weather-image
18°

Spannender Arbeitsplatz im Keller

4.7
4.7
Bildtext einblenden
Michael Schwaiger (M.) versah in der Gemeinde Schönau am Königssee 25 Jahre lang die Arbeit des Archivars. Seine Nachfolge trat der langjährige Gemeindekämmerer Erhard Moldan (l.) an. Bürgermeister Hannes Rasp (r.) freut sich, dass der Wechsel so reibungslos vonstatten gegangen ist. Foto: Gemeinde Schönau am Königssee

Schönau am Königssee – Die Geschichte der Gemeinde Schönau am Königssee liegt bereits seit einigen Monaten in den Händen von Erhard Moldan. Der frühere Gemeindekämmerer beerbte als Archivar Michael Schwaiger, der 25 Jahre lang die historischen Unterlagen der Gemeinde im Keller des Rathauses gepflegt und sortiert hatte. Schwaiger, der heute seinen 86. Geburtstag feiert, trat das Ehrenamt aus Altersgründen ab.


Im Jahr 1984 fand das Archiv der Gemeinde Schönau am Königssee im Keller des Rathauses Platz. Davor hatten die Unterlagen relativ ungeordnet am Dachboden des Kindergartens vor sich hingedümpelt. Als erster Archivar sorgte Adam Maltan für Ordnung unter den Akten und Schriftstücken. Nach dessen überraschendem Tod im Jahr 1989 übernahm Hans Metzenleitner das Archiv und gab es schon drei Jahre später an Michael Schwaiger weiter. 25 Jahre lang versah der ehemalige Zweite Bürgermeister der Gemeinde Schönau am Königssee mit großer Leidenschaft und höchster Akribie die Arbeit des Gemeinde-Archivars. Doch in der letzten Zeit hat den 86-Jährigen, der heute Geburtstag feiert, die Archivarbeit immer mehr angestrengt und so übergab er sein Archiv dem langjährigen Kämmerer Erhard Moldan.

Anzeige

Ungezählte Stunden hat Moldan seit seinem Amtsantritt im Sommer schon im Keller verbracht, um das Archiv noch übersichtlicher zu gestalten. »Alles zu digitalisieren ist ganz einfach nicht möglich, aber mit meinem System wird es leichter sein, nach Schriftstücken in geschätzten 4 000 Ordnern und ungezählten Aufzeichnungen, Werken und Büchern seit dem Jahr 1817 zu suchen«, erklärt der Archivar, dem seine neue Aufgabe Riesenspaß macht. Schließlich hatte Moldan ja auch in den letzten 17 Jahren als Kämmerer sehr viel mit Gemeindegeschichte, Zahlen und Fakten zu schaffen.

Die im Archiv aufbewahrten Gemeinderatsbeschlüsse reichen bis ins Jahr 1819 zurück. Das älteste Schriftstück ist der Erbrechtsbrief vom Mooslehen aus dem Jahr 1492. Nicht ohne Stolz verweist Moldan auch auf die lückenlosen Bände des Berchtesgadener Heimatkalenders seit 1984. Alles was in diesem jährlich erscheinenden Nachschlagewerk niedergeschrieben ist, hat Moldan in ein Stichwortverzeichnis digitalisiert. So erspart man sich mühevolles Suchen und kann auf Knopfdruck zur richtigen Seite des jeweiligen Jahrgangs gelangen.

Moldan verfasste in akribischer Kleinarbeit sogar in Excel eine alphabetische Inhaltsangabe über alle im Heimatkalender erschienenen Artikel. Ein Ziel des neuen Archivars ist es, vieles zu digitalisieren, was wichtig ist und Sinn macht. »Dann weiß man zumindest, was alles im Archiv aufliegt«, so Moldan. Die Ausgaben des »Berchtesgadener Anzeigers« sind bis zum Jahr 1933 gestapelt und das am meisten gewünschte Medium der Anfragenden. Sogar das »Königlich bayerische Intelligenzblatt« (heute Amtsblatt) liegt auf. Es reicht bis ins Jahr 1819 zurück. Auch auf Gesetzesblätter, Lehensbriefe, Kaufrechtsbriefe, Unterlagen aus der Tourist-Info und vieles weitere mehr kann der Archivar zurückgreifen, wenn es Anfragen seitens seiner Mitarbeiter im Gemeindeamt oder von Bürgern gibt. Aufgehoben werden auch Wahlunterlagen der letzten Abstimmung oder Bürgerentscheide.

Halten sich Anfragen von Bürgern relativ in Grenzen, so gibt es dagegen regelmäßigen Kontakt mit dem Institut für Zeitgeschichte. Nachdem auch das Thema Ahnenforschung immer beliebter wird, kommen immer wieder Anfragen nach früheren Hausnamen und den Menschen, die in den Häusern gelebt haben. Derzeit laufen die Vorbereitungen für das Jubiläum »40 Jahre Gemeinde Schönau am Königssee« nach der Gebietsreform im Jahr 1978. Nachdem im Jahr 2008 eine Festschrift zum 30-Jährigen verfasst worden ist, muss man in nächster Zeit die letzten zehn Jahre eruieren. Auch dafür ist das umfangreiche Gemeinde-Archiv unerlässlich und Erhard Moldan kann sich über mangelnde Arbeit sicher nicht beklagen. Christian Wechslinger