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»So ein Krieg darf nie wiederkommen«

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Geburtstagskind Maria Schroffner mit Tochter Roswitha und Schwiegersohn Reinhold Jastrow. (Foto: Berwanger)

Bischofswiesen – Aufrecht sitzt Maria Schroffner in ihrem Rollstuhl, das fesche grüne Dirndl unterstreicht die lebhafte Art seiner Trägerin. Dass diese am 31. Mai ihren 100. Geburtstag feiert, mag man der Bischofswieserin kaum glauben. »Es waren schlimme Zeiten, aber es gab auch gute Zeiten«, blickt die alte Dame auf ihr wechselvolles Leben zurück. Soweit wie ihre Erinnerungen auch zurückreichen, freut sie sich doch auf ein nahes Ereignis: die Taufe des Ur-Enkelchens im Juni.


Maria Schroffner, geboren in Reichenhall, lebt seit neun Jahren im Seniorenzentrum »Insula«. Sie ist in Winkl mit sieben Geschwistern aufgewachsen. Zwei Brüder fielen im Krieg, der Jüngste nahm sich nach seiner Rückkehr infolge der schrecklichen Kriegserlebnisse das Leben. Auch Maria Schroffner hat noch intensive Erinnerungen an diese schlimme Zeit.

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Gemeinsam mit Tochter Roswitha und Schwiegersohn Reinhold Jastrow sitzt sie in ihrem Zimmer im Wohnbereich »Hoher Göll« und erzählt: »Ich sollte dann während des Krieges nach Warschau ins Lazarett, um dort zu helfen.« Im Zug nach Polen habe sich dann ein mitfahrender Oberarzt ihrer angenommen und so sei sie nach Krakau statt nach Warschau gekommen. Die Bilder schwerst verletzter junger Männer, die im Operationssaal nach ihren Müttern schrien, ist Maria Schroffner bis heute nicht losgeworden. »So ein Krieg darf nie wiederkommen«, sagt sie mit einem nachdenklichen Blick.

Ihre Augen strahlen wieder, als sie von einer denkwürdigen Begegnung mit keinem Geringeren als Franz Josef Strauß berichtet. Er war zu Gast bei einem nicht nur im Talkessel bekannten Mediziner, bei dem die Bischofswieserin als Arzthelferin arbeitete. Auch in dessen Familie integriert, kochte Maria Schroffner bei einem Besuch von Strauß so gut auf, dass sie dafür zu ihrer Überraschung den überschwänglichen Dank des auswärtigen Gastes genießen durfte. »Es waren doch auch schöne Zeiten dabei«, seufzt sie mit einem fast etwas erstaunten Lächeln und nippt an einem Gläschen Sekt. Erinnerungen an »das schöne Theater in Krakau« blitzen jetzt in der alten Dame auf. Und voller Stolz erzählt sie, dass sie »immer schon« den »Berchtesgadener Anzeiger« lese. Von dem ihrem Umzug in die »Insula« vorausgegangenen Schlaganfall ist Maria Schroffner kaum etwas anzumerken. Sie, die daheim immer als das Kränklichste aller acht Kinder galt, erfreut sich mit 100 Jahren erstaunlich guter geistiger und körperlicher Gesundheit. Ina Berwanger