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Sportler und Funktionäre über das Olympia-Aus

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Georg Hackl besucht für Olympia auch gerne Oslo und Manuel Machata meint, »dass in Deutschland kein richtiger Sport mehr gewünscht ist.« Fotos: Anzeiger-Archiv/Pfeiffer
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Aus und vorbei: Bahnchef Markus Aschauer wird auf »seiner« Bahn keine Olympischen Spiele in verantwortlicher Position erleben.

Berchtesgaden – Krachend ist das Projekt »Olympia München 2022« gescheitert. Die Gegner einer Bewerbung haben sich durchgesetzt. Die heimischen Sportler hat die Nachricht schwer getroffen, in sozialen Netzwerken wie Facebook äußern sie sich. Trotzdem ist die Entscheidung des Volkes, keine Absage an den Sport, wie Thomas Schwab, Generalsekretär des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland, meint.


Rodellegende Georg Hackl teilt auf Nachfrage des »Berchtesgadener Anzeigers« mit, dass dies die klare – und damit eindeutige – Mehrheitsmeinung der Bevölkerung war. »Diese ist zu respektieren.« Für Hackl steht nun fest, dass Olympia 2022 in Norwegen stattfindet: »Ich finde Oslo auch ganz klasse, und ich fahre auch da gerne hin.«

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»Oh, Mann«, schreibt Felix Loch auf seiner offiziellen Fan-Seite auf Facebook. »War wohl nix mit Olympia dahoam. Echt schade.« Laut Rodel-Olympiasieger habe das »Daumendrücken ja gar nix gebracht.« Loch, der sich derzeit in Norwegen befindet, wandte sich direkt an seine Fans, fragte auf seiner Seite, was diese von der Entscheidung hielten. »Echt schod«, schreibt ein Loch-Fan, ein zweiter kommentiert den Bürgerentscheid folgendermaßen: »Gut so. Das ganze Geld wird jetzt nicht das Klo runtergespült, sondern kann sinnvoll verwendet werden.« Skeleton-Profi Anja Huber ist – nachlesbar – enttäuscht und sauer angesichts der Bewerbungsabsage an München: »Schaffen wir doch gleich den deutschen Sport ab«, so der nicht ganz ernst gemeinte Ratschlag. »Es wäre mir eine Ehre gewesen, 2022 als Trainer am Königssee an meiner Heimbahn zu stehen.« Dennoch versteht Huber »die Angst vor den Kosten.« Nun seien aber auch andere wichtige Dinge gestrichen, »die durch Olympia möglich gewesen wären.«

Bobfahrer Manuel Machata meint via Facebook, dass es schade sei, »dass in Deutschland kein richtiger Sport mehr gewünscht ist.« Hinsichtlich einer Olympiaausrichtung schreibt er, dass es immer Leute geben werde, die nicht von irgendwas profitieren. »Aber was Olympia an Werbung für unsere Region bedeutet und nachhaltig Touristen in unsere Regionen bringt, das sieht anscheinend keiner. Mehr Leute. Mehr Attraktivität. Mehr Möglichkeiten, was zu verkaufen und mehr Geld, um unsere Region aufzuhübschen.« Die größte Chance für die ganze Region sei vertan.

Thomas Schwab, Generalsekretär des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland, ist aufgrund des Ergebnisses geknickt. »Es ist schwierig, Veranstaltungen wie Olympia mit Bürgerentscheiden auf den Weg zu bringen.« Dennoch müsse der Wille des Volkes natürlich respektiert werden. Schwab sieht die Gefahr des »Stillstandes« – Beispiele sind der Bürgerentscheid über den Kirchholztunnel, eine dritte Startbahn am Münchner Flughafen oder nun die Absage an die Olympiabewerbung. Für die nächsten 50 Jahre seien Olympische Winterspiele in Deutschland abgehakt, ist sich Schwab sicher. Außerdem ist der Generalsekretär der festen Überzeugung, dass der Bürger bei einer Mitentscheidung auch Sommerspiele ablehnen würde. Als Sportler sehe er die Entscheidung natürlich sportlich – »wir kämpfen weiter.«

Auch Bahnchef Markus Aschauer hätte sich einen anderen Ausgang des Bürgerentscheides gewünscht. München werde sich nicht mehr bewerben, und auch bei Sommerspielen ist Aschauer skeptisch. Immerhin seien diese deutlich teurer in der Ausrichtung. Unwahrscheinlich sei darüber hinaus, dass die Kunsteisbahn am Königssee überhaupt jemals olympisch werde: »Ich werde es in meiner Laufbahn mit Sicherheit nicht mehr erleben.« Eine Großveranstaltung mit garantiertem Millionenpublikum – und ganz ohne Gegenstimmen – bleibt ihm: Die Wok-WM mit TV-Entertainer Stefan Raab, die im März an den Königssee zurückkehrt. Kilian Pfeiffer