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Es war seine letzte Ansprache: Berufsschulleiter Hermann Kunkel verabschiedet sich in den Ruhestand.
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Die Staatspreisträger und ihre ersten Gratulanten nach der Feier: Insgesamt 54 Absolventen erreichten einen Notendurchschnitt zwischen 1,0 und 1,5. (Fotos: Karin Kleinert)

Staatliche Berufsschule Berchtesgadener Land verabschiedet 250 Fachkräfte

Berchtesgadener Land – In der Berufsschule Berchtesgadener Land war die Freude riesengroß, den Berufsschulabschluss von 250 jungen Menschen nach zwei Jahren endlich wieder mit vielen Gästen feiern zu dürfen. Und so waren Aula und Galerie bis auf den letzten Platz besetzt. Gleich 14-mal gab es diesmal die Note 1,0. Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde von der »Stoißberg Musi«.


Studiendirektor Günther Mühlbauer hieß die Ehrengäste aus Politik und Wirtschaft, die Schüler und ihre Familien in Freilassing willkommen. Als erstes nannte der Studiendirektor die für den Anlass wichtigen Zahlen und Fakten. Da waren zum einen die vielen Ausbildungsberufe, in denen die 250 Absolventen, die aus mehreren Landkreisen stammen, ihren Berufsschulabschluss in Freilassing erlangten.

32 dieser Absolventen haben überdies die Allgemeine Fachhochschulreife erreicht, sieben über die Berufsschule Plus und 25 über die »Youtou«, wie Mühlbauer erklärte. Sehr stolz sei man, so der Studiendirektor weiter, dass mehr als 60 junge Menschen aus den Berufsintegrationsklassen und den Berufsvorbereitungsklassen wichtige schulische Meilensteine mit Abschluss dieses Schuljahres geschafft hätten.

An einen Meilenstein, nicht nur für das »Staatliche Berufliche Bildungszentrum Berchtesgadener Land Freilassing«, so der offizielle Name ab August, sondern für die gesamte Bildungsregion, erinnerte Schulleiter Hermann Kunkel. Am 20. Mai hatte der Kreistag beschlossen, die Berufsschule mit einem Betrag von 100 Millionen Euro zu erweitern, in Teilen neu zu bauen und auf den aktuellen Stand zu bringen. Er wolle sich im Namen der Schüler und der Lehrkräfte bei allen, die dieses Großprojekt unterstützen, ausdrücklich bedanken, betonte der Schulleiter.

Landrat Bernhard Kern sagte in seinem Grußwort, dass es nach der schwierigen Zeit der letzten beiden Jahre ein »wahrer Tag der Freude« sei, solch eine Abschlussfeier abhalten zu dürfen. Er gratulierte den jungen Menschen zur bestandenen Prüfung und meinte mit einem Augenzwinkern »Gschafft ist gschafft«. Für die Aufgaben, die es auf dem neuen Lebensabschnitt zu bewältigen gebe, wünschte er ihnen viel Glück. »Sie können positiv in die Zukunft schauen, weil sie in der Berufsschule fachliche, persönliche und soziale Kompetenzen gelernt haben«, so der Landrat aufmunternd in Richtung Absolventen. In Richtung Berufsschulleitung und Kollegium meinte Kern: »Es wird eine große Reise für die Berufsschule – sie beginnt jetzt und wird voraussichtlich bis 2030/31 dauern.«

Von ihren Erfahrungen und Erlebnissen, also ihrer ganz persönlichen »Reise« während des vergangenen Jahres, berichteten im Folgenden einige Abschlussschüler. Besinnliche Worte zum Schulabschluss trugen Sarah Prechtl (Kauffrau für Einzelhandel) und Florian Busching (Schreiner) vor und erinnerten daran, wie zerbrechlich und trotzdem wertvoll das Leben sein kann. Danach gab Melanie Fortenbacher einen Einblick in ihre Ausbildung zur Steuerfachangestellten und räumte mit dem Klischee von der staubtrockenen Buchhalterin auf. Im Gegenteil, dieser Beruf sei sehr modern und zukunftsorientiert.

Ein besonderer Moment war, als die jemenitischen Schwestern Ethar und Khulood, die seit dreieinhalb Jahren in Deutschland leben, ihre ganz persönliche »Erfolgsgeschichte« schilderten. Sie haben das Berufsintegrationsjahr Soziales als Klassenbeste bestanden und mit Fleiß und Disziplin ihren Quali geschafft. Die eine beginnt demnächst eine Ausbildung im medizinischen Bereich, die andere wird auf eine weiterführende Schule gehen.

Über eine abwechslungs- und erkenntnisreiche Woche zum Thema nachhaltiger Tourismus im Nationalpark Berchtesgaden wussten Charlotte Amberger und Rafael Sitaru zu berichten, die den Vortrag mit vielen Bildern vor traumhafter Kulisse unterlegt hatten. Mittels eines kurzen Fernsehbeitrags wurde dann noch an das laut Hermann Kunkel »herzerfrischende« Europafest im Mai erinnert. Dort waren 800 Euro zusammengekommen, die Charlotte Amberger, Raphael Zelzer und Weronika Stolarczyk von der SMV nun an eine Vertreterin der Caritas übergab. Die drei hoben in ihrer Ansprache die »immer offenen Ohren« von Verbindungslehrer Simon Klar und Schulleiter Kunkel hervor, dem sie für das baldige »Abenteuer Ruhestand« viel Spaß wünschten.

Im Folgenden wandte sich Hermann Kunkel wie in vielen vergangenen Abschlussfeiern auch mit einer ebenso herzlichen wie gehaltvollen Rede an seine Schülerinnen und Schüler. Er zitierte dabei unter anderem Altkanzlerin Angela Merkel, die bei einer Abschlussfeier sehr treffend formuliert hatte: »Sie werden es sein, die darüber mitentscheiden, wie sich unsere Art zu arbeiten, zu kommunizieren, uns fortzubewegen, ja, unsere ganze Art zu leben, weiterentwickeln wird.« Daher, so Kunkel, »müssen wir mit Ihnen und Sie mit sich vorsichtig umgehen, dass Sie in diesen anstrengenden Zeiten durchhalten und gesund bleiben«. Es folgte der leidenschaftliche Appell an die Absolventen: »Melden Sie sich zu Wort, wenn sie das Gefühl haben, dass hirnlos agiert wird. Gestalten Sie die Welt verantwortungsvoll und besonnen mit.«

Unter großem Applaus wurden 54 junge Leute, deren Notendurchschnitt im Abschlusszeugnis der Berufsschule besser als 1,5 ist, auf die Bühne gerufen. Dort erhielten sie von der stellvertretenden Schulleiterin Sabine Ofner und Landrat Kern Buch- und Sachpreise des Regierungspräsidenten und vom Landkreis. Von der SMV gab es noch eine langstielige Rose mit dazu.

Karin Kleinert