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Sondereinsatzkommando gegen Kamikaze-Käfer

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Da ist der Käfer: Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller (r.) und Forstwirtschaftsmeister Franz Leitner lokalisieren die beschädigten Bäume auf dem Untersberg. (Fotos: Fischer)
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Transparenz dank »Trimble«: Mit diesem GPS-gestützten Gerät werden vom Borkenkäfer befallene Bäume kartografiert.

Berchtesgaden – Sie ist eine Eliteeinheit. So eine Art Special Forces des Forstes. Top ausgebildet, erfahren und hart im Nehmen. Ausgerüstet mit modernster Technologie kämpft sie gegen einen altbekannten Gegner: den Borkenkäfer. Der Task Force der Bayerischen Staatsforsten gehören auch Experten des Forstbetriebes Berchtesgaden an.


Einer der Berchtesgadener Borkenkäfer-Kenner ist Forstwirtschaftsmeister Franz Leitner. »Ein Top-Mann«, sagt sein Chef Dr. Daniel Müller. Für die Task Force ist Leitner regelmäßig unterwegs. Auch in schwierigstem Gelände. Immer mit dabei: sein Assistent namens »Trimble«. Mit diesem digitalen, GPS-gestützten Gerät, das ausschaut wie ein Smartphone, werden die Standorte befallener Bäume kartografiert. 40 Borkenkäfer-Suchbezirke gibt es im Forstbetrieb Berchtesgaden.

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»Das ist eine sehr gute Technik«, freut sich Daniel Müller. Entscheidend sei aber die Fachkenntnis der Benutzer. Denn, wenn es um das Erkennen vom Borkenkäfer befallener Bäume geht, müsse man Einiges draufhaben. Und auch körperlich fit sein.

Wo hat sich der Käfer eingebohrt?

Wenn Franz Leitner in seinem Bezirk unterwegs ist, interessiert ihn nur eine Frage: Wo hat sich der Käfer eingebohrt? Um sie zu beantworten, achtet der Experte auf Indizien, die für Laien schon fast esoterisch klingen. »Die Nadeln einer gesunden Fichte haben ein sattes Grün«, erklärt Leitner. »Bei Borkenkäferbefall werden sie graugrün. Und wenn sie rot sind, dann ist es zu spät.«

Verdächtig ist es auch, wenn Nadeln um den Stamm herum liegen. Ein sicherer Hinweis auf den Borkenkäfer ist Bohrmehl auf dem Boden. Ebenfalls fragwürdig: braune Brösel unter den Rindenschuppen. Oder, wenn ein Specht einen Baum bearbeitet. Franz Leitner – und das ist schon fast unheimlich – kann Borkenkäfer förmlich riechen. »Ein befallener Baum hat irgendwie so einen süßlichen Geruch«, sagt er.

Hat der Forstwirtschaftsmeister schadhafte Bäume entdeckt, zückt er »Trimble« und markiert die Stelle auf der digitalen Karte mit einem roten Punkt. Dieser bekommt dann eine Nummer zugewiesen. Jeder einzelne Schadensfall wird mit einem Kommentar versehen. Darin enthalten: die genaue Baum- und Festmeterzahl, der Zustand der Pflanze, zum Beispiel »Neubefall« oder »Windwurf«, und die empfohlene Art der Beseitigung, beispielsweise per Harvester oder Hubschrauber. Ebenfalls vermerkt in der Datei ist die genaue Art des Borkenkäfers, von denen es übrigens Hunderte Verschiedene gibt. »Bei uns kommen jedoch fast ausschließlich Buchdrucker und Kupferstecher vor«, erklärt Dr. Müller.

»Auch der Borkenkäfer gehört zum Ökosystem«

Wenn der Forstbetriebsleiter und sein Mitarbeiter Franz Leitner über Borkenkäfer sprechen, dann tun sie das mit Respekt. »Jedes Geschöpf darf da sein. Auch der Borkenkäfer gehört zum Ökosystem Wald«, lautet Müllers Philosophie. Nur zu viele dürfen es nicht werden. Aber warum? Wieso ist dieser Käfer so gefährlich für die Bäume?

»In der Regel sucht sich der Borkenkäfer geschädigte Bäume aus und legt seine Eier unter der Rinde ab«, erklärt der Forstchef. Geschädigte Bäume deshalb, weil die sich nicht mehr mit Harz gegen die Eindringlinge wehren können. Gibt es aber nicht genug geschwächte Bäume, dann sind die gesunden dran. In einer Art Kamikaze-Taktik bohren sich einige Käfer in den Baum und sondern dabei einen Duftstoff ab, um ihre Kollegen anzulocken. Dann stirbt die Vorhut. »Irgendwann geht dem Baum das Harz aus. Dann ist es vorbei«, weiß Leitner.

Das Programm »Mobile Forst«

Dann bekommt der Baum einen roten Punkt auf dem »Trimble«. Die mit den insgesamt zwölf mobilen Geräten erfassten Daten sammelt die hauseigene Servicestelle. Deren Leiter Robert Fuss wertet sie aus und überträgt sie in eine Excel-Tabelle.

Schließlich werden geeignete Maßnahmen veranlasst und entschieden, ob sie eigene Mitarbeiter ausführen oder Firmen damit beauftragt werden. Über das Programm »Mobile Forst« hat jeder Forstmitarbeiter Zugriff auf die Daten. Christian Fischer