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Soldat als Babysitter überfordert

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Drei Monate Haft auf Bewährung erhielt am Landesgericht Salzburg ein Bundeswehrsoldat, weil er sein Baby geschüttelt, fallen gelassen und damit schwer verletzt hat. Foto: Anzeiger/Hudelist

Salzburg – Der angeklagte Zeitsoldat ist stolzer Vater eines zwei Monate alten Buben. Am Abend des 18. Februar war er allerdings mit dem Schreien des Babys nach eigener Aussage überfordert. Der 31-Jährige soll den Säugling so stark geschüttelt haben, dass ihm das Baby schließlich aus der Hand gleitet, es soll dabei auf die Kante eines Tisches und anschließend auf den Boden geprallt sein. Das Baby lag einen Monat auf der Intensivstation, überlebte aber ohne bleibende Schäden. Die Staatsanwaltschaft sieht in der schweren Körperverletzung eine Absicht, dies lässt sich jedoch nicht nachweisen. Das Urteil: drei Monate Haft auf Bewährung und 5 000 Euro Schmerzensgeld. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.


Der 31-jährige Deutsche ist in einer Kaserne im Berchtesgadener Land stationiert. Mit seiner damaligen Lebensgefährtin in Niederalm hat er ein gemeinsames Kind. Am Abend des 18. Februar verließ die Mutter die Wohnung, um mit ihrer Freundin ein Lokal für die bevorstehende Taufe des Kindes anzusehen. Der Angeklagte passte auf die insgesamt vier Kinder auf.

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Was dann passierte, schilderte der Angeklagte bei Gericht anders als bei der Polizei und gegenüber der Mutter. Seiner Lebensgefährtin erzählte er, dass das Kind geschrien habe, er es daraufhin auf dem Arm hatte, um es zu beruhigen. Und dabei über einen Couch-Tisch gestolpert sei. Dabei sei ihm das Kind aus dem linken Arm gelitten. Vor Gericht zeigte sich der Angeklagte geständig und gab zu, das Baby wegen des Schreiens so heftig geschüttelt zu haben, dass es ihm schließlich entglitten sei. Dabei muss es vor dem Aufprall auf dem Boden auch noch auf einer Tischkante angestoßen sein. »Es tut mir sehr leid, ich schäme mich dafür, dass mir so was passiert ist«, so der Vater. Er sei schlichtweg überfordert gewesen, zudem sei er selbst krank gewesen und habe Medikamente genommen, was möglichweise zu seiner leichten Erregbarkeit beigetragen habe.

Bei dem Sturz zog sich der Säugling eine Schädelfraktur zu, wegen des heftigen Schüttelns zudem Blutungen über und unter der festen Hirnhaut sowie Augenhintergrundblutungen. Als die Mutter des Babys nach Hause kam und die Verletzung entdeckte, fuhr sie mit dem Sohn sofort in die Kinderchirurgie des Landeskrankenhauses.

Die Mutter schilderte vor Gericht, dass der Angeklagte immer liebevoll zu den Kindern gewesen sei. Beim Umgang mit dem Baby sei ihr nur aufgefallen, dass er immer etwas nervös wurde, wenn er es nicht schaffte, das Kind zu beruhigen. Nachbarn der Mutter schilderten vor Gericht, dass sie kein schreiendes, sondern ein »quengelndes Baby« gehört hätten und einen lauten Vater, der immer wieder »hör jetzt endlich auf, es reicht« geschrieben haben soll.

Die Anklage ging von einer absichtlichen Körperverletzung aus, die Staatsanwältin glaubte, dass das Baby dem Vater nicht entglitten sei, sondern er es absichtlich gegen einen Gegenstand gestoßen habe. Gerichtsmedizinerin Edith Tutsch-Bauer schilderte in ihrem Gutachten allerdings, dass die Verletzungen des Babys darauf schließen lassen, dass es sich so zugetragen hat, wie vom Angeklagten geschildert. Eine Absicht könne sie nicht eindeutig feststellen. Ihrer Meinung nach müsse aber jedem Laien klar sein, dass Schütteln zu Verletzungen bei einem Baby führen kann.

Das Gericht verurteilte den Soldaten zu drei Monaten auf Bewährung. Zusätzlich muss er 5 000 Euro Schmerzensgeld für sein verletztes Kind zahlen. »Die Absicht war nicht zu beweisen«, begründete Richter Roland Finster das milde Urteil. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Verteidiger des Anwaltes hatte in seinem Plädoyer auch davon gesprochen, dass der Angeklagte bei einer Verurteilung wegen Körperverletzung ohnehin automatisch seinen Job verlieren würde. Dies stimmt nach Rückfrage bei der Bundeswehr-Division in Würzburg so nicht, vielmehr werde jeder Einzelfall genau geprüft. Michael Hudelist