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Sprache als Schlüssel zur Integration

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Die harmonische Zusammenarbeit der Gemeinden Bischofswiesen, Berchtesgaden und Schönau in Sachen »Deutschunterricht für Kinder nichtdeutscher Muttersprache« ist vorbildlich. Darüber freut sich auch Hans Metzenleitner (r.), Leiter der Mittelschule Bischofswiesen. (Foto: Berwanger)
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Lucia, Alexandra und Dominik hören ihrer ehrenamtlichen Deutschlehrerin Beate Boga ebenso aufmerksam zu wie Dr. Peter Siegel im Hintergrund. Foto: privat
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Auch spielerisch Endungen von Verben beim Spezial-Domino zu lernen, kann ganz schön anstrengend sein, erlebt diese Gruppe beim ehrenamtlichen Deutschunterricht mit der pensionierten Lehrerin Rosa Imhof. Foto: privat

Bischofswiesen – »Wertschätzung, Toleranz, Respekt« und noch mehr kann der Besucher der Mittelschule Bischofswiesen an einer Wand ihres Eingangsbereiches lesen. Doch die Schule füllt diese Begriffe auch mit Leben: Sie hat sich regelrecht zum »Kompetenzzentrum Deutschunterricht für Kinder nichtdeutscher Muttersprache« entwickelt, wie Schulleiter Hans Metzenleitner das intensive Engagement vieler ehrenamtlicher und auch hauptamtlicher Lehrkräfte in seinem Haus auf den Punkt bringt. Der Pädagoge sagt: »Wenn wir uns in Deutschland den humanistischen Werten verpflichtet fühlen, ist es selbstverständlich, dass wir den teils traumatisierten Asylbewerberkindern helfen.«


Sprache ist der Schlüssel zur Integration, darin sind sich Hans Metzenleitner, sein Kollegium und das Team der ehrenamtlichen Deutschunterrichter einig. Den Anstoß zum Deutschunterricht für des Deutschen nicht mächtige Kinder kam von Beate Boga. Die 71-Jährige hat vielfach über den Tellerrand geschaut. Sie hat an der Pariser Universität Sorbonne studiert, in der Schweiz und in Indien unterrichtet und nicht wegschauen können, als sie um Unterstützung der ausländischen Kinder gebeten wurde.

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Begonnen habe alles 2012 mit den Kindern aus osteuropäischen EU-Ländern, erinnert sich der Schulleiter. Unterdessen gehören auch Asylbewerberkinder und unbegleitete junge Flüchtlinge zu seinen Schülern. Ihnen ein wirklich qualifiziertes Angebot zum Lernen der deutschen Sprache zu machen, war der Schule und den zu einem großen Teil aus ehemaligen Lehrkräften bestehenden Team der ehrenamtlichen Deutschunterrichter ein großes Anliegen. Mit professionellem Wissen, viel Erfahrung und noch mehr Leidenschaft für den Einsatz in diesem ganz besonderen Ehrenamt ausgerüstet wurde ein regelrechtes Curriculum erarbeitet.

»Wir haben das Problem, dass wir mit Stunden ›Deutsch für Ausländer‹ schmal ausgestattet sind«, bedauert Schulleiter Metzenleitner. Dies liege aber nicht am Staatlichen Schulamt, welches das Bischofswieser Projekt begrüße und unterstütze, betont er. Die ehrenamtliche Initiative auf einem fachlich hohen Niveau, perfekt organisiert von Förderlehrerin Maria Loch, sei daher gar nicht hoch genug einzuschätzen.

Metzenleitners Respekt gilt aber auch den kleinen Deutschschülern. »In einem Jahr müssen die Kinder Deutsch können«, erklärt Beate Boga kategorisch, sie nennt sich »streng« und geht so freundlich wie konsequent mit den Mädchen und Buben um. Diese lernen täglich in sieben nach Alter und Deutschwissensstand unterteilten Gruppen mithilfe der mittlerweile rund 15 Ehrenamtlichen zwei Schulstunden lang die schwere deutsche Sprache. Während Beate Boga bei den Jugendlichen die Hausaufgaben kontrolliert und der früher am Berchtesgadener Gymnasium unterrichtende Dr. Peter Siegel einer Schülerin einen kniffligen Fall erklärt, lehrt ein paar Klassenräume weiter Rosa Imhof, früher Lehrerin an der Mittelschule Berchtesgaden, mit Grundschülern aus Polen, Ungarn oder Tschechien die Endungen von Verben.

Die Schüler sind eifrig bei der Sache und die Lehrkräfte stehen ihnen darin nicht nach. Die Qualität des Unterrichts hat sich längst über Bischofswiesens Grenzen herumgesprochen. Jeden Tag bringt und holt ein eigens engagierter Bus Schülerinnen und Schüler aus Berchtesgaden und der Schönau. »Das ist das Tolle, dass wir alle an einem Strang ziehen, die Bürgermeister Franz Rasp von Berchtesgaden, Hannes Rasp aus Schönau am Königssee und unser Thomas Weber haben sich für den gemeinsamen Unterricht hier bei uns stark und ihn damit möglich gemacht«, freut sich Schulleiter Hans Metzenleitner.

Auch bei den Eltern unter den Asylbewerbern hat sich herumgesprochen, dass ihre Kinder in Bischofswiesen hervorragend Deutsch lernen können, sie suchen verstärkt nach Wohnungen in der Gemeinde. Knapp 50 Mädchen und Buben unterrichten die Ehrenamtlichen derzeit in ihrer Freizeit. Ab September könnte die Zahl der Kinder, die diesen besonderen Deutschunterricht brauchen, steigen. Denn jüngst wurde in Bischofswiesen eine zweite Unterkunft für Asylbewerber eröffnet. Deswegen würden sich die ehrenamtlichen Deutschunterrichter über eine Verstärkung sehr freuen. Interessierte können sich melden bei Schulleiter Hans Metzenleitner unter Telefon 08652/9772550 oder per Email unter schule@bischofswiesen.de oder auch bei Beate Boga unter Telefon 08652/64201. Ina Berwanger

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