weather-image
26°

Starke Argumente gegen Standort »Klauspoint«

3.8
3.8
Bildtext einblenden
Das geplante Bauvorhaben »Klauspoint« aus der Luft. Foto: Gemeinde Ramsau

Ramsau – Das geplante Bauvorhaben in der Klauspoint nahe des Hintersees droht zu kippen, mehrere Behörden und Anwohner sprechen sich in ihren Stellungnahmen gegen die Maßnahme aus. Bürgermeister Herbert Gschoßmann präsentierte in der jüngsten Sitzung des Ramsauer Gemeinderats die Ergebnisse der ersten Auslegung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans.


Neben der Interessengemeinschaft »Betroffene Klauspoint« und mehreren Privatpersonen nahmen über 20 Träger öffentlicher Belange Stellung zu dem Bauvorhaben. Die Interessengemeinschaft, deren Schreiben von 20 Personen aus der mehr oder weniger näheren Nachbarschaft unterschrieben wurde, äußert sich auf vier Seiten gegen das Vorhaben. Unter anderem befürchten sie einen Verbrauch wertvoller Naturlandschaft, eine Gefährdung des regionalen und überregionalen Erholungswertes, den Verlust von landwirtschaftlicher Produktionsfläche sowie eine Überschreitung von Lärm-Grenzwerten und eine zusätzliche Verkehrsbelastung mit entsprechendem Gefahrenpotenzial. Ähnlich äußern sich mehrere Privatpersonen in ihren Schreiben.

Anzeige

Argumente gegen das Vorhaben kamen darüber hinaus von der Regierung von Oberbayern. Laut Regierung widerspricht das geplante Gewerbegebiet aufgrund der fehlenden Anbindung an eine Bebauung den Zielen des Landesentwicklungsplans. Der Regierung von Oberbayern liegt bislang kein Nachweis vor, der belegt, dass es für das geplante Gewerbegebiet keinen alternativen Standort gibt und es deshalb nur am vorgesehenen Standort südlich der Marxenbrücke ausgewiesen werden kann.

Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein nahm ausführlich Stellung zu den Bereichen Wasserversorgung, Abwasser, Flussaufsicht-Grundwasser-Oberflächenwasser und Altlasten sowie Bodenschutz und kam auf Basis der vorliegenden Planunterlagen zu dem Ergebnis das »Erschließungsvorhaben Klauspoint flussaufsichtlich abzulehnen«. Gleichwohl weist das Wasserwirtschaftsamt auf noch fehlende Unterlagen hin. Auf einen fehlenden Sicherheitsabstand zum Wald macht das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein aufmerksam.

Weiters sprechen sich auch der Regionale Planungsverband Südostbayern, der Bund Naturschutz und der Fischereiverein Berchtesgaden/Königssee gegen das Vorhaben »Klauspoint« aus.

Keine Einwände hingegen haben unter anderem die Industrie- und Handelskammer, der Bayerische Verein für Heimatpflege, das Amt für ländliche Entwicklung Oberbayern, die Gemeinde Schönau am Königssee, der Markt Berchtesgaden oder das Vermessungsamt Freilassing.

Um im Rahmen dieser umstrittenen Maßnahme nahe des Hintersees allen Parteien gerecht zu werden, gewährt Bürgermeister Herbert Gschoßmann volle Einsicht: »Jeder Bürger kann sich den Ordner mit den Stellungnahmen anschauen und nachlesen, was Fakt ist«. Mit diesem Angebot möchte er auch jegliche Vermutungen aus dem Weg räumen, dass nicht alles auf den Tisch komme oder mit Halbwahrheiten hantiert werde.

»Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass es richtig war, nicht kategorisch ›Nein‹ zu diesem Vorhaben zu sagen, sondern im Rahmen des Verfahrens eine Grundlage für eine abschließende Bewertung zu schaffen. Diese erste Auslegung mit den nun vorliegenden Ergebnissen war ein erster Schritt dazu. Auf Basis der eingereichten Planunterlagen gibt es von wichtigen Stellen schwergewichtige Argumente gegen eine Realisierung an diesem Standort«, so Gschoßmann, »zum Teil schreiben diese Stellen aber auch, dass eine abschließende Beurteilung erst dann möglich ist, wenn weitere Unterlagen eingereicht und Ergänzungen und Überarbeitungen vorgenommen werden«.

Einen Beschluss zu diesem Thema gab es in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend nicht.

Der Ordner mit allen Stellungnahmen kann nach Vereinbarung unter Telefon 08657/98890 eingesehen werden. Caroline Irlinger