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Sonn- und Feiertags-Tristesse am Urlaubssee

Schönau am Königssee - Tausende Urlauber besuchten um Weihnachten und Neujahr wieder den Königssee. Die Geschäfte dort blieben aber heuer an den Sonn- und Feiertagen größtenteils geschlossen, weil es das Gesetz so verlangt. Und die Besucher waren verärgert. Zwar fuhren viele mit den Booten über den See, doch in der Seestraße blieb es an vielen Tagen ziemlich trostlos.

Tausende waren zwischen Weihnachten und Neujahr zu Besuch am Königssee. Einkaufen war jedoch sonn- und feiertags nur stark eingeschränkt möglich. Anzeiger-Fotos
Zahlreiche Tagesausflügler kommen dieser Tage mit Bussen an den Königssee.
Die Türen bleiben sonntags geschlossen. Besucher sind verärgert.
Kalender, Postkarten, Kitsch dürfen weiterhin verkauft werden - auch sonn- und feiertags.
»Vielleicht kommt unsere Bayerische Staatsregierung noch zu der Erkenntnis, dass sich die Ansprüche der Touristen in den letzten 55 Jahren geändert haben.«

Die Frau aus Thüringen friert. Sie steht vor einem Sportladen in der Seestraße. »Ich wollte eine Mütze kaufen«, sagt sie. Das kann sie aber nicht. Denn es ist Sonntag. Die Geschäfte haben geschlossen. Verärgert schüttelt sie den Kopf. Der Ehemann ist sauer: »Jetzt sind wir hier und es wirkt wie in einer verlassenen Stadt.«

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Wer dieser Tage an den Königssee kommt, muss mit geschlossenen Läden rechnen. Seit Oktober dürfen an Sonn- und Feiertagen rund um den bei Urlaubern so beliebten See viele Geschäfte nicht mehr geöffnet haben. Weil das Warenangebot nicht den Vorgaben entspricht. Die Verordnung dafür stammt aus dem Jahr 1956. Sportartikel sind nicht erlaubt - bis auf Badegegenstände. Milchprodukte dürfen verkauft werden, Lederhosen aber nur dann, wenn ein Gruß vom Königssee eingestickt ist. Nur Souvenirs sind uneingeschränkt erhältlich: Postkarten, Anhänger, Kalender. Aber allein deshalb den Königssee besuchen?

Die Frau aus Thüringen sagt, dass sie hier sei, um über den See zu fahren. »Aber natürlich wollten wir uns auch die Geschäfte anschauen.« Viel sieht sie nicht. Nur Schaufenster mit ausgestellter Ware. Die Türen bleiben geschlossen. In jedem der Geschäfte wurden Zettel aufgehängt. Um Besucher über die aktuelle Situation aufzuklären: »Anders als die letzten 50 Jahre dürfen wir ab sofort nicht mehr an Sonn- und Feiertagen für Sie geöffnet haben«, steht dort.

Die Geschäftsleute vom Königssee sind unzufrieden, fordern eine Überarbeitung: »Vielleicht kommt unsere Bayerische Staatsregierung noch zu der Erkenntnis, dass sich die Ansprüche der Touristen in den letzten 55 Jahren geändert haben und passt den Warenkatalog dementsprechend an. Die Möglichkeit dazu hat sie!« Einige Ladeninhaber haben die Anordnung der Betriebsschließung an Sonn- und Feiertagen ausgehängt, die das Landratsamt Berchtesgadener Land Mitte Dezember verschickt hatte. »Sollten Sie entgegen der bestandskräftigen Entscheidung Ihre Verkaufsstelle am Königssee weiterhin (…) offen halten und Waren zum Verkauf anbieten, wird das (…) angedrohte Zwangsgeld in Höhe von 2 500 Euro zur Zahlung fällig«, heißt es dort.

Die Seestraße ist an diesem Sonntag, einen Tag vor Silvester, gerammelt voll. Dicht an dicht drängen sich die Fußgänger. Viele bleiben vor den Schaufenstern stehen, lesen besagten Aushang, wundern sich. »Ich dachte, wir seien im 21. Jahrhundert angekommen«, sagt Ralph Wert, ein Tagesbesucher, der zum ersten Mal im Berchtesgadener Land ist. Ein wenig fühlt er sich veräppelt. »Hier wirkt ja alles tot.« Nicht gerade einladend sei das, konstatiert dessen Reiseleiterin. Für das Busunternehmen, mit dem sie unterwegs sind, verliere der Königssee an Attraktivität. »Es gibt Orte, in denen sonntags die Läden geöffnet haben«, weiß die Reiseleiterin. Die Ansage ist klar: Wenn auf Dauer nichts passiert, werden Busunternehmen mit Tagesgästen an Sonn- und Feiertagen andere Ausflugsziele ansteuern.

Aber nicht alle Urlaubsgäste stört die aufgeräumt wirkende Seestraße. Eine Reichenhallerin ist nur zum Spazieren gekommen. »Ich könnte ja auch unter der Woche herfahren«, sagt sie. »Kaufen wollte ich sowieso nichts«, meint hingegen Anneliese Brenneck aus der Nähe von Berlin. Trotzdem befürwortet sie, dass jeder Geschäftsinhaber selbst entscheiden solle, ob er sonntags aufsperren möchte oder nicht. »Die wenigen Souvenirläden sind doch uninteressant.«

In der Tat haben nicht mehr als eine Handvoll Geschäfte offen. Vor allem sind das Buden, an denen man essen und trinken kann. Es gibt Glühwein, belegte Semmeln, ein Bäcker verkauft Brot und Brezen, die Lokale vor Ort sind gerammelt voll. »Wenigstens kann man was essen und was trinken«, sagt Björn Kahler. Aber das reicht den Gästen nicht. Sie drücken sich die Nasen an den Schaufenstern platt. »Dann eben nicht«, sagt eine ältere Dame bissig, macht kehrt und spaziert in Richtung Parkplatz zurück.

Dort herrscht Ausnahmezustand: Der Großparkplatz ist voll. Das Angebot am See bleibt aber überschaubar. »Mal sehen, wie lange die Gäste noch kommen«, so ein Spaziergänger zum »Berchtesgadener Anzeiger«. Die Problematik beschäftigte ihn aber nur am Rande, denn er ist wegen der Kunsteisbahn zum Königssee gekommen. kp