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Stampfen in der Stube

Marktschellenberg – Traditionell in der letzten Raunacht vor dem Dreikönigstag laufen die »Alpinia Tresterer« am Stadtrand von Salzburg und in den Nachbargemeinden von Hof zu Hof und tanzen den Pinzgauer Trestertanz. In diesem Jahr liefen sie zum ersten Mal in Marktschellenberg, wo sie den Tanz in sechs Höfen präsentierten. Getanzt wurde nur im Haus.

Beim Tanz der Tresterer wird in der Stube eine Art Stampftanz aufgeführt. Auch im Marktschellenberger Pfeffererlehen vertrieb man so die bösen Geister. Fotos: Anzeiger/B. Stanggassinger
Die Familie Stanggaßinger vom Pfeffererlehen in Marktschellenberg gewährte den Alpinia-Tresterern mit ihren Musikanten Eintritt in ihr Bauernhaus.

Herbert Lenglachner betrat das Pfeffererlehen, begrüßte Sophie und Heini Stanggaßinger sowie deren Familienangehörige und Freunde, besichtigte den Tanzplatz und erklärte das Brauchtum. Der Pinzgauer Tresterer ist ein besonderer Tanz. Es handelt sich um einen Tanz der Schönperchten, diese kommen in den Raunächten und vertreiben die bösen Dämonen und Geister und bringen Glück Segen und Gesundheit für Haus, Hof und die Bewohner darin.

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Alles beim Pinzgauer Trestertanz ist symbolträchtig, seien es die wehenden Bänder, das gemessene Schreiten, das rhythmische Stampfen oder etwa die weißen Hahnenfedern, die ein altes Symbol für Fruchtbarkeit und Kraft sind.

Wenn die Tresterer von Hof zu Hof laufen, dann sieht das Licht auf den weißen Federn gespenstig aus. Später hört man aus der Stube das eigenartige Stampfen und Treten, daher der Name Tresterer. Der Begriff kommt aus dem Süden, denn unter Trestern versteht man eigentlich das Einmaischen des Weines. Nach dem Ende des Tanzes fliehen diese mystisch schönen Gestalten wieder hinaus in die Dunkelheit.

Seit 1946 halten die Alpinia Tresterer an diesem Brauch fest. Die neuesten Erkenntnisse der Volkskundler besagen, dass die Einflüsse in erster Linie aus Venedig kommen. Die Salzburger hatten immer eine gute Verbindung zu der Lagunenstadt – sei es geschäftlich oder auch kulturell. Man hat ja auch den Berg »Großvenediger« – und von dem soll man angeblich bis nach Venedig sehen. Die Tanzschritte und auch die Stoffmuster und die Farbe der Gewänder sind einwandfrei dem venezianischen Karneval zuzuordnen. Um 1900 wurde der Trestertanz von einem damaligen Alpinia-Mitglied nach Salzburg gebracht. 2013 wurden die Alpinia Tresterer von der Unesco mit der Eintragung in das Verzeichnis Immaterielles Weltkulturerbe ausgezeichnet.

Nach den informativen Worten von Herbert Lenglachner lief der Vorperchte ins Pfeffererlehen ein, es wurden zwei Teile ohne Musik getanzt und der dritte Teil wurde mit der bekannten und auch von Tobi Reiser überlieferten Perchtenmelodie aufgeführt. Die Tänzer selbst trugen keine Masken, die von den Hahnenfedern abhängenden Bänder verdeckten die Gesichter. Somit konnten die bösen Geister das Antlitz des Tänzers nicht erkennen. Nach dem Tanz verschwand die Schar in der Nacht und der Vortänzer verabschiedete sich und verließ als Letzter das Haus«.

Mit einem Vergelt's Gott, einem Schnapserl und den besten Wünschen für die weitere »Roas« verabschiedeten sie der Heini und die Sophie Stanggaßinger vom Pfeffererlehen. Bernhard Stanggassinger