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Spitzkehren, Pistenregeln und Punktortung

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Isabella Flemisch aus Ruhpolding testet die neuesten digitalen Lawinenverschüttetensuch-Geräte.
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Polizei- Berg- und Skiführer Michael Wolf führt die Gruppe gekonnt durchs Gelände und zeigt die optimalen Aufstiegsmöglichkeiten. Fotos: Anzeiger/Thoma-Bregar

Ramsau - Verschiedene Workshops standen am Samstag beim 2. Skitouren-Festival Berchtesgadener Land am Hochschwarzeck in Ramsau auf dem Programm. Die Cracks machten sich unter professioneller Anleitung des ehemaligen deutschen Bundestrainer Skibergsteigen, Johann Rampl, fit und vor allem Einsteiger informierten sich über Auf- und Abstiegstechniken, das Gehen auf Pisten, Lawinenverschüttetensuche und Lawinen-Airbags.


Während sich am Samstagmorgen am Festival Stützpunkt am Hochschwarzeck die einen Teilnehmer noch ihre Testausrüstung im großen Festzelt aussuchten, machten die anderen schon die ersten kleinen Abstecher im Gelände. Um neun Uhr ging es dann für alle mit den Workshops los. Im Wechsel durchliefen die Gäste bis zum Nachmittag alle Kurse und bekamen von Profis jede Menge wertvolles Wissen vermittelt.

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Albert Steinbacher zeigte seiner Gruppe am Schmuckenlift das geländeangepasste Anlegen einer Aufstiegsspur, lawinengemäßes Verhalten und die richtige Abfahrtstechnik. »Wir haben Neuschnee, das Wetter ist toll, heute ist es wirklich optimal«, freute sich der Bergführer. Was der häufigste Fehler beim Aufsteigen ist? »Dass man schon beim Weggehen zu große Steighilfen einstellt. Außerdem legen die meisten keine runde Spur an und beherrschen die Spitzkehren nicht.« Dabei seien die gar nicht so schwer, wenn man sie richtig gezeigt bekommt. Das gilt auch fürs Tiefschneefahren. »Man kann ruhig ein bisschen in Rückenlage gehen, damit die Skispitzen vorne etwas rausschauen. Allerdings gibt es heute mit den neuen Rocker-Ski so gutes Material, da ist das gar nicht mehr nötig, da läuft's von alleine«, weiß Steinbacher, der im Sommer 72 Jahre alt wird und immer noch Freude am Berggehen, am Klettersteiggehen, Mountainbiken und natürlich am Skitourengehen hat. Unterstützt wurde er von Polizei- Berg- und Skiführer Michael Wolf.

Bergführerkollege Reinhold Ramesberger aus der Ramsau erläuterte den Workshopteilnehmern auf dem Weg zum Hirschkaser die zehn Verhaltensregeln zum Gehen auf Pisten, die der Deutsche Alpenverein herausgegeben hat. »Ziel ist, dass sich Pistenfahrer und Tourengeher so verhalten, dass sie gut miteinander auskommen«, fasst Ramesberger sein Anliegen zusammen. Gegenseitige Rücksichtnahme und gesunder Menschenverstand sind für ihn die wichtigsten Regeln. »Man darf nicht immer nur auf seinem Recht beharren. Das ist leider ein Problem unserer Gesellschaft und das sich auch auf der Piste widerspiegelt. Dabei geht es nur miteinander und nicht gegeneinander.« Er kritisiert vor allem das Nebeneinandergehen von Skibergsteigern auf einer Abfahrtspiste. »Viele unterhalten sich und nehmen die Gefahr überhaupt nicht wahr.« Andersherum würden Alpinfahrer manchmal ein aggressives Verhalten an den Tag legen, indem sie voll beabsichtigt genau dahin fahren, wo Skibergsteiger gehen.

Alles über die Lawinenverschüttetensuche lernte man bei Bernd Robanser, angefangen über die verschiedenen Suchgeräte und das Feldlinienverfahren über die Feinsuche und die Punktortung bis hin zum Sondieren und Ausgraben. »Am schwersten fallen den Meisten die Feinsuche und die Punktortung, weil sie viel zu schnell mit den Geräten arbeiten. Dabei muss man sich Zeit nehmen, sie langsam über den Boden bewegen und man darf sie nicht wenden.« Mit den neuen digitalen Geräten sei das Suchen viel leichter geworden als mit den alten analogen Geräten. »Es gibt eine Richtungs- und eine Entfernungsanzeige und über das Display ist sichtbar, wo der Verschüttete liegt«, so der österreichische Bergführer.

Dass ein Lawinen-Airbag Leben retten kann und wie das System funktioniert, nahmen die Teilnehmer aus dem Kurs von Stefan Rusch, Bergführer aus Obersdorf, mit. »Es ist eine Investition, die sich lohnt. Statistisch gesehen werden 97 Prozent aller von Lawinen erfassten Personen mit einem ABS Rucksack nicht verschüttet und das ist schon eine klare Aussage«.

Den letzten Schliff für das nächtliche Charity-Rennen zugunsten der Sternstunden holten sich ambitionierte Festival-Teilnehmer beim ehemaligen deutschen Bundestrainer Skibergsteigen, Johann Rampl. Neben reihenweiser Spitzkehren stand auch der schnelle Fellwechsel auf dem Programm.

Christian Riel ist Geschäftsführer der Hochschwarzeck Bergbahn GmbH und unterstützt das Skitourenfestival auf seinem Gelände. »Wir setzen am Hochschwarzeck aufgrund des starken Andrangs von Skitourengeher vermehrt auf Information, um gerade auch bei denen, die mit diesem Sport anfangen, den Blick zu schärfen«, sagt Riel. Für den Aufstieg gibt es am Hochschwarzeck extra ausgeschilderte Wege im Wald, die genügend Abstand zum Liftbetrieb garantieren. Dass der Tourengeher anschließend über Pisten abfährt, ist für Christian Riel in Ordnung. »Da ist er für uns ein Skigast wie jeder andere auch.« Problematisch sei es außerhalb des Pistenbetriebs und in der Nacht. »Es gibt einfach gewisse Regeln, an die man sich halten muss. Wenn zum Beispiel die Piste am Abend wegen Präparierung gesperrt ist, dann ist die Abfahrt auch für Skitourengeher nicht möglich.« Und zwar in erster Linie aus Sicherheitsgründen. »Wir haben Seilwinden im Einsatz und das ist einfach wahnsinnig gefährlich. Beide Pistengerätfahrer haben deswegen Warntafeln mit Lichtsignalen dabei.« Kathrin Thoma-Bregar