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Sonne, Pulverschnee und unberührte Winteridylle

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Startend am Ahornkaser, genoss die Gruppe der Acht-Stunden-Wanderung am späten Vormittag bei besten Bedingungen die Berchtesgadener Bergwelt. Weitere Bilder unter www.berchtesgadener-anzeiger.de. (Fotos: Mergenthal)

Berchtesgaden – Sanft schreiten, ja gleiten wir im butterweichen Pulverschnee dahin. Die Schneekristalle im endlosen Weiß der Bergwiese glitzern. Vor uns bäumt sich gewaltig das Felsmassiv des Hohen Göll auf. Wie Zwerge wirken wir Schneeschuhwanderer der achtstündigen Roßfeld-Panorama-Wanderung vor dieser alpinen Majestät. Wir, das sind knapp 45 der insgesamt etwa 150 Teilnehmer des 7. Berchtesgadener Land Winter-Outdoor-Festivals. Mit meiner schneebegeisterten, bereits zwölfjährigen Schäferhündin Zira bin ich mit von der Partie.


Bereits um 7 Uhr früh haben sich bei besten Bedingungen die knapp 70 Teilnehmer der Zwölf-Stunden-Kehlstein-Panoramawanderung auf den Weg gemacht. Unser Bus startet um 11 Uhr am »Base-Camp« im »Explorer Hotel« in Schönau am Königssee und bringt uns auf der legendären Roßfeld-Panoramastraße bis zum Ahornkaser. Dank Föhn sind auch die Salzburger Berge und der Dachstein zum Greifen nah. Bei leichten Plusgraden in der Sonne ist es angenehm warm. »Wo ist hier der Watzmann?«, fragen einige. Sie müssen sich noch ein bisschen gedulden.

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»Master-Guide« Max Seidl erklärt zunächst, wie die Schneeschuhe richtig angelegt werden – die Schnallen sollen außen sein – und erklärt bei kurzen Stopps mit Hilfe seiner Stöcke immer wieder die verschiedenen Berge. Vergangene Woche hat er die knapp 20 Kilometer mit 470 Höhenmetern gespurt, doch inzwischen hat es drüber geschneit, und er muss eine neue Spur anlegen. »Ich finde es schön, wenn ich einmal nicht spuren muss«, zeigt sich Monika aus Rosenheim erleichtert. Dies bleibt ihr bei Touren mit ihrem Freund oder Bekannten, die fast alle Skitourengeher sind, nicht erspart, wenn sie nicht die Spur der Skibergsteiger zerstören möchte.

Steffi aus Olching und Tatjana aus Freising haben sich beim Deutschen Alpenverein beim Wandern kennengelernt. Ihre dritte DAV-Freundin, ein unverwüstliches Energiebündel, ist bei der Zwölf-Stunden-Tour dabei. Beide haben erst heuer mit dem Schneeschuhgehen angefangen. »Da kann man im Winter auch rausgehen«, freut sich Tatjana. »Diese unberührte Landschaft ist schon schön, grad bei so einem Wetter wie heute«, schwärmt Steffi. Beide sind schon sehr gespannt auf das Panorama, weil sie zum ersten Mal in Berchtesgaden sind.

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Schritt für Schritt ging es durch den tief verschneiten Winterwald.

Eine kürzere Anfahrt hatte Elke aus Burgkirchen mit ihrer Tochter Hanna, die mit ihren 13 Jahren tapfer die Hälfte der Tour bis zur Einkehr auf der Scharitzkehl-Alm mitgeht. Hanna ist trotz der Plackerei begeistert. »Nur bergauf ist es ein bisserl anstrengend.« Den stärkenden Eintopf auf der Alm müssen wir uns redlich verdienen. Die ersten zehn Kilometer gehen wir immer am Fuß des Hohen Göll und des Kehlstein entlang, mal bergauf, mal bergab. Nach der Enzianhütte, den Winterwunderwald-Impressionen im »Ofner Boden« und dem Weg entlang der Salzwand mit seinen traumhaften Ausblicken über den gesamten Berchtesgadener Talkessel genießen wir die Idylle der Ligeret-Alm mit dem Watzmann im Hintergrund und ihrem Almkreuz. Der Pulverschnee ist inzwischen Pappschnee geworden. Die letzte halbe Stunde bis Scharitzkehl zieht sich. Peter Malcher als Schlusslicht schaut, dass keiner verloren geht.

In der warmen Gaststube servieren Theresa Eggersdorfer und Kathi Aigner vom Outdoor-Club Berchtesgaden, der das Festival zum zweiten Mal als reines Schneeschuhfestival organisierte, heißen Eintopf. Danach ist es noch eine Stunde, vorbei an schönen alten Holzhäusern, bis zur letzten Labestation in Vorderbrand. Hier freuen sich alle über den Tee, Kaffee und Kuchen von Kathi und Theresa. »Das ist die Erfahrung vom Sommer. Uns war wichtig, dass es hier nochmal was Warmes gibt«, erklärt Theresa, die Chef-Koordinatorin des Festivals. Etwa 60 Prozent des sommerlichen Berchtesgadener Wanderfestivals sind auch im Winter dabei.

In Vorderbrand werden vorsorglich die Stirnlampen getestet, die für den Abstieg über die Skipiste nach Königssee nötig sind. Für Zira und mich ist die Wanderung hier zu Ende, denn der betagten Hündin möchte ich nicht zu viel zumuten. Im »Explorer Hotel« wird schon alles für den Empfang der Wanderer gegen 20 Uhr vorbereitet. Am Parkplatz werden Fackeln entzündet, und mit Karin Mergner von der BGLT öffnet Bergführer Toni Grassl, Leiter des Outdoor-Clubs, die »Finisher-Bier«-Flaschen. Endlich ist es soweit. Ausgepowert, aber mit leuchtenden Augen ziehen die Wanderer, mit ihren Schneeschuhen am Rucksack, durch den Zielbogen am Hoteleingang ein, zum Lied »Ein Hoch auf uns« von Andreas Bourani. Toni Grassl gratuliert jedem mit Handschlag.

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Die Reporterin mit Schäferhündin Zira, die sich mit ihren zwölf Jahren wacker schlug, auf der Ligeret-Alm.

Eine Viertelstunde nach den Acht-Stunden-Genusswanderern treffen dann auch die Zwölf-Stunden-Draufgänger ein. Tourguide Eddy Balduin freut sich mit ihnen, ebenso wie Willi Wiebel, der die abschließende Vier-Stunden-Tour am Jenner am Sonntag leitet. Zum Pastabuffet spielt Klaus Mehlig aus Ainring Kulthits wie »Skifoan« von Wolfgang Ambros oder »Bad Moon Rising« von CCR. Mit einer Urkunde wird jeder Teilnehmer geehrt.

Bewegt wie viele andere von diesen Momenten ist auch Martina aus München, die durch Rennradfahren im Sommer eine gute Grundkondition mitbringt. »Ich fand die Tour heute sehr angenehm. Die Leute waren nett. Alles war sehr gut organisiert. Es war ein wertvoller Tag.« Sie wird nicht die Einzige sein, die wieder kommt.