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Steinadler-Flugvorführung war Besuchermagnet

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Bruno ließ sich nach getaner Arbeit auf dem Arm des Greifvogel-Flüsterers Paul Klima auch von der dicht um ihn gedrängten Menge nicht irritieren. (Foto: Mergenthal)

Berchtesgaden – »Nationalpark zum Anfassen und Mitmachen« – unter dieses Motto könnte man das bunte »Fest für alle« im Haus der Berge zum 40-jährigen Bestehen des Nationalparks Berchtesgaden stellen. Das Konzept ging auf: Allein in der Ausstellung »Vertikale Wildnis«, zu der beim Fest der Eintritt frei war, wurden an diesem Tag 1300 Besucher gezählt; im ganzen Gelände waren es laut Veranstalter geschätzte 3000 bis 4000 Menschen. Paul Klima ließ beim Nationalparkfest Steinadler und Falken fliegen. Das war der Besuchermagnet.


Die vielen Spiel- und Klettermöglichkeiten im Freien wurden rege genutzt. Den Kopf einziehen musste man im Lahnerkaser: Drinnen konnte man erkunden, wie die Enzianbrenner am Funtensee hausen, sich über die Almbauern früher und heute informieren und erfahren, wie die Königssee-Fischer ihre Netze einstellen.

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Leidenschaft zum Beruf gemacht

Infos zu nachhaltiger Ernährung gab es in der »Wiesenküche«. Im naturnahen Garten wurden nutzbare Pflanzen erklärt. Ranger und Naturfilmer erzählten von ihrer Arbeit. Man konnte die Berchtesgadener Insektenfauna, alpine Steinschafe und Greifvögel (extra Artikel) kennenlernen und Blindenhunde im Einsatz erleben.

Gefragt waren auch kreative Unterhaltungs-Angebote, vom Malen über Schminken bis hin zu Puppenspiel und Porträtzeichnen. Viele Kinder ließen sich mit Stelzengänger »Imanuel Immergrün«, der Blumentöpfe verteilte und zum Pflanzen einlud, ablichten.

Schon mit 13 Jahren lungerte Paul Klima (46) in seiner ursprünglichen Heimat, dem Altmühltal, nach der Schule in der nahe gelegenen Falknerei herum. »Irgendwann hab ich dann einen Vogel auf der Hand gehabt.« Nach einer Schreinerlehre hat er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Klimas Steinadler-Flugvorführung war eindeutig der Besuchermagnet beim »Fest für alle« zum 40-jährigen Bestehen des Nationalparks.

In einer speziellen Transportbox hat er mit seinem Auto drei seiner Vögel von seinem Falkenhof in Lenggries her gebracht: die Falken Sheila und Sokrates und den Star des Tages, Steinadler Bruno. Die faszinierten Zuschauer erfahren auch einiges über die Geschichte der Falknerei, eine »andere Form der Jagd«, die bereits vor 3000 bis 4000 Jahren in den Städten Asiens entstand. Mangels guter Jagd- und Schusswaffen machten sich die Menschen die natürlichen Fähigkeiten der Greifvögel zunutze. Die Beizjagd hat freilich in früheren Zeiten die Falkenbestände gefährdet. Dennoch wurden laut Klima erst in den 1960er Jahren erstmals in Amerika Wanderfalken gezüchtet.

Während Sokrates noch einen kleinen Ausflug unternimmt – die Vögel können durch Ausstattung mit einem Peilsender nicht verloren gehen – gleitet Bruno, einer von vier Steinadlern am Falkenhof, dicht über die Köpfe der Zuschauer von der Restaurant-Terrasse und stürzt sich auf einen Fuchspelz. Er ist sechseinhalb Jahre alt und wurde in Kärnten gezüchtet. Seine Fänge mit 22 bis 24 Zentimetern Griffweite haben 70 Kilo Presskraft – beim Menschen sind es maximal 25 Kilo. So können Adler selbst Gamswild jagen, obwohl sogar ein Gamskitz schwerer ist als der Vogel.

Adler sind sehr vorsichtig

Mit geschwellter Brust holt sich Bruno seine Belohnung ab und scheint es danach zu genießen, sich auf dem Arm des Falkners den ihre Handykameras zückenden Zuschauern zu präsentieren. Sechs bis acht Wochen muss Klima seine Vögel trainieren, bis er sie frei fliegen lassen kann. Bis sie das vor Publikum machen, dauert es von einem halben Jahr – wenn der Vogel eine »Rampensau« ist – bis zu drei Jahren. »Manche Vögel machen das nie, weil sie so ängstlich sind.« Erstaunt erfuhr das Publikum, dass der Adler sehr vorsichtig ist und sich auch eine Kraft einteilt. Mangels Aufwind hatte Bruno keine Lust, weiter zu fliegen als bis aufs Dach des Nationalpark-Bildungszentrums.

Derzeit startet der Falkner ein Heimatprojekt mit dem Titel »Bayern aus der Adlerperspektive«. An einigen der schönsten Orte Bayerns wird mit seinen Adlern gedreht – der Falkner hat hier auch das Kehlsteinhaus (»Eagles Nest«) im Visier. Daraus sollen ein Film und eine Fotoausstellung entstehen, die Mitte 2020 im »Haus der Berge« Premiere feiern. vm