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Stephan Köhl sagt Lebwohl

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Ein Bild, das zum Jahreswechsel der Vergangenheit angehören wird: Ab 1. Januar wird Stephan Köhl nicht mehr vor Königssee-, sondern Tegernsee-Plakaten posieren. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Der Geschäftsführer der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH (BGLT), Stephan Köhl, verlässt zum Jahreswechsel Berchtesgaden und wechselt – wie berichtet – zur Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT). Der »Berchtesgadener Anzeiger« sprach mit dem Touristiker über die Bedeutung des Online-Marketings, seinen neuen Arbeitsplatz und Dinge, die er am Tegernsee vermissen wird.


Herr Köhl, was war Ihr größter Erfolg als BGLT-Chef?

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Stephan Köhl: Das ist eindeutig der Online-Bereich. Da sind wir teilweise deutschlandweit die Nummer 1. Wir bedienen alle Kanäle: Website, Blog, Facebook, Youtube und so weiter. Auf Facebook haben wir über 50 000 Freunde, da sind wir in Bayern die Nummer 3. Auch haben wir 65 000 Newsletter-Abonnenten. So viel wie die Bayern Tourismus Marketing GmbH. Die Online-Präsenz ist mit Abstand der wichtigste Faktor im Tourismus-Marketing. Man erreicht viele Menschen, es kostet kaum etwas und die Erfolge sind größtenteils messbar. Dass die BGLT da so erfolgreich ist, ist vor allem Sarita Patel und Sepp Wurm zu verdanken.

Als weiteren großen Erfolg werte ich den jährlichen Gastgeberstammtisch, der immer beliebter wurde. Zu dem Treffen im Porsche-Traumwerk sind 300 Teilnehmer gekommen. Außerdem bieten wir viele Seminare an.

Äußerst erfolgreich ist auch Karin Mergner in der Presse- und TV-Arbeit. Ohne sie wären die Dreharbeiten mit Hansi Hinterseer oder aktuell für »Lena Lorenz« nicht zustande gekommen. Dafür braucht man ausgezeichnete Kontakte. Um solche Projekte beneiden uns andere Urlaubsdestinationen.

Aber es gab doch bestimmt auch Misserfolge und Rückschläge.

Köhl (lacht): Da muss ich lange überlegen. Misserfolge vergesse ich sofort. Aber was einfach stört, das sind die unterschiedlichen Strukturen bei uns. Es gibt tonnenweise Prospekte. Da kann der Gast oftmals lange suchen, bis er den Richtigen findet. Sonst fällt mir eigentlich nichts ein. Na gut, es gab schon einige Ideen, die wir sofort eingestampft haben.

Und einige, die sich nach kurzer Zeit als schlecht erwiesen haben. Zum Beispiel die Vermarktung des Almabtriebs am Königssee inklusive Herbstfest. Die Gäste sind teilweise stundenlang herumgestanden, haben die Zugänge zu den Geschäften blockiert. Und dann kommen 20 nicht aufgekranzte Kühe. Daraus haben wir gelernt, dass man Brauchtum und Traditionen nicht inszenieren kann. Das geht nur original.

Und jetzt fällt mir noch etwas ein, was mich persönlich sehr geärgert hat. Nämlich, dass wir uns nicht für Olympia beworben haben. Sehr traurig. Wir haben die Infrastruktur und es hätte kaum Kosten und kein Risiko gegeben. Ich finde, dass ein Bürgerentscheid kein probates Mittel der Demokratie ist. Dafür wählt man Volksvertreter, die mit der Sache vertraut sind.

Immer wieder in der Kritik, auch in Leserbriefen im »Berchtesgadener Anzeiger« steht das Gastgeberverzeichnis.

Köhl: Wir haben an die 700 Gastgeber in diesem Verzeichnis, das eine Auflage von 100 000 Exemplaren hat. Und die bringen wir alle los, da bleibt keins übrig. Printprodukte sind nicht tot, im Gegenteil. Viele bestellen das Gastgeberverzeichnis online. Aber ich gebe zu, dass es schwierig ist, die Anzeigen zu akquirieren. Da braucht es oft mehr als fünf Anrufe, um die kleinste Anzeige für 200 Euro zu verkaufen. Aber klar, Gastgeber müssen heute auf so vielen Kanälen vertreten sein, da überlegt man sich jede Investition.

Mal ganz ehrlich: Ist der Wechsel an den Tegernsee ein beruflicher Auf- oder Abstieg?

Köhl: Das kommt darauf an, aus welcher Perspektive man das betrachtet. Klar, die Tegernseeregion hat nur 1,5 Millionen Übernachtungen im Jahr, das Berchtesgadener Land 3,5 Millionen. Dafür verfügt die TTT über ein größeres Budget als die BGLT und hat weitaus mehr Mitarbeiter. Außerdem ist das Tourismusmarketing am Tegernsee gebündelt. Alle Touristinfos und das Buchungssystem sind in ein System integriert. So etwas wie die TRBK gibt es dort nicht. Ganz persönlich schätze ich den Tegernsee als leidenschaftlicher Wassersportler. Außerdem bin ich dann näher an München. Von Berchtesgaden aus ist das immer eine halbe Weltreise.

Was werden Sie am meisten vom Berchtesgadener Land vermissen?

Köhl: Den Watzmann. Und überhaupt die Natur. Aber auch Ausflugsziele wie den Kehlstein, das Salzbergwerk und das Porsche-Traumwerk. Auch den Kurpark mit Gradierwerk in Bad Reichenhall schätze ich sehr.

Gibt es auch Personen, die Ihnen fehlen werden?

Köhl: Ja, sehr viele. Zum Beispiel den ehemaligen Schönauer Bürgermeister Stefan Kurz, den Berchtesgadener Rathauschef Franz Rasp und seinen Angerer Kollegen Silvester Enzinger. Eigentlich werde ich alle Gesellschafter vermissen. Und viele Gastgeber. Ach, die Liste ist zu lang. Aber Berchtesgaden ist nicht aus der Welt.

Nach wie vor hat die BGLT viele Kritiker. Was sind Ihre Abschiedsworte an sie?

Köhl: Der Landkreis Berchtesgadener Land ist trotz seiner Vielfalt eine Einheit. Eine sinnvolle Einheit für einen Tourismusverband. Es gibt eine gemeinsame DNA. Wir können uns sehr wohl als eine Region vermarkten. Diesen Gedanken dürfen wir nicht aufgeben. Christian Fischer