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Spontan-Chor singt für sich selbst

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Singende Menschen so weit das Auge blickt: »Selber singen im Advent« unter den Schlossplatz-Arkaden. (Fotos: Berwanger)
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Das gemeinsame Singen mit Ernst Schusser und Eva Bruckner bereitete Alt und Jung gleichermaßen viel Spaß.

Berchtesgaden – Alle Jahre wieder laden Ernst Schusser und Eva Bruckner die Berchtesgadener und ihre Gäste zum »Selber singen im Advent« ein. Zum vierten Mal waren sie am Mittwoch vor Weihnachten in Berchtesgaden. Zum Mitsingen sind so viele Menschen mit Kind und Kegel unter die Schlossplatz-Arkaden geströmt »wie noch nie«, freute sich 2. Bürgermeister Bartl Mittner zur Begrüßung von Volksmusikpfleger Schusser. Der nahm seinen Spontan-Chor von Lied zu Lied so gekonnt mit, dass den Sängerinnen und Sängern bei niedrigen einstelligen Temperaturen im Lauf einer guten Gesangstunde nicht kalt werden konnte.


Flugs haben die Sangeslustigen Eva Bruckner das Liederheft »Alle Jahre wieder« zum Sonderpreis von 1 Euro geradezu aus den Händen gerissen und auch die CD mit allen 26 Liedern des Heftes geht – vielleicht als Weihnachtsgeschenk in letzter Minute – weg wie die warmen Semmeln. »Wir haben uns schon das ganze Jahr auf heute gefreut«, sagt ein junger Mann, dessen Frau leidenschaftlich gerne singt, mit strahlenden Augen. Sie sei »von Anfang an dabei«, betonte eine gestandene »waschechte Berchtesgadenerin«, die sich gleich einen guten Platz in der Nähe von Ernst Schusser gesichert hatte. Ihm ist es gerade recht, dass Alt und Jung Lust auf das gemeinschaftliche Singen hatten. »Ich bin kein Missionar«, so der Leiter des Volksmusikarchivs des Bezirks Oberbayern. Die Menschen sollten einfach ein wenig Freude haben beim Selbersingen, dann sei es schon recht.

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Und so stimmen schon bald alle das erste Lied an: »Alle Jahre wieder«, natürlich, was auch sonst? Auf der letzten ihrer 15 Stationen durch Oberbayern im Advent zeigen Ernst Schusser mit seiner Ziach und Eva Bruckner an der Gitarre weder Ermüdungserscheinungen noch Heiserkeit. Mit jedem Lied werden die rund 150 kleinen und großen Sängerinnen und Sänger mehr zu einer Einheit. Ernst Schusser wird lockerer und macht ab und an einen seiner trockenen Späße.

Bevor die Kälte dem Chor unter den Arkaden in die Glieder fahren kann, fordert Schusser Alt und Jung zu etwas Bewegung auf. »Links und links, rechts und rechts und einmal ummananda drahn« führt zu interessanten Interpretationen von links und rechts und zu erwärmender Durchblutung. Auch beim Mäh der Schafe und beim Pfeifen lässt sich die riesige Sangesrunde ebenso wenig lumpen wie sich die anwesenden Hunde aus der Ruhe ihres andächtigen Zuhörens bringen lassen.

Vom Schlossplatz gesellen sich Zuhörer hinzu, die das unverhoffte Weihnachtskonzert auch sehr bewundern und – oft in Kombination mit dem Verzehr leiblicher Genüsse aus den Buden des »Berchtesgadener Advent« – genießen. Von diesem hatte Bartl Mittner Grüße überbracht und so schloss sich der Kreis des Gemeinschaftserlebnisses voller Vorfreude auf das Weihnachtsfest am Schlossplatz ganz so, wie es sein sollte: Für eine gute Stunde hatten die Menschen alle Sorgen und Hektik vergessen, innegehalten, miteinander gesungen und gelacht. Bis es zuguterletzt hieß: »Es wird scho glei dumpa«. Ina Berwanger