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Sonne statt Frau Holle

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Kein seltener Anblick in diesem Winter: Die Rodel des Hirscheckblitz verweilen im Lager.
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Der Streusalzverbrauch sank mit 90 statt 150 Tonnen ähnlich wie die Schneepflugstunden: Rudi Brandner (l.) und Stefan Reiß von der Gemeinde Marktschellenberg. Fotos: Anzeiger/Scheidsach

Berchtesgaden – Der Winter 2013/2014 war der viertwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Pisten blieben grün, über den Bergen schien die Sonne und die Straßen wurden von Schnee und Eis verschont. Gerade die schnee- und touristenabhängigen Geschäfte hatten mit dem Schneemangel zu kämpfen. Andere dagegen profitierten von den außergewöhnlich warmen Temperaturen. Im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« zogen einheimische Betriebe Winterbilanz.


Die Bedingungen für einen erfolgreichen Winter wurden am Hochschwarzeck vor Saisonbeginn geschaffen: Die Rodelbahn »Hirscheckblitz« wurde mit über 100 neuen Holzschlitten ausgestattet und die Angestellten präparierten die Pisten mit Fangnetzen und Warnschildern so sicher wie möglich. Jetzt fehlte nur noch der Schnee – aber der blieb die meiste Zeit über aus. Ein Bahnbetrieb konnte dadurch nur dank der Unterstützung von freiwilligen Helfern und der in diesem Jahr erstmals eingesetzten Beschneiungsanlage gewährleistet werden. »Solche Verhältnisse wie in diesem Jahr bezeichne ich nicht als Winter«, erklärte Christian Riel, Geschäftsführer der Hochschwarzeckbahn. Selbst die Faschingsferien, die im letzten Jahr noch einen Großteil der Einnahmen sicherstellten, blieben erfolglos. Diese waren im März aber auch verhältnismäßig spät angesetzt. »Um diese Zeit sieht man doch schon mehr Radel- als Schlittenfahrer«, beklagte Riel. Ohnehin retteten die flexiblen Öffnungszeiten und die Rodelbahn den diesjährigen Winter, denn lediglich an acht Tagen wurden am Hochschwarzeck die Skipisten befahren. Zwar sollte man das ganze »nicht zu sehr dramatisieren«, allerdings sei eine ähnlich schwache Saison für das Ramsauer Skigebiet »wirtschaftlich nicht noch einmal möglich«, denn im Fünfjahresschnitt »zeichnet sich heuer über 60 Prozent weniger Geschäft ab«, sagte Riel.

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Heinz Babel, vom Intersport Babel aus Berchtesgaden, ist trotz der schwachen vierten Jahreszeit zufrieden. Zwar ging der Absatz an Alpinen-Ski deutlich zurück, dagegen fanden Freerideski vor allem bei Jugendlichen immer größere Beliebtheit und das Touren-Ski-Geschäft boomte auch diese Saison. Bedeutend für das Wintergeschäft war der frühe Schneefall im November, der bei vielen Wintersportlern Hoffnungen auf eine schneereiche Saison weckte, sich später allerdings als Eintagsfliege entpuppte. Daher richteten die Kunden schon früh ein Auge auf neue Sommerkollektionen, wodurch der Winter ab März langsam in das Lager verschwand und Bergsteiger-Ausrüstung die Regale füllt.

Auch das Hotel »Zechmeisterlehen« wusste mit dem Schneemangel umzugehen. »Weniger Gäste gab es im Vergleich zu den Vorjahren nicht. Sie hatten sich zwar mehr Schnee erhofft, durch die vielen Sonnenstrahlen waren sie aber trotzdem sehr zufrieden«, verriet Geschäftsführer Hans-Michael Angerer. Statt Skifahren stand bei den Gästen des Schönauer Hotels Wandern, Langlaufen oder Entspannung im Wellness-Bereich auf dem Tagesplan. Einige Gäste nahmen auch die Fahrt zu einem höher gelegenen Skigebiet in Kauf. Trotzdem mahnt Angerer, dass bei weiteren schneelosen Wintern »das Berchtesgadener Land nicht weiter als alpiner Skiort beworben werden kann«.

Bei den Bauunternehmern dürfte der Großteil mit den Wetterbedingungen zufrieden gewesen sein. So wurden die Arbeiten nicht wie geplant bis Frühlingsanfang, sondern nur bis Februar auf Eis gelegt.

Der Bauhof Bischofswiesen profitierte ebenfalls von den hohen Temperaturen: Geschäftsleiter Rupert Walch bestätigt einen wesentlich niedrigeren Streusalz-Verschleiß. Aufgrund der fehlenden längeren Kälteperioden war der Salzverbrauch zwar »nicht so wenig wie erwartet«, mit 400 statt 600 Tonnen aber ein Drittel niedriger als in den üblichen Wintern. Die Schneepflugstunden sanken ebenfalls erheblich, Einsatzzeiten entstanden fast ausschließlich durch Streudienstfahrten. Beni Scheidsach