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Spaß mit Mass, Röhrl und der »Rennsau«

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Luftig, luftig: »Peter Pan« in seinem Bugatti 35C weht ein kühles Lüftchen um die Nase.
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Nicht nur die historischen Rennwagen waren eine Schau, sondern auch die Oldtimer-Busse.
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Cool wie immer: Rallye-Legende Walter Röhrl.
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Das ist die »Rennsau«. Gefahren hat sie der ehemalige Formel-1-Pilot Karl Wendlinger.
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Prinz Leopold von Bayern in seinem BMW 700 RS.
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Besuch aus Ingolstadt: Die Marke Audi war mit mehreren Fahrzeugen vertreten. Fotos: Anzeiger/Wechslinger (3)/Waßmuth (3)

Berchtesgaden – Joachim Althammer hat es geschafft: Nach 36 Jahren Pause ließ der Ainringer Oldtimer-Freund das legendäre Roßfeld-Rennen wieder aufleben. Die Vorbereitungen dafür hatten zwei Jahre in Anspruch genommen. Der Aufwand hat sich gelohnt: Sowohl die teils prominenten Teilnehmer als auch Tausende von Zuschauern waren begeistert.


Der Mythos Roßfeld ist wieder erwacht. Doch während von 1958 bis 1977 die Geschwindigkeit die entscheidende Rolle spielte, war beim Revival alleine die Teilnahme wichtig. Große Publikumsmagneten waren Rennfahrerlegenden wie Walter Röhrl, Karl Wendlinger, Jochen Mass, Dieter Quester, Prinz Leopold von Bayern und Eberhard Mahle. Das Überraschende war, dass nicht nur ältere Zuschauer, sondern auch viele junge Fans auf das Roßfeld gekommen sind, um sich die Boliden früherer Zeiten anzusehen. Zwei Tage lang roch es an der Strecke wie früher und die Geräusche der Rennwagen weckten bei vielen Kindheits- oder Jugenderinnerungen. Mit zum guten Gelingen trugen auch alte Busse, alte Gerätschaften und viele Menschen in Klamotten der damaligen Zeit oder einfach in Landestracht bei. Alle 200 Helfer steckten in den gleichen Kaki-Uniformen mit weinroten Westen, die ebenfalls ein schönes Bild abgaben.

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20 historische Omnibusse kutschierten die Besucher von den Fahrerlagern auf die Strecke. Für die reibungslose Fahrt von Berchtesgaden zum Obersalzberg und wieder zurück zu den Parkplätzen im Tal sorgten RVO-Busse im 20-Minuten-Takt. Mit zum Gelingen der Veranstaltung trugen auch die Streckensprecher bei, die mit Wissen und Sachverstand alle Beteiligten über das Geschehen informierten.

Für das größte Aufsehen sorgte jedoch Rallye-Legende Walter Röhrl. Der zweifache Weltmeister war stets von seinen Fans umringt und jagte den berühmten Audi Sport Quattro S 1 auf den Berg. Mit diesem Geschoss hatte Röhrl 1987 das berühmte Bergrennen »Pikes Peak« gewonnen. »Genießen Sie die Fahrt von Walter Röhrl«, erklärte der Streckensprecher, »es könnte die letzte Fahrt dieses Autos sein.« Denn wie Audi öffnen die großen Automobilhersteller ihre Schatztruhen nicht für jeden Zweck.

Bereits am Freitagnachmittag hatten Motorsport-Legenden wie Dieter Quester, Jochen Mass und seine Königliche Hoheit Prinz Leopold von Bayern ihre Schmuckstücke in der Berchtesgadener Fußgängerzone präsentiert und damit die vielen Zuschauer und Journalisten erfreut. Leider spielte das Wetter nicht mit, sodass die meisten Teilnehmer ihre einzigartigen Schmuckstücke im Trockenen ließen. Der ehemalige Formel-1-Pilot Jochen Mass ließ sich den Spaß allerdings nicht nehmen und steuerte einen Mercedes-Benz SSK aus dem Jahr 1928 über den Weihnachtsschützenplatz. Einen der wertvollsten Oldtimer der Welt.

Nachdem Dieter Quester nicht ohne Stolz seinen Lotus in der Fußgängerzone vorgeführt hatte, rutschte er am Samstag beim Trainingslauf im oberen Streckenteil aus und demolierte das teure Stück. Überhaupt bezeichneten einige Piloten wie auch Rennwagenbauer Kurt Brixner oder Prinz Leopold von Bayern die Vormittagsläufe am Samstag als grenzwertig. Denn es lag zum einen Nebel auf der Strecke und im Weiteren war der Fahrbahnbelag noch nicht abgetrocknet. Dies könnte auch Quester mit seiner 300 PS starken »Flunder« zum Verhängnis geworden sein.

Prinz Leopold von Bayern (siehe eigener Artikel) war wie zumeist mit einem BMW 700 RS aus dem Jahr 1961 am Start. »Die meisten sehen das Ganze zu verbissen, sie sollten ein bisschen lockerer sein«, meinte der Adelige aus dem Geschlecht der Wittelsbacher. Den größten Krach unter vielen lauten Gefährten machte wohl der legendäre Schnitzer-BMW.

Wahre Schmuckstücke brachte auch Porsche auf den Berg. Der Carrera 906, der 718 RS 60 Spyder, die 908er oder auch die frühen 911er zogen die Blicke auf sich.

Mercedes wartete neben dem SSK aus dem Jahr 1928 mit dem AMG SEL 6,8 – in Fachkreisen »Rennsau« genannt – auf, den Jochen Mass im letzten Jahr auf den Berg gejagt hatte und den jetzt beim Roßfeld-Rennen der ehemalige Formel-1-Pilot Karl Wendlinger pilotierte.

Absolute Hingucker waren aber auch die Brixner-Spyder, die Formel-V-Rennwagen und natürlich die Rennwagen-Urahnen von Alvis, Bugatti, Lagonda, Railton oder Riley. Ernst Piech steuerte höchstpersönlich einen spektakulären Austro Daimler aus dem Jahr 1929.

Abgerundet wurde das rollende Automuseum von aktuellen und ehemaligen Motorsportmarken wie Abarth, Alfa Romeo, De Tomaso, DKW, Ferrari, Ford, Glas, Jaguar, Lancia, Lotus, Maserati, Morris, MG, NSU, Triumph, Renault und Steyr-Puch.

Porträts berühmter und skurriler Teilnehmer sowie die Renn-Ergebnisse folgen in der nächsten »Anzeiger«-Ausgabe. Noch mehr Fotos gibt es in den Bildergalerien unter www.berchtesgadener-anzeiger.de Christian Wechslinger