber. In vier oder fünf Jahren will der Oberauer aber schon gerne im Weltcup mitfahren.

Auf die Frage nach einer sportlichen Schwäche fiel Rennrodel-As Felix Loch eine sofort ein: »Fußball, das kann ich nämlich überhaupt nicht.« Dafür ist Loch im Eiskanal kaum schlagbar, wie er bei der Heim-WM am Königssee bewiesen hat. »Hier war ich schon nervöser als bei anderen Rennen«, gestand er am Donnerstag, »denn eine WM zu Hause ist schon etwas Besonderes.« Ob der werdende Vater den Ratschlag Willmanns befolgen will, sich bei Andi Birnbacher Tipps in der Kindererziehung zu holen, ließ der Olympiasieger aber offen.

Schwimmtraining im Königssee

Sonderpreise gab es an diesem Abend schließlich noch für die Nachwuchsbiathletin Franziska Pfnür vom SK Ramsau, den Skirennläufer Jonas Stockinger vom CJD und den Master-Schwimmer Helmut Hertelendy aus Bischofswiesen. Die Preise überreichten CJD-Vorstand Hanswolf von Schleinitz und Bischofswiesens Bürgermeister Thomas Weber. Hertelendy, dreifacher Medaillengewinner bei Weltmeisterschaften, verriet den Zuhörern seine Philosophie beim Schwimmen im Freiwasser: »Man darf die Wellen nicht ignorieren, man muss mit ihnen sprechen.« Heuer will sich Hertelendy auf die Freiwasser-EM in Rijeka konzentrieren, dafür trainiert er auch im Königssee. Und für nächstes Jahr ist er zur Eisschwimm-Weltmeisterschaft eingeladen. Womöglich bietet sich da auch ein Training im Königssee an.

Thomas Höller präsentierte den Gästen an diesem Abend als willkommene Auflockerung mehrere Sportfilme. Bereits zu Beginn hatte Franz Rasp den Hintergrund dieses Ehrungsabends erläutert: »Wir wollen mit den Sportlern, die wir aus dem Fernsehen kennen, auch einmal persönlich ins Gespräch kommen. Und wir wollen damit unseren Stolz auf die sportlichen Leistungen unserer Athleten dokumentieren.« Ulli Kastner

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